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Arrestzellen

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Saemon



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BeitragThema: Arrestzellen   Do 26 Jan 2012 - 8:14

Arrestzellen

Eine sehr kleine und ungemütliche Unterkunft aus stabilem Holz. Auf der linken Seite befindet sich ein provisorisches Bett, welches ebenfalls aus Holz besteht. Abgesehen von einer Decke bekommen die Gefangenen nichts um es sich ein wenig gemütlich machen zu können. Man hat keinen Blick nach draußen und die Front ist mit starken Gittern gesichert, welche zusätzlich eine Seesteinlegierung aufweisen. Für sanitäre Bedürfnisse stehen den Gefangenen zwei Eimer zur Verfügung, dessen Inhalt alle 3 Tage von einem Wärter geleert wird.

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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 11:48

---> Hafen von Shellstown

Noch immer standen die drei sich gegenüber. Saemon mit Lian im Schlepptau und der Wärter der Arrestzellen, welcher sich nicht ganz sicher war was er von der Szene halten sollte. Er war ausgesprochen Misstrauisch, was man ihm wohl auch nicht verdenken konnte, immerhin war es keine Alltäglichkeit dass irgendein dahergelaufener eine Piratin anschleppt und dann auch noch darauf pocht diese selbst zu bewachen. Ein wenig zögerlich nickte er dann dennoch und stimmte der Sache zu. Er griff sich an den Gürtel und löste den Bund mit Schlüsseln von diesem, reichte sie dann dem Einäugigen hin.
„Das sind die Schlüssel für die Zellen und auch für die Türe. Pass gut drauf auf und vor allem auch darauf dass sie nicht abhaut.“
Auch Saemon nickte nun, war dennoch ein wenig enttäuscht dass der Mann sich so leicht hat überzeugen lassen. Diese Menschen hier waren vertrauensselig. Einerseits eine freundliche und gutherzige Eigenschaft, aber ebenso brandgefährlich. Erneut wurde die Türe betätigt und nach dem Knall, welcher signalisierte dass diese wieder geschlossen war, stand Saemon nun alleine mit Lian hier. Er blickte sie an und schob sie ein wenig zur Seite, zu einem Stuhl hinüber, auf welchem er sie vorsichtig platzierte und dann von ihr losließ. Keine Handschellen oder Fesseln brachte er an, ließ sie einfach auf dem Stuhl sitzen und blickte sie eindringlich an. Er lehnte gegen eine Wand und hatte die Arme vor der Brust verschränkt, dann entwich ihm ein Seufzen und er brach das Schweigen.

Ich hoffe ich hab dir nicht all zu sehr weh getan… Wie geht’s dir?

Natürlich wusste er wie sehr seine Attacken geschmerzt haben mussten, denn auch wenn er ihr keine Schnitte zufügte, so hielt er sich mit seinen Schlägen nur wenig zurück. Der Griff seines Katana’s war hart, das wusste er und ebenso hart war sicherlich auf die Wucht, welche in ihrem Bauch oder auch Rücken entladen wurde. Auch wenn Saemon sich ein wenig schlecht fühlte eine Frau geschlagen zu haben, so verspürte er dennoch keine Reue, immerhin ist sie Piratin und hatte Unrecht getan.

Ganz gleich wie ungerne er auch Gewalt gegen Frauen anwendet, so würde er sich niemals einem Kampf entziehen nur weil es nicht seinen Vorstellungen entsprach. Ganz besonders jetzt, da er sich der Marine angeschlossen hatte und sich von nun an ebenso für die Gerechtigkeit einsetzen würde, gab es kein Pardon mehr für jene Gestalten, welche Angst und Schrecken verbreiten und somit armen und unschuldigen Menschen das Leben zur Hölle machen. Lian war nun einmal ein Part einer solche Crew von Piraten, hatte ebenso keine Reue gezeigt als sie ihre Opfer erledigt hatte und doch baute sich kein Zorn in Saemon auf. Es war ein Krieg und bei einem solchen gab es Opfer und davon nicht zu wenige.

Noch immer wirkte sie ein Bündel Elend, welches sich kaum aufrecht auf dem Stuhl-, oder gar bei Bewusstsein halten konnte. Ihre Waffen wurden ihr natürlich bereits abgenommen, da Saemon hierbei kein Risiko eingehen wollte, doch hat er ja während ihres Kampfes nur zu deutlich gesehen, welche Gefahr auch ohne Waffen noch von ihr ausging. Sie hatte von einer Teufelsfrucht gegessen und somit musste man doppelte Vorsicht walten lassen. Auf einem Schiff der marine gäbe es nun die Möglichkeit ihr Seesteinhandschellen an zu legen, wodurch ihre Fähigkeiten ohnehin blockiert werden würden, doch verzichtete der Kisaragi auf diese Option und beließ sie gänzlich ohne Fesseln. Sie war kaum bei sich und in dieser Verfassung war ein Kampf völlig ausgeschlossen, zudem war Saemon ihr schon überlegen gewesen, als Lian noch im Vollbesitz ihrer Kräfte war.

Es war wirklich eine Schande wie viele so unscheinbare Menschen auf diese falsche Romantik eines Piratenlebens reinfallen. Das machte einem das Leben alles andere als leicht. Immer mehr menschen gründeten Piratencrews und auch wenn diese zu meist nicht auf dem Kasten hatten, so kostete es Zeit und leider auch Menschenleben um sie zu jagen und zur Strecke zu bringen. Besonders die Frischlinge machten immer wieder ärger, da sie noch neu waren und den Drang verspürten ihren Namen in aller Munde zu bringen. Dafür war ihnen jedes nur erdenkliche Mittel Recht und am besten konnte man von sich reden machen, wenn man unschuldige Dörfer oder dergleichen überfiel und besonders brutal vorging. Diese schändliche benehmen konnte man einfach nicht dulden und Saemon würde alles daran setzten um das Unheil im Keim zu ersticken.

Auch Creesters Crew schien auf einen solchen Plan agiert zu haben. Niemand kannte ihn bisher und auch wenn er beeindruckende Fähigkeiten an den Tag brachte, so war er ein No Name. Jemand den noch niemand auf dem Radar hatte und in naher Zukunft hätte sich daran sicherlich auch noch nichts geändert. Ein Angriff auf Shellstown, einer Insel welcher der Marine als Stützpunkt diente, da mit so einer Aktion konnte man wirklich auf sich aufmerksam machen. Es war nicht zu vergleichen mit einem Angriff auf Enies Lobby oder sonst einer Einrichtung der Weltregierung, doch gemessen an den Standards der Blues, war es ein massiver Eingriff in das Territorium des Feindes. Töricht war es dennoch, immerhin musste die Bande doch damit rechnen dass man eine Division entsenden würde, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Würde diese scheitern, so hätte man noch eine und noch eine gesendet. Dann gab es noch immer die Möglichkeit einen Admiral zu entsenden und allerspätestens dann, wäre das Schicksal der Piraten besiegelt gewesen. Was also hatten sie vor? Dachte Creester etwa gar nicht erst so weit? War er so geblendet von dem Ruhm welcher ihm zu Teil werden würde, gemäß ein solches Himmelfahrtskommando hätte Erfolg gehabt? Er schien nicht gerade der umsichtigste Mensch zu sein, sodass man es einfach als Dummheit abtun konnte, doch lag dies nun in der Hand von Godot. Saemon war sich sicher dass ein Gespräch der Kapitäne folgen würde, in welchem Diego alles aus seinem Gefangenen rausbekommen wollte.

Der Rotschopf verstaute den Schlüsselbund in seiner Hosentasche und schob seine Hand zur Sicherheit ebenfalls hinein, spielte ein wenig mit den Schlüssen umher, was ein klimperndes Geräusch von aneinanderschlagendem Metall ergab. Die Tatsache dass Creester noch immer nicht in eine der Zellen gebracht wurde, ließ darauf schließen dass Godot sich sofort seiner angenommen hat. Nur zu gerne würde Saemon sehen wie dieser eine solche Angelegenheit handhabte und wie viel Zorn eigentlich in diesem Mann steckte. Ein Mensch, welcher auf Folter zurückgriff, tat dies nur selten aus gänzlich Uneigennützigen Hintergründen heraus. Während der Folter konnte man nicht nur Informationen beschaffen, sondern zugleich seiner Wut ein Ventil verleihen, diese auf sein Opfer abwälzen. Das Ergebnis war eigentlich immer das Selbe. Am Ende verließ der Foltermeister den Raum mit den benötigten Informationen und einem zufriedenem Lächeln auf dem Gesicht, welcher wiederum zweierlei Gründe hatte.

Der Kisaragi musste gezwungenermaßen daran denken wie er selbst handeln würde, wäre er in Godot’s Lage. Er wäre wohl nicht in der Lage gewesen den Piraten zu foltern und hätte viel zu große Angst dass ihn sein Gewissen dadurch schlecht zusetzen könnte. Ab und an war es schon schwer genug den Kampf gegen einen Gegner auf zu nehmen, doch war dieser bereits besiegt und völlig hilflos. Es wäre genau so, als würde man einen bewusstlosen Menschen, welcher auf dem Boden lag und vollkommen Regungslos war, noch im Nachhinein mit Tritten versehen. Es war einfach ein Unding und auch wenn er die nötige Einsicht besaß um zu verstehen dass manches einfach getan werden musste, so musste er es noch lange nicht gut heißen.

Saemon sah sich in der Kammer ein wenig um und wunderte sich darüber dass abgesehen von ihnen sonst keiner hier war. Der Wärter wurde von Saemon abgelöst doch lag die Frage nahe, wozu dieser Mann hier gewesen ist, wenn es doch niemanden zu bewachen gab? Das erinnerte ihn wieder an den Mann in der Waffenkammer, welcher offensichtlich auch nur den ganzen Tag darin verbrachte und auf seinen Feierabend wartete. Ziemlich eigenartige Arbeitsmoral welche auf diesem Schiff herrschte. Während die meisten ihre Leben riskieren und draußen gegen die Piraten gekämpft haben, gab es doch tatsächlich mindestens zwei Stück, die auf dem Schiff geblieben sind und ihr Posten hielten. Sollte man das nun Pflichtbewusstsein, Feigheit oder einfach nur Faulheit nennen? An sich ja auch unwichtig, sie hatten sicherlich ihre Gründe dafür und sollten es einfach nur Befehle gewesen sein.

Schon bald würde er sicherlich die Sitten der 9. Division kennen lernen, war er doch nun immerhin ein Teil dieser. An sich war Saemon gespannt darauf was so ein Leben bei der Marine alles mit sich brachte. Bislang sah er nur die Kämpfe aber es konnte ja nicht schon alles gewesen sein. Da musste es doch noch mehr geben als den Kampf gegen Piraten oder Revolutionäre. Welchen Grund sollte ein Mensch haben sich der Marine an zu schließen, wenn ihn nur der Kampf und somit irgendwann vermutlich der Tod erwarten würde. Gleichermaßen Neugierig war Saemon jedoch auch was ein junges Mädchen dazu trieb sich als Piratin auf die Meere zu begeben. Sie war noch so jung und doch schon so abgebrüht. Diese Augen, welche sie während des Kampfes zeigte, waren nicht die Augen eines Mädchens. Es waren die Augen einer erwachsenen Frau, welche schon so viel Leid auf dieser Welt gesehen hat, vielleicht sogar Leid, welches sie selbst ausgelöst hat. Sie schienen so voller Feuer und gleichzeitig so gefasst gewesen zu sein. Es lag irgendetwas in ihr verborgen, was nicht sofort sichtbar wird, vielleicht niemals zum Vorschein kommt, wenn sie es nicht zulassen würde, doch wollte Saemon ihr ein Gesicht verleihen und auch wenn er sie niemals verstehen wird, so wollte er es dennoch versuchen.

“Kannst du sprechen? Hörst du mich überhaupt?“

Er wartete einige Sekunden auf eine Reaktion, doch schien sie sich in einer anderen Welt zu befinden. Saemon war sich sicher dass sie ihn hört, so fuhr er letztlich fort.

“Kannst du mir einen plausiblen Grund nennen warum ihr euch entschieden habt Shellstown zu attackieren? Wusstet ihr etwa nicht dass hier ein Außenposten der Marine war? Oder war gerade das der Grund für den Angriff? Ihr könnt doch nicht ernsthaft geglaubt haben dass ihr damit einfach so davon kommt…. Ihr könnt doch nicht einfach so eure Leben wegwerfen und mitten in die Höhle des Löwen kriechen… Ich kann das einfach nicht nachvollziehen, doch haben wir nun genug Zeit um uns ein wenig darüber zu unterhalten. Du hast mir während dem Kampf einiges an den Kopf geworfen und so möchte ich auch dir die Gelegenheit geben um mich ein wenig besser kennen zu lernen, mich zu verstehen und vielleicht sogar ein wenig auf zu klären. Ich hatte dir verraten warum und wofür ich kämpfe, doch interessiert mich natürlich auch dein Antrieb, Was ist es was dich dazu treibt in den Kampf zu ziehen? Hast du wirklich eine solche Freude dabei empfunden wie es den Anschein gemacht hat?“

Es waren eine Menge Fragen welche Saemon auf der Seele brannten. Eine solche Gelegenheit wollte er sich keinesfalls entgehen lassen, immerhin war sie ein Musterbeispiel dafür, was alles schief auf dieser Welt läuft. Es war unwahrscheinlich dass sie in die Crew hineingeboren wurde, immerhin gab es abgesehen von Lian keine weiteren Frauen. Irgendwie ist sie dazu gestoßen, doch was war nur der Grund dafür? Sie war noch so unglaublich jung und angesichts ihrer Taten wohl auch schon einige Jahre bei Creester und dessen Bande. Er musste sie einfach fragen. Er brauchte einfach diese Antworten, um seine Neugier zu stillen, um nicht Nächte lang wach zu liegen, sich immer wieder die gleichen Fragen stellend.

Aufmerksam und mit ein wenig Neugier blickte er zu Lian hinüber, betrachtete diese zum ersten mal im Ganzen, und zwar als Frau und nicht als Piratin. Man konnte nun sagen dass es sich hierbei doch um das gleiche handelt, doch stimmt das nicht. Als Piratin war sie nur eine Gegnerin, bei der das Geschlecht weitestgehend keine Rolle spielte und somit auch nicht als eine Person angesehen wurde. Als Frau jedoch spielten diese Dinge keine Rolle. Sie ist was sie ist und als diese saß sie nun vor ihm. Stark im inneren, zierlich außen und doch mit einer gewaltigen Präsenz, welche Saemon faszinierte. Bei der Erkenntnis was für eine Schönheit sie eigentlich war, merkte er einen krampfhaften Schmerz in der Magengegend, welcher sich ein wenig wie ein Schlag anfühlte. Es war sowieso schon nicht angenehm gewesen eine Frau zu schlagen, doch diese nun mit neutralen Augen zu beobachten, wie sie verprügelt auf dem Stuhl saß, das war zu viel für den Rotschopf.

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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 14:34


Lian brauchte eine ganze Weile, bis sie wieder klar im Kopf wurde. Der ganze Weg in die Arrestzelle der True Justice erschien ihr unwirklich, der Trancezustand ließ sie nicht los und zu allem Übel tat ihr der Kopf so sehr weh, dass sie ihn am liebsten hätte abtrennen lassen. Saemons Arm war zu diesem Zeitpunkt der einzige Halt. Er stützte sie und gleichzeitig bot er ihr einen Hauch von Orientierung, auch wenn es ironisch war, den jungen Mann mit diesem Wort in Verbindung zu bringen. Trotzdem – Lian hatte derzeit nichts anderes, an das sie sich halten wollte, zumal ihr nicht einmal klar war, wohin ihr Weg führte. Hin und wieder schnappte sie nach Luft, ihre Lungen fühlten sich an, als läge etwas schweres auf ihrer Brust, was ihr das regelmäßige Atmen verwehrte. So kam es auch vor, dass man immer mal wieder ein schmerzerfülltes Stöhnen vernahm, während sie die eisblauen, nun leeren Augen zusammenpresste und ihrer Gegenwart damit noch mehr entfloh.

Für Lian war es schwierig, die ganzen Stimmen und neue Geräusche einzuordnen. Es schien, als kämen sie von allen Seiten gleichzeitig. Was wollte man von ihr ? Sicherlich kam sie jetzt ins Gefängnis. Zusammen mit ihrer Crew und mit Creester. Wenn sie ihn am Leben gelassen hatten. Der Gedanke an jenen ließ sie etwas wacher werden. Ihre Lider flatterten unruhig und sie fasste sich mit der rechten Hand an die Schläfe, als Saemon sie langsam auf einem Stuhl niederließ, auf welchem sie sich nur mit viel Mühe halten konnte. Am liebsten hätte sie sich zusammengerollt und gewartet, bis die Schmerzen verschwanden. Aber das würde nun seine Zeit dauern. Lian war nicht nur komplett nass, ihren Körper überzogen auch gewaltige blaue Flecken, die aus ihren Stürzen und natürlich Saemons Treffern resultierten. Alles tat ihr weh, jede Bewegung. Und zu ihrem Pech gesellte sich der altbekannte Muskelkater dazu.

Wo hatte man sie hingebracht ? Irgendwer sprach zu ihr. Mit sehr langsamen Bewegungen rieb sich das Mädchen über die Augen und wischte sich die nassen, blonden Strähnen aus dem Gesicht, welches, trotz, dass sie immer blass war, eine eher kränkliche, weiße Färbung zeigte. Langsam bewegten sich Lians große, katzenhafte Augen durch die kleine, unansehnliche Zelle. Bereits der erste Blick verriet, dass sie ungemütlich war. Aber was erwartete man schon von einer Arrestzelle ? Schließlich waren diese zum größten Teil dazu da, dass man über sein Fehlverhalten nachdachte und eine gerechte Strafe erfuhr. Doch was war schon Gerechtigkeit ? Lian hievte sich mit verzogenem Gesicht in dem Stuhl herauf und erblickte die Pritsche, auf welcher lediglich eine Decke lag. Na, das versprach doch gleich romantische Abende. Dennoch – es war etwas, womit sie umgehen konnte. Als Pirat lernte man, sich auch oft an die niedrigsten Voraussetzungen zu gewöhnen. Das Leben war kein Wunschkonzert und das hatte sie bereits früh erfahren. Irgendwie würde sie auch das hier meistern. Man würde sie nicht für immer hier drin halten, sie gar verrotten lassen. Ketten waren an den Wänden angebracht. Ob man ihr diese noch anlegen würde ? Dieser Gedanke war schon unangenehmer. Ohne Saemon im ersten Moment zu beachten, drückte Lian sich schließlich von ihrem Stuhl hoch und stand auf wackeligen Beinen. Noch immer sprach sie kein Wort.

Sie fror. Und sie hatte den dringenden Wunsch, ein Bad zu nehmen. Nässe war ein unangenehmes Gefühl. Ihre Haare und ihre Sachen würden nicht so schnell trocknen können. Mit einem Seufzen zog sie sich den großen Hut vom Kopf und ließ ihn auf die Sitzfläche des Stuhles gleiten. Saemon plapperte vor sich her. Erst jetzt bemerkte sie den Rotschopf, der sich bester Gesundheit erfreute und verzog angewidert den Mund. Es war wohl der Schock über die allgemeine Situation, der sie dazu brachte, dass ihre zittrigen Knie einknickten und sie wieder zurück auf den Stuhl und auf ihren Hut fiel. Lian presste sich die Hände auf die Ohren. Warum hörte er nicht endlich auf, zu sprechen ? Er quasselte und quasselte, was das Zeug hielt. Als ob er nicht noch oft genug Gelegenheit dazu haben würde, sie zu sprechen. An Flucht war ja offenbar eh nicht zu denken. Jedenfalls machten die gewaltigen Gitterstäbe nicht den Eindruck, als würden sie sich Lians ‚unglaublicher Muskelkraft‘ beugen.

„ Sie hätten mir jeden hier reinschicken können, warum ausgerechnet dich?“,

murmelte sie und Gereiztheit lag in ihrer Stimme. Sie legte die Arme auf die Lehnen und stützte ihre Stirn in ihre linke Hand.

„Von allen Marionetten und Idioten der Marine auf dieser Welt, warum grade dich ?“

Offenbar ging es ihr schon ein wenig besser, die Ernüchterung hier mit diesem Rotschopf festzusitzen, lag ihr schwer im Magen. Womit hatte sie nun das wieder verdient.

Irgendwo aus seinen Worten dachte sie herausgehört zu haben, dass er hoffe, ihr nicht allzu schwer zugesetzt zu haben. Lian konnte nicht anders. Sie verzog den Mund zu einem spöttischen, aber auch ungläubigem Lächeln. Er machte sich lächerlich. Und sie mit dazu. Sie hasste es. Hasste es, ihm nichts entgegensetzen zu können. Und er stand da, protzig vor Energie und Kraft und erdreistete sich, ihr auch noch zu sagen, er habe sie nicht verletzen wollen.

„Nichts für Ungut, Ich habe mir immer mal gewünscht, über eine halbe Stunde lang verdrescht und dann in eine Zelle mitten in Shellstown gesperrt zu werden. Klitschnass und frierend. Mir geht’s gut. Ja. Wirklich.“,

zischte sie also mit vor Zynismus triefender Stimme und warf ihm einen ablehnenden Blick zu, die Arme mittlerweile verschränkt. Was erwartete er jetzt von ihr ? Sollte sie ihm ihr Herz ausschütten, um Gnade winseln, ihn Anflehen, wieder raus zu dürfen? Das würde ihm so passen. Lian richtete sich erneut auf und stemmte die Hände in die schmerzenden Hüften. Besonders die Linke gab einen unglaublichen Schmerz frei, der sie zusammenzucken und die Augen etwas weiten ließ. Wohl die Stelle, an welcher er sie noch während ihrer Radwende zum Fall gebracht hatte. Sie ließ gepresst die Luft aus und mied seinen Blick.

„Nett hier.“,

stellte sie trocken fest und trat an Saemon vorbei zur Pritsche. Jeder Schritt tat weh. Die ersten Tage würde sie nur hier herumliegen und nichts tun, soviel stand für sie zumindest fest. Als Gefangene hatte man eh keine Pflichten. Es sei denn, sie wollten sie in ein Arbeitslager schicken oder was auch immer. Sie kannte sich nicht mit den Regeln Shellstowns aus. Aber gut waren diese nicht mehr auf sie und ihre Crew zu sprechen. Auf dem Weg zu ihrer Pritsche sah sie aus dem Gitter hinaus. War Creester im selben Trakt untergebracht? Wahrscheinlich nicht. Sie sah auch niemand anderen und das kam ihr schon komisch vor. Es sei denn, sie brachten Frauen und Männer getrennt unter. Dann würde es natürlich Sinn machen, dass sie mit dem Rotschopf ganz alleine war. Alleine.

Lian zuckte zusammen. Sie war also komplett alleine mit ihm hier ? Misstrauisch warf sie ihm einen kühlen Blick über die Schulter zu und rümpfte die Nase, musterte ihn unverwandt. Er machte nicht den Eindruck, als habe er vor, ihr weiter wehzutun. Aber vermutlich musste er ihr noch die Ketten anlegen. Schließlich wandte die Piratin den Blick wieder ab und besah sich die Pritsche, die nicht mehr als ein dünnes Brett war. Ein stand fest, nach der ersten Nacht würde ihr Rücken noch mehr wehtun, als er es aktuell tat. Lian entließ ein leises Pfeifen zwischen ihren Zähnen, die nicht mehr länger spitz waren und knöpfte ihren dunkelblauen Mantel auf, den sie daraufhin auszog, faltete und ordentlich auf das Fußende der Pritsche legte. Selbiges machte sie mit ihrem weißen Faltenrock. Alles andere beließ sie allerdings an ihrem Körper, wenn auch noch immer nass. Schließlich war sie hier noch nicht allein. Schweigend setzte sie sich auf das kühle, harte Brett. Es fühlte sich noch schlimmer an, als sie vermutet hatte. Aber sie lächelte tapfer.

Doch ihr Lächeln erlosch schnell. Aus dieser Position konnte sie auch den Rest der Zelle besichtigen, der ihr bis vor Kurzem noch verborgen geblieben war und ihre Augen trafen die Eimer. Verwirrt musterte sie diese beiden und sah dann fragend zu Saemon.

„Was ist denn das ?“ ,

fragte sie mit erhobenen Augenbrauen.

„Du kannst das mitnehmen, mir ist nicht mehr übel.“

Erst dann dämmerte ihr langsam, was es mit den Eimern auf sich hatte. Die großen Augen Lians weiteten sich und voller Mund öffnete sich einen Spalt breit. Sofort begann sie wild mit dem Kopf zu schütteln. Das konnte nicht sein Ernst sein. Das KONNTEN sie einfach nicht von ihr verlangen ! Nie im Leben würde sie Eimer für sanitäre Bedürfnisse nutzen.

„Nein . Auf KEINEN Fall !“,

sagte sie scharf und ihre Augenbrauen zogen sich jetzt tief in ihrer Gesicht, als sie Saemon wieder ansah. Dieser elende Quälgeist. Er würde erst ruhen, wenn sie vor ihm winselte, das sah sie ihm an. Empört über die unangenehmen umstände griff sie nach der dünnen Decke und wickelte sich in diese ein. Das Mädchen wirkte jetzt wie ein kleines, störrisches Kind, das seinen Willen nicht bekommen hatte. Die Augenbrauen erbost ins Gesicht gezogen, der Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst und die Mundwinkel nach unten gezogen, zitternd. Das war die reinste Schikane. Wenn er wollte, so sollte er sie doch abermals angreifen, sie verletzen, ihr wehtun. Kein Problem. Aber dies war eine Art psychische Folter, die sie nicht ertrug.

„Ich schätze, hier kann man nirgends ein Bad nehmen..“,

murmelte sie dann leise und wandte den Blick auf den steinigen Boden. Natürlich gab es das nicht. Immerhin befand sie sich nicht in einer Gaststätte. Sie würde warten müssen, bis sie trocknete, ihre Haare würden verknoten und so weiter und so fort. Abermals seufzte das junge Ding, geplagt von Verzweiflung und Erniedrigung, die sie in just diesem Moment empfand. Und zu allem Überfluss würde dieser Kerl sich auch noch an ihrem Leid ergötzen können. Kopfschüttelnd griff sie in die Tasche ihrer blauen Jacke, die sie zuvor gefaltet hatte und zog ein kleines Päckchen hervor, in welchem sie Pflaster, Verbände und Mullbinden für eine Erstversorgung aufbewahrt hatte, ebenso, wie eine kleine Flasche mit Desinfektionsspray. Ihre Handflächen waren gänzlich aufgeschrappt und brannten höllisch. Ohne Saemon weiter zu beachten, sprühte sie die heilende Flüssigkeit auf ihre Hände und tupfte sie im folgenden Schritt mit einer Mullbinde ab, nur um dann eine weitere, sterile, mit großer Genauigkeit und Präzision aufzulegen und sie anschließend abzubinden. Schon besser. Jedenfalls konnte sie jetzt sicher sein, dass keine weiteren Bakterien an ihre Wunden gelangten. Die anderen waren wenigstens keine offenen Wunden. Immerhin etwas. Das hatte sich der Rotschopf ja nicht getraut oder er hatte dies als zu schnellen Tod für ein augenscheinlich böses Piratenmädchen ohne Moral und Sinn für das Gesetz empfunden. Bei diesem Gedanken musste sie wieder voller Abscheu schmunzeln. Komischer Kauz. In was war sie da nur herein geraten ?

Fast bereute sie die Aktion, die sie auf Shellstown durchgeführt hatten. Natürlich, leichtsinnig war es allemal gewesen, das hatten sie schon vorher gewusst. Aber niemals hätten Lian und die anderen Piraten erwartet, dass es der Division derart schnell gelingen würde, die Stadt von ihnen sauber zu fegen und sie alle einzusperren. Creester.. Lian hoffte mehr als alles andere, dass er noch lebte und man ihn gut behandelte, ihm vielleicht sogar die Flucht gelingen würde, wenngleich das eine aberwitzige Hoffnung war. Besonders ihn würden sie wohl vemehrt und besonders stark beobachten, damit er sich keine Mätzchen erlaubte.Dass sie ihn jemals wieder sehen würde, schien ihr unwahrscheinlich. Ein schmerzlicher Gedanke. Ihre Augen brannten. Bahnten sich da etwa Tränen ihren Weg ? Lian blinzelte schnell mit den Augenlidern, trieb jede noch so geschickte und flinke Träne hinfort. Oh nein. Diesen Gefallen tat sie ihnen nicht. Und sie hatte auch kein Recht darauf, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Schließlich hatte sie nach Strich und Faden versagt, sich selber überschätzt und einen bitteren Preis dafür bezahlt.

Und er war Schuld. Nur er allein. Niemals würde sie ihm das verzeihen. Und irgendwann, wenn er nicht damit rechnen würde, würde sie bittere Rache an ihm üben und ihn niemals vergessen lassen, mit wem er sich angelegt hatte. Nun, der erste Schritt war zumindest getan. Ein paar Narben von ihren Krallen würde er bereits davontragen. Fragte sich nur, was noch folgen würde.


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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 16:07

Es war durchaus beeindruckend wie viel Stolz in solch einer kleinen Person stecken konnte. Viele Männer könnten sich eine gewaltige Scheibe von dieser jungen Dame abschneiden, doch galt es nun dennoch ihr zunächst mal klar zu machen, wo sie sich überhaupt befand und was sie erwarten könnte. Mit ihrem Angriff auf Shellstown haben sich die Piraten eine Menge Ärger eingehandelt und dieser sollte auch auf Lian zukommen. Saemon entfernte sich von der Wand und trat hinüber zu ihrer Zelle, deren Türe noch immer geöffnet war. Dennoch war klar dass sie keinen Fluchtversuch unternehmen würde. Sie war schlau genug um zu sehen dass sie unterlegen war und dass sie ganz besonders Saemon keinerlei Genugtuung geben wollte, merkte man ebenso schnell.

Er stellte sich mitten in den Durchgang zu ihrem ‚Quartier‘ und sah auf sie hinab, lächelte freundlich, auch wenn man dahinter ein wenig Zynismus erkennen könnte. Das lag einfach daran dass Saemon‘s Blick zumeist unscheinbar und nur schwer zu deuten ist, wodurch er oftmals verschlagen wirkt. Seine Haare waren inzwischen getrocknet, doch galt dies nicht für seine Kleidung. Das wurde ihm klar als er Lian dabei beobachtete, wie sie sich ihrer tropfenden Klamotten entledigte und säuberlich ablegte. Saemon entnahm seiner Hosentasche die Schlüssel der Zell und lief die restlichen 5 davon ab. Er öffnete jede Zelle, betrat diese und entnahm den Pritschen die Decken, welche er über seinen Arm legte und damit wieder zurück zu Lian trat. Einen Moment lang blieb er schweigsam und sah erneut auf sie herab. Er fand ihre feindselige Art irgendwie amüsant. Sie wirkte so angestrengt böse, als würde es gar nicht zu ihrer Art passen, als müsste sie sich zwingen alles und jeden zu hassen. Saemon blieb einfach nichts anderes übrig als zu schmunzeln. Er betrat die Zelle und blieb kurz vor der Pritsche stehen, legte schweigend die Decken darauf und machte dann wieder einen Schritt nach hinten.

Er sah zum ersten mal die Arrestzellen und war ein wenig überrascht darüber wie barbarisch diese doch ausgestattet waren. Die Funktionalität der zwei Eimer war relativ schnell ausgemacht und so entsetzt und angewidert Saemon auch davon war, so empfand er ihre empörte Reaktion zu tiefst lustig. Wäre die Lage nicht so angespannt und ernst, so könnte er glatt in Gelächter ausbrechen. Seine Augenbrauen wanderten ein Stück nach oben, wodurch der Ausdruck auf seinem Gesicht etwas freundlicher wirkte, obgleich ihm klar war dass Lian sich davon nicht umstimmen ließe.

“Nun zunächst einmal muss ich dich enttäuschen was deinen Eindruck von mir angeht. Ich bin keine Marionette, auch wenn ich von nun an der Marine angehöre. Desweiteren befindest du dich hier nicht mehr auf Shellstown, sondern steckst in einer Arrestzelle auf dem Schiff der 9. Division. Ich bin mir sicher dass die Zellen auf Shellstown ein wenig gemütlicher ausgefallen wären, aber gut, das kann man nun nicht mehr ändern. Um dich ein wenig über die Lage auf zu klären… Ich habe darauf bestanden dich mit an Bord zu nehmen, da ich nicht der Meinung bin dass du zu dem Rest der Bande passt. Aber abgesehen davon empfand ich es als zu riskant dich bei den Soldaten von Shellstown zu lassen, da die Fluchtgefahr zu groß wäre. Ich wollte dich persönlich im Auge behalten, doch habe ich keine Lust meine Zeit auf dieser Insel zu vergeuden. Wie du siehst, ist das alles recht schnell erklärt. Also machen wir gleich weiter. Du bist die einzige Gefangene hier, was heißt dass du die Decken der anderen Zellen haben kannst. Du bist nass, und hier drinnen ist es kalt. Ich werde mich nachher mal nach Ersatzklamotten für dich umsehen, immerhin will ich nicht dass du an einer Erkältung zu Grunde gehst. Zu guter letzt wollen wir doch mal über die sanitären Anlagen an Bord sprechen… Wie die siehst… Nunja ich denke dazu muss ich nicht mehr sagen. Ich will dir ein Angebot machen. Du beantwortest meine Fragen und ich werde dir dafür gestatten die Toilette des Schiffes zu benutzen. Ich hab zwar keine Ahnung wo die nächste ist, aber das sollte der geringste Problem an der Sache sein. Also was sagst du? Kling das nach einem Deal?“

Ohne eine Antwort ab zu warten setzte er sich neben sie auf die Pritsche. Man erkannte an seinen Oberschenkeln noch überdeutlich die Spuren ihres Befreiungskampfes, welche in Form von kleinen und tiefen Löchern im Fleisch zu sehen waren. Die hatte wirklich ganze Arbeit geleistet, da diese weniger Kratzern, als viel mehr Messerstichen glichen. Nur ein Grund mehr darauf auf zu passen, dass Lian nicht die Gunst der Stunde dazu nutzen würde, sich in ihre Teufelsgestalt zu verwandeln und somit Saemon attackieren würde.

Saemon blieb erneut schweigsam, sah sie einen Moment lang an und versuchte ein Einschätzung von Lina zu erhaschen. Auch wenn sie es ihm nicht glauben mochte, es sogar als Verspottung ansah, so tat es ihm Leid sie so zugerichtet zu haben. Sie ließ dem Rotschopf allerdings auch keine andere Wahl. Sie mussten aufgehalten werden und Gewalt war nunmal die einzige Sprache, welche Piraten zu verstehen schienen.

Das Schiff wackelte unaufhörlich hin und her. Noch war der Seegang rau und auch wenn die Sonne schien, so zogen starke Winde über das Meer hinweg. Saemon wusste nicht was noch auf ihn zukommen würde, doch war es sicher dass die Reise schon bald beginnen sollte. Shellstown war wieder sicher und man würde die 9. Division sicherlich an einem anderen Ort besser brauchen können. Erst mal mussten jedoch die Verwundeten und auch die Gefallenen versorgt werden, schließlich sollten ihre Seelen Ruhe finden.

Saemon spürte überall schmerzende Kratzer am Leib, auch wenn diese an sich nur in den Schulterbereichen und seinen Oberschenkeln vorhanden waren. Dieser ekelhafte, stechende Schmerz durchfuhr den gesamten Leib des Rotschopfes und machte sich insbesondere bei jeder Bewegung bemerkbar. Die Blutungen waren inzwischen gestoppt, doch waren seine neuen Klamotten völlig ruiniert und so war es nur der schwarzen Farbe des Stoffes zu verdanken, dass man darauf keine Blutflecken sah.

Der Kisaragi war zäh, konnte sich den Schmerz ganz gut wegdenken und ihn mit Fröhlichkeit übertönen. Doch hielt er sich mit dieser ein wenig zurück. Er wollte nicht übertrieben glücklich wirken, nachdem was hier vorgefallen war, denn immerhin würde das Lian vermutlich noch mehr zusetzen, als es bisher schon der Fall war. Ihr Stolz sollte nicht noch mehr Kratzer erhalten, immerhin konnte keiner so genau sagen wann dieses Gebilde endgültig den Geist aufgab und in sich zusammenfiel. Der Stolz, sei es nun wahrer oder wie in so vielen Fällen, falscher, war etwas dass man niemals angreifen darf. Vielen Menschen geht nichts über ihren Stolz und so könnte man oftmals irreparable Schäden anrichten, sollte man wieder und wieder auf diesem umher trampeln.

Er rieb sich über das Gesicht und gab einen angestrengten Seufzer von sich. Langsam kam Müdigkeit in ihm auf, immerhin hatte er seit Tagen nicht mehr ordentlich geschlafen. Das zeichnete sich auch in seinem Gesicht ab, welches blass war und von tiefen Augenringen geprägt wurde. Es war wohl nur noch sein starker Wille, welcher den Rotschopf wach hielt und ihn zur Aufmerksamkeit zwang.

“Bevor wir loslegen, seh ich mal zu ob wir nicht irgendetwas für dich finden. Hast du hunger? Ach was frag ich, sicherlich hast du welchen und wenn nicht, dann wird der schon irgendwann kommen. Du wirst verzeihen dass ich die Zelle vorerst schließen muss.“

So erhob er sich wieder und verschwand einen Moment aus dem Zellenraum, in welchem Lian nun gänzlich alleine saß, eingesperrt in ihrer Zelle mit nichts als einigen Decken und zwei Eimern. Insgesamt vergingen etwa 15 Minuten, bis Saemon wiederkehrte und ein Tablett auf der linken Hand balancierte. Unter dem rechten Arm war ein kleines Bündel gestopft, welches sich kurz darauf als ein weißes Hemd und eine schwarze Hosen heraus stellten. Saemon stellte beides auf einem Stuhl ab, nahm dann erneut den Schlüsselbund in die Hand und öffnete die Zelle Lian’s. Das Tablett stellte er vor ihr auf den Boden und legte die Klamotten neben sie auf der Pritsche ab. Diesmal blieb er stehen und rieb sich die Schläfen, massierte anschließend seinen Nasenrücken einen Moment, ehe er fortfuhr mit Lian zu sprechen.

“Nun ich hoffe du magst Gulasch… Es ist zwar ein wenig verkocht, aber es sollte dennoch schmecken. Ich habe es im übrigen selbst zubereitet, doch kann ich dir vergewissern dass es nicht vergiftet oder dergleichen ist. Solltest du keinen Hunger haben, tu mir den Gefallen und schmeiß es nicht gegen die Wand oder dergleichen. Nahrung ist etwas wertvolles, was du hoffentlich zu schätzen weißt. Wenn du es nicht willst werde ich es eben essen. Ach ja und die Klamotten hab ich aus der Waschkammer. Es mag zwar nicht ganz dein Stil sein, aber was anderes habe ich auf die Schnelle nicht gefunden. Dann lass uns mal wieder zur Sache kommen. Was hat dich zu den Piraten getrieben? Welchen Grund hast du für all das bitte gehabt?“

Er kam direkt zur Sache, da seine Lust auf großartigen Smalltalk so langsam verflogen war. Er war bemüht der Piratin ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, doch erwartete er dafür natürlich ein wenig Vertrauen. Allgemein durfte sie sich nicht darüber wundern dass man sie hier gefangen hielt. Es war wohl klar dass man jemanden der wissentlich eine Insel überfällt, nicht so einfach auf freiem Fuß lassen konnte, also sollte sie froh darüber sein dass Saemon ihr dennoch so entgegenkam. Creester dürfte da wohl nicht so viel Glück haben und auch wenn Saemon noch immer nicht klar war, was man mit diesem anstellen würde, so war er sich dennoch sicher dass Lian es wesentlich besser hatte als ihr Kapitän. Wieder und wieder drangen gequälte Schreie der Verwundeten durch die hölzernen Wände hindurch an Saemon’s Ohr, welcher dabei jedesmal einen betrübten Gesichtsausdruck auflegte. Das sollte wohl die Kehrseite der Medaille sein, wenn man sich dazu entschieden hat das Gute zu verfechten. Tod und Verwundung waren dein stetiger Begleiter und lauerten hinter jeder Ecke um dich auf jegliche nur erdenkliche Weise zu erwischen.

Der Rotschopf fragte sich wie der Schiffsarzt mit all den Verletzten zurecht kam. Diese Arbeit war sicherlich auch alles andere als angenehm. Man hatte sich dazu verschrieben um Leben zu retten, garantiert eine wunderschöne Vorstellung, doch erlebte man auf diese Weise auch jede Menge Leid und Schmerz, vielleicht zu viel als dass ein einzelner Mensch damit klarkommen würde. Man musste schon wirklich hart im nehmen sein, wenn man sich dazu entscheidet als Schiffsarzt tätig zu werden. Man hatte sicherlich ebenso wie ein Arzt an Land auch mit Krankheiten zu tun, nur ein paar Kleinigkeiten, doch sah man um so öfter auch die Ausmaße der Schlachten zwischen zwei Parteien.

Saemon beschloss in den nächsten Tagen mal ein Gespräch mit dem Arzt zu führen, sodass seine Neugier ein weiteres male gestillt werden sollte. Er agierte oftmals aufgrund seiner Neugier, fühlte einen inneren Zwang diese zu befriedigen und Aufklärung zu erhalten.

Er legte seinen Kopf ein wenig zur Seite und beobachtete Lians Reaktionen. Er fragte sich ob es ihm überhaupt gelingen würde irgendwie zu ihr vor zu dringen. Beinahe wirkte sie wie ein verstörtes junges Mädchen, welches beobachten musste wie ihre Eltern umgebracht wurden und aufgrund dessen nichts mehr sprach. Bei Lian war das nicht ganz der Fall. Sie sprach, doch sagte sie nichts. Sie flüchtete sich in Bosheiten und unterdrückte ihre Gefühle. Alles was für sie von Belang war, galt dem Unterdrücken von Schwäche. Sie konnte einfach nicht sie selbst sein, doch musste man so werden wenn man inmitten einer Bande von Gesetzeslosen als einzige Frau überleben wollte. Wie sollte man von Piraten ernst genommen werden, wenn man ein Gefühlsbündel der obersten Klasse war?

[color=red]“Du kannst offen mit mir sprechen. Ich habe nur meine Pflicht erfüllt, welche ich mir selbst auferlegt habe. Wir waren beide Beteiligte eines Krieges, der schon seit Jahrzehnten stattfindet. Doch solltest du aufhören mich wie einen Feind zu behandeln, auch wenn ich in deinen Augen das Böse sein mag. In deiner Crew musstest du stark sein und durftest keine gefühle zeigen, hab ich recht? Aber ich werde dich nicht dafür verspotten.“[/ color]

Er klang ehrlich und doch erkannte man einen gewissen Nachdruck in seiner Stimme. Sie hatte viel durchmachen müssen, hatte sich jedoch auch selbst dafür entschieden, soviel stand für Saemon fest. Sie hatte eigentlich keine große Wahl. Ihr Leben als Piratin könnte sie keinesfalls fortsetzen, da Saemon alles daran setzen würde, um sie daran zu hindern. Mit ihm hatte sie eine Klette, welche sie niemals wieder loswerden würde, sollte sie weiter Unrecht tun.

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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 19:08


Sie war verwirrt. Er sprach und handelte wider seiner bisherigen Taten. Was.. taten sie überhaupt hier ? Lian musterte Saemon, der sie zeitweise sogar nett ansah, skeptisch und verschränkte die Arme. Unter der dünnen Decke verschränkte sie die Arme und quälte sich nahezu im Versuch, ihn einzuschätzen und rauszufinden, was er von ihr wollte. Und zu ihrer Überraschung hatten seine Fragen nur wenig mit ihrer Crew zu tun und ihrem Breitmachen in Shellstown. Was stimmte nicht mit diesem Kerl ? Ohne ein Wort zu sagen, hörte sie seinem erneuten Redeschwall zu. Dieser Kerl konnte wirklich reden, was das Zeug hielt und schien dessen niemals müde zu werden. Und nett war er. Irgendwie. Die Piratin empfand eine ungeheure Wut auf sich selber, als sie sich dieses Faktum eingestehen musste und wandte den Blick ab. Trotzdem.. beim Anblick der Decken wurde ihr glatt ein wenig wärmer. Sie würde vielleicht ein paar unterlegen können, dann würde die Pritsche nicht so hart sein. Eine gute Idee.

Ja, sein Angebot war wirklich verlockend. Alles in ihr sträubte sich dagegen, diese Eimer zu benutzen und mit Sicherheit hätte sie dies auch nie getan. Eher wäre sie gestorben, daran, dass sie innerlich zugrunde ging oder dergleichen mehr. Als er fertig war, sagte sie noch immer nichts. Warum machte er das für sie ? Warum war er so darauf bedacht, es ihr angenehm zu machen ? Und wieso erdreistete er sich zu behaupten, sie hätte nicht in ihre Crew gepasst ? Dennoch.. trockene Sachen und die Toilette des Schiffes… Das schien ihr wirklich fair. Vorsichtig blickte sie auf. Saemon hatte sich derweil auf ihrer Pritsche niedergelassen und sie zog ihre zierlichen Beine zurück, bis sie sie an ihren Körper gezogen hatte und ihre Arme um diese schlingen konnte. Ihr Kinn legte sie auf ihrem rechten Knie ab.


„Mh..“


Machte sie lediglich leise, allerdings folgte dann ein kaum merklichen Nicken und es war nur allzu deutlich, wie schwer es ihr fiel. Es passte ihr nicht in den Kram, dass sie sich als Einzige ihrer gesamten Crew auf diesem Schiff befand und sie keinen Einfluss darauf hatte, was mit ihnen geschah. Vor ihrem inneren Auge sah sie das Gesicht eines Jeden von ihnen noch einmal sehr deutlich, doch Creesters blieb am längsten. Lian zupfte im inneren Kampf an der Decke herum.

„Wer bist du, damit du entscheidest, zu wem ich passe..“,

murmelte sie dann leise und statt Wut und Abscheu klang diesmal nur Traurigkeit in ihrer Stimme mit. Es machte ihr wirklich zu schaffen, dass man sie von den restlichen Piraten getrennt hatte.

„Ich wollte, du hättest mich bei ihnen in Shellstown gelassen.“

Lian löste ihre Arme von ihren Knie und stützte ihren Kopf auf ihre Hände. Saemon würde also nur noch ihre dürren Ärmchen selbst und den Schwall feuchter, blonder Haare sehen, der sich wie eine Mauer schützend vor ihr auftat. Kein Schmerz an ihrem Körper konnte beschreiben, wie sehr sie ihre Familie vermisste.

Saemon fragte sie, ob sie Hunger hatte. Sie schüttelte den Kopf. Doch noch bevor sie damit fertig war, durchzog ein lautes Knurren die kleine Zelle, die aus ihrer Magengegend kam, klagend, zehrend. Die Piratin zuckte vor Scham zusammen. Jetzt schüttelte sie noch heftiger mit dem Kopf. Ihr war nicht danach, zu essen, auch, wenn sie wirklich großen Hunger hatte. Andererseits hatte ihre Crew sicher auch nicht das Glück, etwas zu sich nehmen zu können.

Der Rotschopf schien ihre Verneinung nicht bemerkt zu haben. Jedenfalls stand er auf und verließ die Zelle. Jetzt, so ganz allein, fühlte Lian sich klein und einsam. Selbst diese Nervensäge war ihr lieber gewesen, als gänzlich allein zu sein. Von ihrem Platz auf der Pritsche drückte sie sich ein wenig herauf und lugte durch die Gitterstäbe, vor welchen ein dickes Schloss hing. Allein. Sie war hier ganz allein. Irgendwer würde hier reinkommen können und sonst etwas tun und niemand würde es merken. Saemon konnte nicht immer bei ihr sein und wenn sie ehrlich war, wollte sie das auch nicht.

Trotzdem kam er schneller als erwartet zurück. Es war eigenartig, ihn so gutgelaunt zu sehen. Die Kleidung, die er mitbrachte, betrachtete sie mit Zweifel. Sicher, es war eine Sache, dass diese nicht ihrem Stil entsprachen, aber solche Divenallüren wollte sie sich garnicht erst erlauben. Ihr Problem war, dass ihr die Hose und das Hemd wohl kaum passen würden. Wem sie wohl gehörten? Frisch waren sie jedenfalls. Das Gulasch rührte sie nicht an, sie schenkte dem Essen nicht einmal einen Blick, obwohl sein Geruch den Hunger in ihrer Magengegend nur bestärkte und sie die Lippen zusammenpresste. Mit leerem Blick sah sie Saemon an.

„Warum ?“,

fragte sie schließlich.

„Wieso .. machst du das alles ? Es müsste dich nicht kümmern. Behandelst du alle deine Gegner so ?“ ,

sie konnte sich das kaum vorstellen. Aber es ungefragt lassen, wäre auch nicht ihre Art gewesen. Seine Fragen schob sie erst einmal beiseite. Sollte sie ehrlich sein ?

„ Ich.. Creester ist mein Vater.“,

erklärte sie schließlich. Im Grunde genommen war das nicht einmal falsch. Jedenfalls hatte er diesen Begriff, diese Beschreibung um viele, viele Längen mehr verdient, als ihr Erzeuger es tat, der in diesem Moment wahrscheinlich volltrunken in irgendeiner Bar lag und seinen Rausch ausschlief, wahrscheinlich bereits völlig vergessen hatte, dass er irgendwo in East Blue Frau und Kinder hatte, die täglich um das Überleben gekämpft und es alles andere als einfach gehabt hatten.

„Man folgt seinem Vater. Auch, wenn man seine Ideale nicht immer vertritt. Aber er hat diesen Begriff verdient. Creester ist nicht das Monster, für das ihn alle halten. Natürlich hat.. er seine Ansichten. Aber wir haben alle unterschiedliche Ansichten und wer sind wir schon, darüber zu urteilen, wer die richtigen und wer die falschen hat ? Ich verfolge nur die Ideologie, dass ich das Beste geben will, um für das zu Kämpfen, was mir etwas bedeutet. Koste es, was wolle. Im Grunde tust du nichts anderes, nur sind es in diesem Falle deine Ideale, keine Menschen. Ich frage mich, wer uns beiden menschlicher ist.“

Letzteres sprach sie betont trocken aus und sah ihm dann direkt in das blaue Auge. Schließlich nickte sie in Richtung seiner Augenklappe.

„Was ist geschehen ? Wo hast du es verloren ? Oder ist die Klappe nur so da ?“,

Es mochte wohl komisch erscheinen, dass sie fragte, ob es sich nur um einen Modegag handle, aber Lian selber verfügte ebenfalls über eine Augenklappe, die sie dann und wann aus Spaß trug. Creester hatte sie ihr geschenkt, als sie das erste Mal das Deck seines Schiffes betreten hatte, das Schiff, das ihr zu Hause geworden war. Ein seltsames Gefühl, sich nie wieder auf diesem zu wissen. Vermutlich hatte die Marine es zerstören lassen und alles, was darin enthalten war. Im Grunde hatte sie nichts mehr, abgesehen von den wenigen Habseligkeiten, die sie bei sich getragen hatte und ihrem Stolz, den sie noch immer mit allen Mitteln zu verteidigen versuchte. Saemon brauchte überhaupt nicht denken, dass er gewonnen und sie eingelullt hatte. Ihn nicht als Feind betrachten ? Wo er doch Schuld an ihrem Desaster war ? Jedoch gab er sich Mühe, das wieder wett zu machen, soviel musste sie zugeben. Ob er ein schlechtes Gewissen hatte ?
Trotzdem. Er ging zu weit, als er behauptete, sie hätte gegenüber ihrer Crew keine Gefühle zeigen dürfen. Der gesamte, zierliche Körper der Piratin zitterte auf und ihr blasses Gesicht nahm einen rosigen Ton an.

„Wag es dich nicht, so über meine Familie zu sprechen !“ ,

fauchte sie ihn an und war auf ihre Knie gesprungen, die kleinen Hände zu Fäusten geballt, jedoch dicht links und rechts an ihren Körper gepresst. Lians Brustkorb hob und senkte sich gut sichtbar.

„Wie kannst du so etwas nur sagen ? Ich habe vor meiner Familie alle Gefühle zeigen können, die mir in den Kram passten, meine Crew WAREN meine Gefühle, verstehst du das ? Oder lebst du nur von falschen Tugenden ?“

Auch wenn sich ihr folgender Schritt als Fehler erweisen würde, so konnte sie sich nicht zusammenreißen. In ihr loderte ein wildes Feuer, der Schmerz des Verlustes und die Wut über diesen jungen Mann, der ihr etwas über ihre Crew erzählen wollte, die ihr als Erste in ihrem Leben gezeigt hatten, was es hieß, ein Teil des großen Ganzen zu sein. Und sie war eben noch jung, jung und ungestüm und ließ sich zu unüberlegten und riskanten Reaktionen hinreißen, wie eben diese, die auf ihre Worte folgten.

Und zwar stieß sich die blonde Piratin mit kalten Augen aus ihrer sitzenden Position ab, um genau auf Saemon heraufzuspringen, ihn am Kragen zu packen und heftig zu schütteln, auch, wenn ihr das vielleicht nicht gelingen würde. Aber sie musste es einfach tun, musste ihn durchschütteln, damit er endlich verstand und nicht mit Scheuklappen umherlief und alle Piraten für gefühllose Monster hielt, die sie einfach nicht waren. Jeder hatte seinen Grund, wieso er einen Weg ging, den er eben ging. Und er musste das respektieren. Wer war er, das nicht zu tun und zu urteilen ? War er so perfekt ? Mit Sicherheit nicht.



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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 20:43

Natürlich konnte Saemon nicht zu hundert Prozent korrekte Aussagen machen. Er kannte Lian nicht und wusste von daher natürlich nichts von dieser. Er sah sie im Kampf, sah wozu sie in der Lage war, doch wie sollte er sich so ein Urteil über den Menschen dahinter bilden? Dafür hatte er eine andere Methode, welche auch vollends anschlug. Sie war leicht in Rage zu bringen, war empfindlich wenn es um ihre Familie ging, also zumindest jenen Leuten welche sie ihre Familie nannte. In diesem Falle waren es also die Piraten, welche sie bei sich aufnahmen und vielleicht sogar das Leben rettenden? Diese Frage stand noch offen, das warum und auch das wie, doch würde er sich auch noch redlich Mühe geben dies beantwortet zu bekommen. Er würde weiterhin ehrlich bleiben, doch hatte er die Frage, warum er sie eben nicht in Shellstown lassen wollte, bereits beantwortet. Saemon war jedoch bereits klar dass sie diese Antwort niemals gelten lassen würde. Natürlich wäre sie nun lieber bei ihrer Familie, doch für die war der Zug abgefahren. Lian befand sich aus zweierlei Gründen auf der True Justice. Zum einen war es Saemon's Ernst als er sagte dass sie auf der Insel nicht sicher sei, oder viel mehr die Bewohner nicht. Sie besaß Teufelskräfte und wie viel die Soldaten auf Shellstown gegen sie ausrichten können, konnte man bereits zur Genüge sehen. Es wäre taktisch unklug gewesen wenn Lian hier bliebe. Zum zweiten natürlich sollte ihr der Umgang mit den piraten entzogen werden. Sie sollte diese nie wieder sehen und somit die restliche Zeit unter braven Menschen verbringen, wobei dies natürlich im Auge des Betrachters lag. Aus irgendeinem Grund hat Saemon einen Narren an ihr gefressen und wollte auch deswegen dafür sorgen, dass er in die Zuständigkeit für ihre Bewachung fällt.

“Du magst es vielleicht als falsch ansehen, doch habe ich in diesem Fall entschieden was für dich das Beste ist. Ich habe entschieden dass du hier her auf das Schiff kommst und dafür auch die Genehmigung erhalten. Desweiteren habe ich mir selbst auferlegt, dich zu bewachen und darauf zu achten dass nichts weiter passiert. Sowohl durch dich, als auch dir nicht durch andere Einflüsse. “

Er dachte einen Moment lang über ihre Frage nach, ob er dies für alle seine Gegner tat. Nun bislang konnte davon keine Rede sein, doch gab es bis dato noch nicht all zu viele Menschen gegen welche Saemon gekämpft hatte. Dann dachte er an den Piraten in der Bar, welchen er die Hand gespalten und den Fuß aufgespießt hatte. Dies alles geschah nicht absichtlich, viel mehr waren es Verteidigungsmechanismen in dem Kisaragi, welche nun mal zu greifen beginnen, wenn er sich bedroht fühlte. Lian war diesen entgangen, viel mehr wurde sie Zeugin des Gegenteils. Er wusste dass sie gefährlich war, spätestens zu dem Zeitpunkt an welchem sie ihre Teufelkräfte zum Einsatz brachte, doch nahm er sich zurück wann immer er es sich erlauben konnte. Es lag natürlich zum einen daran dass sie eine Frau war, alleine schon deswegen brachte er nicht sein volle Potenzial auf, doch war da noch irgendetwas an ihr, was Saemon neugierig werden ließ. Er wollte sie schnell zur Strecke bringen, gleichzeitig jedoch auch nicht all zu sehr verletzen.

“Nun ich kann dir einfach nicht sagen warum ich das bei dir tue. Ich habe während unseres Kampfes schon gemerkt dass ich einfach nicht voll aus mir rausgehen kann... und auch wenn du mir nicht glauben möchtest... so sage ich dir dennoch dass es mir Leid tut dass es so weit kam. Du warst weitaus zäher als gedacht, der Kampf dauerte länger als erwartet... und ich musste dich außer Gefecht setzen, bevor ein anderer es getan hätte. Dir ist sicherlich aufgefallen dass wir in Überzahl waren, und vermutlich hätte sich bald ein Schuss in deine Richtung verirrt. Ich wollte einfach dass so wenig Menschen wie möglich sterben. Ich kann es nicht ausstehen wenn jemand stirbt... Es fühlt sich einfach... falsch an und ist unangenehm.“

Er wirkte bei diesen Worten ein wenig abwesend, fühlte dieses verstörende Gefühl einer erlischenden Präsenz sogar dann, wenn er nur daran dachte und die mit nahezu identischer Intensität.

Einen Moment lang dauerte es, ehe er sich wieder fing und konzentriert in Lian's Richtung blickte. Zumindest hatte nsie nun ein Gespräch aufgenommen, obgleich noch eine Menge misstrauen zwischen ihnen herrschte. Verübeln konnte es der Piratin wohl niemand, war Saemon doch derjenige der ihr das ganze Leid erst eingebracht hatte.

“Was ist daran menschlich wenn man ohne Rücksicht auf Verluste einem anderen das Leben zu Hölle macht? Nur weil ihr etwas nicht habt oder hattet, darf es auch kein anderer haben? Ich möchte einfach nur verstehen warum ihr das tut. Du folgst also deinem Vater. Gut das mag ja ganz ok sein, aber bedeutet dass auch dass du alles hinnimmst was dieser dir sagt? Hast du seine Entscheidungen nie hinterfragt? Ist das deine Ideologie? Ich kämpfe für meinen Seelenfrieden, da mir nichts wichtiger ist als dieser und diesem hast du es auch zu verdanken dass ich dich mehr oder minder verschont habe. Ich erachte mich als ausgesprochen menschlich, wohingegen du mir bisweilen mehr wie eine Marionette vorkamst, als welche du mich doch so boshaft beschimpft hast.“

Als sie jedoch sein Auge ansprach, blieb er schweigsam, fuhr mit der linken Hand über die Augenklappe und nahm einen monotonen Gesichtsausdruck an. Ebenso monoton fiel anschließend auch die Antwort aus.

“Ich wurde ohne es geboren.“

Diese Antwort gab er immer, da die Menschen dann ruhe gaben und auch nicht auf so dumme Ideen kamen, dass sie die Wunde sehen wollen, welche sich wirklich darunter verbarg. Ganz gleich wie penetrant die Menschen auch waren, sie würden die Wahrheit niemals aus freien Stücken von ihm erfahren.

Wieder begann sie aufbrausend zu werden und wieder aufgrund der Tatsache dass er ihre Familie ansprach. Sie nannte sie vielleicht Familie, doch waren diese Menschen für Saemon nichts weiter als Abschaum, welcher das bekam was er verdient hatte. Doch artete die Situation nun ein wenig aus und überrascht besah er die tobende Lian, welche offensichtlich doch noch mehr Kraftreserven in sich trug, als er angenommen hatte. Das hätte Saemon wirklich nicht mehr erwartet und ebenso überrascht war er dann auch über das was danach auf ihn zukam.

Als er von Lian angesprungen wurde, verzog er keine Miene und blickte dieser scharf in die Augen. Sie schien wirklich in rage zu sein und wollte und wollte aus dieser nicht mehr aufwachen. Saemon seufzte leise und ließ den Blick nach unten gleiten. Einen Moment lang ließ er sie gewähren und schloss sein Auge, ganz gleich was sie nun vor hatte. Nach gut einer Minute blickte er wieder auf, fixierte erneut ihren Blick und begann dann mit ruhiger Stimme zu sprechen.

“Bist du nun fertig? Hast du dich jetzt wieder beruhigt? Ja? Ok. Dann hör mir jetzt gut zu. Du bist nun hier. Hier in dieser Zelle, auf diesem Schiff. Einem Schiff voll mit Soldaten der Marine, welche alles dafür geben würden nur eine Minute mit dir alleine sein zu können, dir das wieder zu geben, was du ihren Kameraden angetan hast. Du magst es nicht bemerkt haben, da du nicht bei Bewusstsein warst, doch habe ich ihre Blicke gesehen, habe auch die Blicke der Soldaten von Shellstown gesehen und ich kann dir sagen... Deinen Freunden wird es schlecht ergehen. Ich kann nichts daran ändern was man mit ihnen anstellen wird, doch ist es meine Schuld dass du nun hier bist und auch wenn ich dich jederzeit wieder besiegen und gefangen nehmen würde, so würde ich mir niemals verzeihen können, sollte ich nicht zumindest den Versuch unternommen haben, dir deine Strafe ein wenig angenehmer zu machen. Ich weiß nicht was für eine Art von Ausstrahlung du an dir hast, dass ich so empfinde, aber ich glaube dass vieles von dem was du mit weiß machen willst, gestellt ist. Du nennst sie deine Familie. Du sprichst von Gefühlen. Du bist also nicht das Unnahbare und kalte Wesen, welches du mir bislang gezeigt hast. Und auch wenn es ein törichtes Unterfangen sein mag, so nutze ich meine Zeit um dich kennen zu lernen und vor allem um dich zu verstehen. Ich sagte dir bereits, dass ich dir die Chance gebe mich auf zu klären und dazu stehe ich noch immer.“

Er hatte inzwischen ihre Handgelenke ergriffen und sie daran gehindert weiter an ihm herum zu rütteln, doch übte er nur möglichst wenig Kraft aus, um sie nicht weiter zu verletzen. Dann schob er sie ein wenig von sich weg und entließ Lian erneut aus seinem Griff.

“Du kannst mich gerne weiterhin als deinen Erzfeind ansehen und weiterhin schweigsam bleiben oder mir Beleidigungen an den Kopf werfen, doch solltest du wissen dass dies dann eine sehr lange und unangenehme Reise werden wird. Ich bin mir sicher dass vieles von dem was du vorführst nur eine Fassade ist und diese müsstest du dann jede Minute aufrecht halten. Ich werde dir keine Sekunde von der Seite weichen.“

Nun verschränkte er seine Arme vor der Brust und lehnte sich in seiner sitzenden Position gegen die Wand hinter sich. Obwohl er seine Worte besonders kräftig betonte, begann er wieder zu lächeln und ließ dieses auf seinen Lippen erstarren.
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 21:25


Er machte sie wütend, so wütend. Wieso hörte er nicht einfach auf, zu sprechen. Noch immer schlug Lian auf seinen Oberkörper ein, natürlich nicht grade kräftig, denn Kraft hatte sie gerade noch so gehabt, um auf ihn heraufzuspringen. Schließlich hielt er ihre Hände fest und ihr blieb nichts anderes, als den Kopf zu senken und die großen, katzenhaften Augen zu schließen. Ohne diese wirkte sie nur wie ein kleines, etwas heruntergekommenes Mädchen, das von Traurigkeit und Verzweiflung geprägt war. Schweigend ließ sie sich hinabsinken und wurde von ihm herabgeschoben, bis sie die zerknüllte Decke unter ihrem zierlichen Körper spürte. Lian drückte ihr Gesicht in den nur mäßig warmen Stoff und versuchte, sich wieder zu beruhigen. Es war für niemanden schön, wenn man über seinen Kopf hinweg elementare Entscheidungen traf und beschloss, was das Beste war. Er hatte ihr dieses Beste genommen und wollte nun scheinbar den Platz ihrer Crew bei ihr annehmen. Und warum, das hatte er ihr noch immer nicht erklären können. Das Mädchen schüttelte den Kopf und richtete sich schließlich wieder in eine sitzende Position auf, die Augen noch immer geschlossen und nahm ihr blondes Haar nach vorne. Nur langsam öffnete sie sie wieder und blickte Saemon kühl an.

„Ich weiß nicht, was du vor hast.“,

sagte sie leise, aber mit bestimmter Stimme, es klang sogar ein Hauch eines drohenden Untertones in ihr.

„Aber wir werden niemals Freunde werden. Du bist Schuld an allem. Ich hätte lieber gehangen, statt mir deinen Mist anzuhören. Du hälst dich für gerecht. Das bist du nicht. Du schwindelst dich selber an und das ist die größte Schande, die man über sich ergehen lassen kann.“

Lian zog die Nase hoch und lehnte sich mit den Rücken gegen die kalte Wand. Eine Gänsehaut zog sich über ihre nackten Arme und ihr Dekoltee. Der Rotschopf war ungerecht. Und sie kannte nicht einmal seinen Namen. Nun, vielleicht war dieser auch ohne Bedeutung für sie. Schließlich hatte sie selber gesagt, dass sie keine Freunde werden würden. Aber irgendwie musste man sich mit der Situation zufriedengeben. Er würde nicht von ihrer Seite weichen und es war besser für alle, wenn sie sich schnellstmöglich einander gewöhnten. Unverwandt sah sie ihn von der Seite an, er musste sie wohl einmal mehr an eine Katze erinnern, nicht zuletzt wegen ihren Augen, die weniger menschlich wirkten und auf ihre Art unheimlich waren.

„Wie heißt du ?“,

fragte sie ihn, vielleicht zu seiner Überraschung und sah ihn von oben bis unten ungeniert an, scannte ihn regelrecht mit ihrem Blick. Ihr erster Eindruck war zumindest rein optisch kein schlechter, Saemon wirkte nett, wenn auch etwas unschlüssig. Er hatte diesen verwirrten Blick, wie sie fand. Dann streckte sie ihren Arm aus und tippte mit dem Zeigefinger sehr sanft gegen seine Augenklappe. Sie wollte keine Narbe sehen, das erschien ihr unhöflich. Nur Idioten protzten mit Narben und Wunden vergangener Ereignisse.

„Wie kann ich dir trauen, wenn du mir nicht traust ?“,

fragte sie ihn dann. Wohl eine Anspielung darauf, dass sie ihm nicht abkauft, dass er so geboren war. Menschen kamen nicht einfach mit einem Auge zur Welt. Sie war Ärztin, sie wusste das. Und darüber hinaus hatte seine Reaktion gezeigt, dass er log. Er hatte es zu trocken gesagt, beinahe wie einstudiert. Erwartete er wirklich, dass sie ehrlich mit ihm war, wenn er ihr nicht dasselbe entgegen brachte ? Was konnte sie ihm in dieser Zelle schon anhaben, außer ihn anzuspringen, wie sie es zuvor getan hatte. Schließlich hatte er keinen Schaden davongetragen, lediglich ihr Federgewicht auf sich gespürt, dass ihm bei seiner Größe kaum was ausgemacht haben sollte. Schließlich erhob sich Lian vorsichtig von der Pritsche und ging mit langsamen Schritten auf den Stuhl zu, über wessen Lehne Saemon die frischen Anziehsachen gelegt hatte. Skeptisch musterte sie das Hemd, welches sie soeben aufgehoben hatte und besah sich dieses. Es war groß, viel zu groß, gehörte sicherlich einem dieser Männer, von denen Saemon zuvor gesprochen hatte. Diese, die am liebsten ein paar Minuten mit ihr alleine wären, um sie zu beseitigen.

„Du wirst dir Feinde machen, wenn du dich als Beschützer des Feindes auftust.“

Bemerkte sie trocken und entledigte sich mit einer schnellen Bewegung ihres nassen Oberteiles. Sie frohr nun noch mehr, zog aber auch den Rest aus und griff dann nach dem Hemd, welches sie, zugegebenermaßen etwas ungeschickt, zuknöpfte und stellte im Anschluß fest, dass ihr die Ärmel viel zu lang waren und das Hemd selber bis zu ihren Knien reichte. Die Augenbrauen der jungen Piratin zogen sich leicht in ihre Stirn und sie streckte ihre Arme aus, drehte sich einmal und versuchte, sich möglichst selber zu betrachten. Wahrscheinlich sah sie lächerlich aus. Für gewöhnlich trug Lian nur hautenge Kleidung und über dies solche, die keine Zweifel daran ließen, dass sie Piratin war. Ihre nackten Füßchen machten patschende Geräusche auf dem Boden, als sie zurück zur Pritsche trat. Immerhin war ein viel zu großes Hemd besser, als nasse Kleidung. Vielleicht würde sie bis morgen trocknen.

Erneut dachte sie an Creester. Vermutlich würden sie ihn verhören und wissen wollen, warum in Teufels Namen sie sich solch einem Selbstmordkommando hingegeben hatten. Aber er würde nichts sagen, zumindest nicht, wenn man ihm nichts dafür gab. Ohnehin war es bescheuert gewesen, das hatte sie von Anfang an gesagt. Trotzdem hatte sie mitgemacht. Für Creester. Hatte der Rotschopf also Recht und SIE war die Marionette, als welche sie ihn noch im Kampf selber betitelt hatte ? Nein, so hätte sie es vermutlich nicht ausgedrückt. Zwar stimmte es, dass sie weites gehend zu allem Ja gesagt hatte, was ihr Vater vorgeschlagen und geplant hatte, doch Lian hatte es sich niemals nehmen lassen, ihm dazu ihre ehrliche Meinung zu sagen. Und ihr letzter Plan schien gut gewesen zu sein. Wäre alles wie gehofft gelaufen, hätte die Marine nicht einmal mitbekommen, dass die Piraten im Anmarsch waren und sie hätten die gesamte Bande noch im Schlaf meucheln können. Hätte, würde, könnte. Lian war zum Kotzen zumute. Sie hasste es, hilflos zu sein und keinen Ausweg aus einer Situation zu haben, vor allem aber, abhängig zu sein. In diesem Moment war sie abhängig von Saemons Laune, der sie vielleicht im nächsten Moment schon nicht mehr sehen wollte und exekutieren lassen könnte. Ob man ihm zugestanden hatte, sich ein nettes Souvenier mitzunehmen, weil er so heldenhaft gekämpft hatte? Dieser Gedanke gefiel ihr so garnicht und sie sah den Rotschopf voller Gram an. Man durfte dem Feind nicht vertrauen.

„Unangenehm und lang.. Wohin wird die Reise führen.. Wohin fahren wir..“,

murmelte sie leise und kämmte sich mit den dünnen Fingern durch das verknotete, noch immer feuchte Haar. Ihr Haar, das sie so liebte und auch Creester so gefallen hatte. Ob sie einen Kamm in ihrer Jackentasche hatte ? Schweigend griff sie in die Tasche ihres blauen Mantels, aber da war nichts, außer die kleine Medizintasche. Lian seufzte. Sie würde Saemon um nichts bitten. Dafür war sie noch immer viel zu stolz.

Allerdings musterte sie jetzt dieses Machwerk, was Saemon als Gulasch beschimpft hatte. Für sie sah das nicht so aus. Sehnsüchtig dachte sie an die Kochkünste Kaitos zurück, der Koch der Diving Devils, der die atemberaubensten Köstlichkeiten gekocht und serviert hatte. Nie wieder würde sie die Gelegenheit haben, etwas von ihm zu essen. Ob er wohl noch lebte ? Er war ein zartes Bürschchen, nicht einmal zwanzig und kein besonders großer Kämpfer. Die Meisten der Marine waren ebenso wenig zimperlich mit ihren Gegnern umgegangen, wie Lian es getan hatte und sie schluckte schwer.




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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 22:34

Abermals entwich ihm ein leichtes Seufzen, welchem man ein wenig Resignation entnehmen konnte. Dass sie ihm nicht vertraute, wusste Saemon ja schon, doch schien sie ihm mehr zu zutrauen, als er erwartet hätte. Sie dachte wirklich das schlechteste von Saemon, anders konnte er es sich nicht erklären dass sie nun sogar damit begann Drohungen an zu deuten. Noch immer würde er ihr dies nicht übel nehmen und möglich ruhig darauf reagieren.

“Nun wenn du dich so sehr danach sehnst zu sterben, dann sag es mir. Sicherlich werden wir jemanden der dir diesen Gefallen erfüllen würde. Ich schätze da müsste ich nicht mal lange suchen. Vielleicht hat sich vor der Türe ja bereits eine Schlange gebildet – Ich kann ja mal nachsehen wenn du das möchtest.“

Seine Stimme klang ein wenig genervt, doch schüttelte er sogleich seinen Kopf und rieb sich die Rückseite von diesem. Er dachte nach was er denn noch alles sagen sollte, damit sie ein wenig von ihrem Schutzwall aufgab und ein wenig Licht in den Keller hineinlassen würde. Sie konnte sich doch nicht die ganze Fahrt über so benehmen als würde ihr nichts an ihrem Leben liegen, als wäre ihr der Tod lieber als Saemon's Gesellschaft. Ihre Worte wirkten beinahe ein wenig verletzend, doch schüttelte er dies schlichtweg von sich ab und konzentrierte sich wieder auf das aktuelle Geschehen.

“Wir müssen auch keine Freunde werden um einander verstehen zu können, doch bringt es uns nicht weiter wenn du weiterhin so stur darauf pochst dass deine Ansichten die Richtigen sind. Ich sagte niemals dass ich gerecht sei, sondern lediglich dass ich für meine Prinzipien einstehe und diese verteidigen werde. Ich weiß nicht ob mein Handeln immer gerecht ist, immerhin bin ich nur ein Mensch und als solcher darauf gefasst Fehler zu machen. Es können kleine Fehler sein, wie dich zu unterschätzen und einen Moment lang aus den Augen zu lassen, oder große Fehler, wie jener es gewesen wäre dich zu töten, ohne zu wissen warum ich das tue. Ihr habt Shellstown attackiert, doch warum habt ihr das? Du hast kaltblütig Menschen umgebracht – Warum hast du das? Doch am wichtigsten ist folgende Frage. Warum hast du mir gerade eben nicht deine Krallen in den Hals geschlagen? Etwa weil du keine Kraft mehr hast? Oder weil du es nicht wolltest?“

Sie gab keinerlei Antworten auf seine Fragen, wollte hingegen seinen Namen erfahren, wobei ihm einfiel dass er ihren auch noch nicht kannte. Er wollte eine Basis des Vertrauens aufbauen, hatte dabei jedoch etwas Elementares vergessen. Seinen Namen zu nennen war immer ein guter Schritt in Richtung der Vertraulichkeit, doch hatte er diesen vergessen, weshalb Saemon sich ein wenig ärgerte.

“Natürlich... Mein Name ist Saemon – Kisaragi Saemon. Er ist nicht besonderes, doch so lautet er nun mal. Darf ich nun auch deinen erfahren?“

Noch immer antwortete sie nicht, sondern näherte sich erneut, diesmal jedoch ruhig und mit bedacht. Ihr Zeigefinger schnellte nach vorne, berührte die Klappe, welche das Unheil in seinem Gesicht verbarg, gefolgt mit Worten welche Saemon nachdenklich stimmten. Sie hatte durchaus recht, doch war es bislang immerhin der Rotschopf gewesen, welcher sich offen und ehrlich unterhalten wollte. Er blieb einen Moment lang in sich gekehrt, wobei sein Auge hin und her wanderte, dabei keinen bestimmten Punkt fixiert hatte und ausgesprochen unruhig wirkte.

Der folgende Blick wirkte wie jener eines Mannes, welcher eine Partie Schach verlor und sich seinem Gegner geschlagen geben musste. Eine Art der positiven Resignation, welche sich nur schwer erklären ließ. Seufzend glitt seine Hand hinauf zu der ihren und schob sie beiseite, verweilte dann an diesem Punkt und ergriff die Augenklappe. Vorsichtig schob er diese bei Seite und entblößte die so verhasste Wunde dahinter.

“Sieh es dir einfach selber an, dann weißt du eben so viel wie ich. Ich weiß nicht woher das kommt. Eines Tages bin ich in einer Gasse aufgewacht und fand mich so vor. Du wirst mir verzeihen wenn ich dir die Einzelheiten erspare, immerhin kannst du dir sicher denken dass es nicht gerade angenehm war.“

Man sah nicht was mit dem Auge selbst geschah, da das Lied selbst geschlossen war. Dieses war stark rampuniert, sah so aus als hätte jemand einen glühenden Stab hineingepresst, oder aber die Flamme eines Feuerzeuges hingehalten. Die Haut an und um das Auge herum war stark verbrannt und größtenteils nicht mehr vorhanden. Er gewährte ihr nur etwa zehn Sekunden lang einen Blick darauf, ehe die Augenklappe sich wie ein Vorhang auf einer Bühne vor die Vorstellung schob und diese damit beendete. Die Hand wich wieder aus seinem Gesichtsbereich und wurde in seinem Schoß verstaut.

An sich kümmerte es Saemon derzeit herzlich wenig ob man ihn dafür hassen würde, dass er sich ihrer annahm und von den anderen fernhielt. Saemon war nun mal der Neue und auch wenn dies nicht gerade der beste Weg war um sich mit den anderen bekannt zu machen, so konnte man daran nun nichts mehr ändern. Er sagte ja bereits dass er nach seinem gewissen handelte, so wie es nunmal hier der Fall war. Sollte er sich weiterhin im Spiegel betrachten wollen, ohne dabei Schande und Scham zu empfinden, musste er sich selbst treu bleiben und weiterhin das tun was er für richtig hielt. Nicht das was man als allgemein als Gerecht empfand, oder was andere von ihm verlangten, sondern das war er für richtig hielt! Sicherlich würde das noch zu einigen Kontroversen zwischen Saemon und seinen Vorgesetzten führen, aber war er bemüht sich nicht all zu sehr unbeliebt zu machen. Saemon lernte zwar Befehlen zu gehorchen, doch war dies wesentlich einfacher wenn es nur darum ging wie viel Gewürze man in ein Gericht schütten musste, als gesagt zu bekommen dass man einen Menschen verletzen oder gar töten musste.

“Wird schon nicht so schlimm werden. Wir beide sind Feinde und doch kommen wir ganz gut miteinander aus. Außerdem. Wenn jeder Feind so ist wie du, ziehe ich deren Gesellschaft gerne vor.“

Er lächelte freundlich, wobei dies schon mehr in ein Grinsen überging und beobachtete wie sie hinüber zu dem Stuhl tippelte. Als er erkannte was sie ohne Vorwarnung vor hatte, neigte er rasch seinen Kopf zu Seite und sah in die andere Richtung. Das war ihm dann doch zu viel, auch wenn er Lian nur von hinten sah. Seine Wangen färbten sich in ein zartes rosa, welches andeuten sollte dass es ihm ein wenig unangenehm war dass sie sich so ungeniert vor ihm umzog. Seine Erfahrungen mit Frauen waren im Grunde gar nicht existent, wenn man die Gespräche über den passenden Wein oder die Empfehlung des Tages außen vor ließ. Nicht zu vergessen die verhandlungen an den Marktständen.

Saemon wartete ab bis er wieder eine leichte Erschütterung auf der Pritsche wahrnahm und sich so sicher sein konnte dass sie wieder auf dieser saß und hoffentlich angezogen war. Der Anblick war irgendwo doch zu komisch und er hatte Mühe sich ein Lachen zu unterdrücken. Er presste sich die Hand vor den Mund, schob das Lachen mit Hilfe dieser wieder zurück in sein Zwerchfell, wo es schließlich still und heimlich verpuffte.

“Es tut mir Leid... etwas anderes konnte ich auf die Schnelle nicht auftreiben, aber ich kann mich später ja nochmal umsehen... Es befinden sich allerdings keine Frauen an Bord, abgesehen von dir. Vorerst erfüllt es jedoch seinen Zweck und wenn du möchtest kann ich deine Klamotten später zum waschen bringen. An sich scheinen sie ja keinen großen Schaden genommen zu haben.“

zumindest der Rotschopf empfand die Situation nun als wesentlich entspannter, gar ein wenig vertraut und auch wenn sie sagte dass die beiden niemals Freunde werden könnten, so freute er sich dass die beiden dennoch ein halbwegs zivilisiertes Gespräch auf die Reihe bekommen.

Auf ihre folgende Frage konnte Saemon jedoch keine Antwort geben, nicht weil er es nicht durfte, oder wollte, sondern weil er einfach keine Ahnung hatte.

“Ich weiß es ehrlich gesagt nicht und ich weiß auch nicht so Recht was man mit dir vor hat... Abgesehen von dem Kapitän und der Hand voll von Männern, welche dich gesehen haben, weiß niemand dass du hier bist... Ich werde es wohl mal in Erfahrung bringen.“

Dann schwieg er wieder und starrte an die Wand, welche hinter Lian lag. Seine Miene wirkte nachdenklich und das war er auch, wusste er doch eigentlich gar nichts. Er hat sich einer Crew angeschlossen, ohne zu wissen wohin diese ihn führen würde. Es war wohl ein teil seiner Abenteuerlust, jedoch auch seiner Neugier, welche ihn diesen Schritt hat gehen lassen. Doch lag es auch an Godot, welcher etwas vertrauensseliges an sich hatte. Er wirkte wie ein Mann dem man sein Leben anvertrauen könnte und vor allem hatte Saemon den Eindruck als könnte er sich immer auf ihn verlassen. Einen solchen Mann als Kapitän zu haben gab Sicherheit und machte einem zudem Mut. Auch Kenji trug seinen Teil zu der Entscheidung bei, nicht zuletzt aufgrund der Worte, welche er vor der Waffenkammer an Saemon richtete. Sie hatten sich in das Hirn des Rotschopfes gebrannt und hallten immer wieder durch seinen Schädel. Zum einen wollte Saemon sehen wie viel Wahrheit hinter diesen steckte, zugleich fragte er sich hingegen wie viel Leidenschaft und Potenzial in diesem Haufen lag.
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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mo 30 Jan 2012 - 23:28


Saemon war also sein Name. Saemon Kisaragi. Lian wiederholte ihn einmal, ganz so, als wolle sie klarstellen, dass sie ihn richtig aussprach, wenngleich das auch keine wirkliche Leistung war. Passte der Name zu ihn ? Abermals musterte sie den jungen Mann, der so freundlich, so entgegenkommend war, dass es sie verwirrte. Er nahm sogar in Kauf, dass man ihm Schlechtes nachsagen könnte, um hier zu sein und um auf sie aufzupassen. Nein, der Tod war ihr gewiss nicht lieber. Aber wer wusste schon, ob man ihn nicht damit beauftragt hatte, sich bei ihr einzuschmeicheln und dann gnadenlos zuzuschlagen ? Vielleicht war dies der Sinn seiner Befragung. Ihr Vertrauen zu gewinnen und Informationen aus ihr herauszulocken. Lian zog die Augenbrauen nachdenklich zusammen. Er machte nicht den Eindruck, als plane er dergleichen, aber sie kannte ihn nun einmal nicht. Genauso gut könnte er sich zu einem späteren Zeitpunkt als grandioser Schauspieler entpuppen, der sie gnadenlos an der Nase herumgeführt und ausgetrickst hatte. Es war also Vorsichtig geboten und Lian beschloss, dass es besser war, nicht alles zu offenbaren, was ihn schier weg nichts anging. Dass er ihr aber soviel Vertrauen entgegenbrachte und seine Augenklappe anhob, ehrte sie.

Nach außen hin unberührt setzte sie sich vor Saemon auf ihre Knie und stellte sich vor ihn, dass sie sich die Narbe genauer ansehen konnte. Sie kannte solche Stigmatisierungen. Viele ihrer Crew hatten sie, zwar nicht zwangsläufig am Auge, aber Brandwunden waren unverkennbar. Dass er keine Details preisgeben wollte, störte sie nicht, schließlich war sie sich bewusst, dass auch bei ihr detailierte Ausführungen eher Mangelware waren.

„Das ist nicht gut versorgt worden.“,

bemerkte sie schließlich und sah in Saemons gesundes Auge. Dann setzte sie sich wieder und wandte den Blick ab, wohl ein Zeichen, dass er sein Auge wieder bedecken konnte. Innerlich empfand sie Mitleid, dass ihm derartiges zugestoßen war. Vermutlich hatte er es zu diesem Zeitpunkt nicht einmal verdient und es war kein schöner Gedanke, irgendwo in einer Gasse zu erwachen, orientierungslos, verwirrt und voller Schmerzen, bemerkend, dass irgendetwas nicht mit einem stimmte, nur um dann festzustellen, dass einem eines der wichtigsten Sinne genommen worden war. Lian stellte sich Saemons Leben ab diesem Moment schwierig vor, sicher war es eine ungemeine Umstellung, die er hatte ertragen müssen und ein Hauch von Mitgefühl durchfuhr ihre blauen Augen, was jedoch zur Folge hatte, dass sie ihren Blick schnell abwandte, als sie jene Gefühlsregung in sich aufkeimen spürte. Sie schwiegen beide. Es war diese unangenehme Stille, diese, die einfach verlangte, dass man etwas sagte, so sinnlos es auch erscheinen mochte.

„Lian. Lian McNair.“,

antwortete schließlich etwas verspätet auf seine Frage. Wenn sie einander nun eh näher kennenlernen würden, dann durfte er auch ihren Namen erfahren. Damit würde er ohnehin nicht sonderlich viel anfangen können. Es würde ihr nur ein Gesicht verleihen – wenn sie das bei ihm nicht ohnehin schon hatte. Denn offenbar hegte Saemon irgendein Interesse an ihr, sei es jenes, welches sie bereits mit Zweifel vermutet hatte oder ein gänzlich anderes, das aber zu abwegig schien, als könne es der Wahrheit entsprechen. Dennoch, allein die Vermutung und der Gedanke waren so lustig, dass sie erstmals seit ihrem Aufenthalt auf der Flying Genesis ein Lächeln auflegte, dass schnell einem Grinsen wich. Auch Saemon unterdrückte seine Belustigung und versuchte, sein Gesicht unter seinen Händen zu verstecken, die sicher doppelt so groß waren, wie Lians.

Der Grund seiner Belustigung schien aber an dem übergroßen Hemd zu liegen, das an ihrer rechten Schulter herabrutschte, während sie auf ihren Knien saß. Natürlich war sie ein wenig beleidigt, dass er sie verspottete, nahm es dann aber mit Humor. Schließlich war ihr selber irgendwie klar, wie verloren sie in diesem gigantischen Hemd aussah. Mit leichtem Lächeln zupfte sie am weißen, wohlriechenden Stoff und zuckte mit den Schultern.

„Das ist schon in Ordnung, denke ich. Mit viel Fantasie könnte es.. ja passen.“,

Natürlich klang sie nicht ganz überzeugt, aber es gab immer Momente im Leben, die verlangten, dass man bescheiden war und nahm, was man kriegen konnte, ohne nach mehr zu gieren. Über dies war ihr sicherlich aufgefallen, dass Saemon den Blick abgewendet hatte, als sie sich umzog und errötet war. Ein weiterer Grund, zu Schmunzeln. Also war er leicht zu verunsichern, aus der Fassung zu bringen. Eine Kleinigkeit, die ihren Aufenthalt in dieser Zelle versüßen würde. Der Rotschopf wirkte sonst immer recht sicher und gefasst, aber wie lange konnte er das bei behalten ? Analytisch sah sie ihn an. In diesem Moment erklärte er ihr, dass keine Frauen an Bord wären. Aber das machte ihr nichts. Bevor sie bei den Diving Devils gewesen war, hatte sie ohnehin für sich alleine gelebt, eine wirklich Beziehung zu Frauen war nie entstanden und so fühlte sie sich um Meilen besser, wenn sie unter Männern war, die sie besser verstand und vor allem nachvollziehen konnte. Oftmals hatte sie auf dem Schiff ihrer Crew mit ihren Männern zusammengesessen, die Geschichten vergangener Liebschaften offenbart hatten, immer mit Frauen, die ein fragwürdiges, für Lian unverständliches Verhalten an den Tag gelegt hatten. Heimtückische Wesen, falsch, immer auf Profit aus. Das waren Frauen. Und zeitweise hatte das Mädchen sich sogar geschämt, diesem Geschlecht anzugehören. Umso mehr galt es, es besser zu machen.

„Und wenn sie vor der Türe Schlange stehen und hier rein wollen, .. Saemon?“

Zum ersten Mal sprach sie ihn direkt an, indem sie seinen Namen in ihre Frage einbaute. Diese war allerdings eher rethorischer Herkunft, Lian erwartete also keine wirkliche Antwort. Stattdessen holte sie weiter aus.

[color=#cc694c]„Wirst du die dann alle mit deinem Leben bekämpfen, damit sie auch ja nicht hier rein kommen und mir armen, kleinen Piratin irgendwas anzutun ?“

Ein hämisches Grinsen zeichnete sich auf ihren vollen Lippen ab und sie streckte ihre Zunge seitlich leicht heraus, wie man es oft von ihr kannte und Saemon noch oft an ihr sehen würde. Es war offensichtlich, dass sie einen kleinen Schabernack mit ihm trieb, aber viel mehr konnten sie miteinander ja zu diesem Zeitpunkt nicht anfangen, wenn man mal vom einfachen Reden absah. Die Zelle bot jedenfalls nicht viele Beschäftigungsmöglichkeiten.

„Werde ich.. sowas wie Zwangsarbeit verrichten müssen ? Werde ich verhört ? Die .. schmeißen mich doch aber nicht ins Meer.. ?“

Jetzt wurde sie ernster, zog ihre Augenbrauen leicht zusammen. Erst einmal war es ihr passiert, dass sie bei einer Feier an Bord über die Reling gefallen und ins Meer gesegelt war. Ein grausiges, unbeschreibliches Gefühl. Sie hatte kein Glied rühren können und dabei war sie immer eine hervorragende Schwimmerin gewesen. Tiefer und tiefer war sie in der salzigen, kalten Tiefe verschwunden und hatte keine Luft mehr bekommen, spürte nur ihren heftigen Puls. Und dann.. zwei starke Arme, die sie heraufzogen. Weitere Arme, die an ihrem kleinen Körper zerrten und sie, klitschnass, zurück an Bord wuchteten, wo sie unkontrollierbar nach Luft schnappte und ihren Hals mit ihren Händen hielt. Sie konnte sich wieder bewegen. Doch dieses Gefühl hatte sie nie vergessen.. Und nie wieder war sie auch nur in die Nähe der Reling gegangen. Der Preis einer Teufelsfrucht war für jemanden, der die meiste Zeit seines Lebens auf dem Wasser verbrachte, ein unglaublich hoher Preis.

„Du bist eigentlich ganz nett, weißt du.“

Bemerkte sie dann mit einem Seufzen und betrachtete sein Gesicht, wollte möglichst jede noch so kleine Regung beachten und aus dieser lesen und deuten.

„Aber ich mag dich trotzdem nicht.“

Fügte sie hinzu, fast wie ein kleines, störrisches Kind. Natürlich stimmte das nicht ganz. Der erste Funken Sympathie war bereits entstanden, aber es war gegen Lians Prinzipien, ihn das wissen zu lassen.

„Dir ist bewusst, dass du mich nicht bis ans Ende meines Lebens hier festhalten kannst oder.. ?“
Sie sah ihn jetzt direkt an.

„ Ich meine.. Irgendwann wird irgendwas passieren. Das.. wird doch nicht ewig so bleiben können. Und.. ich muss schließlich irgendwann duschen. Ich kann.. ich meine, ich bin doch ein Mädchen !“

Sie gestikulierte dabei mit ihren schmalen Ärmchen, merkte aber schnell, dass die langen Ärmel des Hemdes im Weg waren und krempelte diese ungeschickt herauf. Wie alt Saemon wohl war ? Sicherlich viel älter, als sie es war. Er hatte keinerlei kindliche Züge mehr, war kein Junge, sondern ein Mann. Ein mulmiges Gefühl beschlich sie. In Creester Altersklasse war er auch nicht. Sollte sie einfach fragen ? Ganz nach Katzenmanier legte sie den Kopf schief und öffnete ihre Augen etwas mehr und starrte ihn an, ohne zu Blinzeln.

Vermutlich hielt er sie für ein wenig verrückt, aber darüber machte sie sich keine Gedanken. Lian war eben, wie sie war. Entweder man mochte sie oder man mochte sie nicht. Und irgendwie hatte sie das Gefühl, für Saemon traf Ersteres zu. Irgendwie hatte sie es geschafft, dass er ein persönliches Interesse an ihr hegte. Wollte er sie zur Vernunft bringen ? Sie auf die ‚gute‘ Seite ziehen ? Er musste wissen, dass ihm das nicht gelingen würde. Dass sie eine Piratin war und das immer, wenn auch nur in ihrem Herzen, bleiben würde. Zuviel hatte ihr dieses Leben gegeben. Soviel, dass diese Zeit in der Arrestzelle sicher zu ertragen sein würden, ein fairer Preis vielleicht, für die Leben, die sie genommen hatte. Saemon hielt sie dahingehend für ein kaltes Monster. Und er hatte Recht, einander verstehen würden sie wohl nie.




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Zuletzt von Lian am Di 31 Jan 2012 - 1:00 bearbeitet; insgesamt 3-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 0:22

An sich hatte er auf ihre Feststellung hin nur einen recht unbekümmerten Blick übrig. Natürlich hatte sie Recht mit dem was sie da von sich gab aber an sowas dachte er damals nicht. Er war gerade dabei seinen Urlaub aus zu kosten und reiste auf eine Nachbarinsel, welche an sich als Vergnügungsparadies galt. Danjo hatte den Rotschopf immer davor gewarnt diese je zu betreten, wusste er doch um deren Ruf und besonders den gefahren, welche von ihr ausgingen. Es floss viel Geld und wo dies der Fall war, waren Kriminelle nicht weit. Jeder versuchte ein Stück vom Kuchen ab zu bekommen und nahm dabei keine Rücksicht auf Verluste. Saemon erlebte ähnliches auf seiner Heimatinsel, doch konnte er sich an diese Geschichte nicht mehr erinnern. Die Gedanken an seine Eltern und die Geschehnisse, welche damals statt fanden, waren tief in seinem Kopf begraben, versenkt in einem Loch angereichert mit schwarzer, dickflüssiger Brühe – einer Art von flüssigem Teer. Alles was sich dem Loch näherte, wurde früher oder später von diesem verzehrt und auf nimmer wieder sehen auf den Grund gezogen. Bislang war die Übersicht noch recht beschaulich, doch kamen von Tag zu Tag mehr Gedanken hinzu. Meist waren diese unwichtig und einfach nur lästig.

Auf dieser Insel wollte er eigentlich nur zwei tage lang bleiben und zunächst wirkte alles wunderbar. Es waren reichlich Touristen anwesend, welche sich die Gelegenheit natürlich nicht entgehen ließen und ihr Geld im hohen Bogen aus dem Fenster warfen. Der Rotschopf selbst hatte eigentlich ähnliche Pläne, wenn er auch nur einen kleinen Teil seines Geldes verzocken wollte. Er begann den Tag mit einem Tag in einem Spa, ließ sich ordentlich verwöhnen und den Stress des Alltages von zierlichen und zugleich kräftigen Frauenhänden weg massieren. Er fühlte sich wie ein neuer Mensch und begab sich im Anschluss in eines der zahlreichen Casinos, schaffte es sich an dem Türsteher vorbei zu schleichen und in das Innere zu gelangen. Saemon war zu diesem Zeitpunkt noch viel zu jung und musste eben auf solche Tricks zurückgreifen. Er hatte einen festen Betrag zurecht gelegt, welchen er sich erlaubte zu verlieren und mehr wurde es im Endeffekt ja auch nicht. Tatsächlich schaffte er es trotz des geplanten Verlustes eine Menge Spaß zu haben, was ja nun nicht jedem gelang im Angesicht der Niederlage.

Ab hier beginnen die Erinnerungen undeutlich zu werden. Es scheint als hätte jemand einen Zensurbalken vor die folgenden Szenen gelegt, welche ihn in die bereits besagt Gasse führten. Saemon war hektisch und außer Puste, schien auf der Flucht vor irgendjemandem gewesen zu sein, doch konnte er sich bei bestem Willen nicht entsinnen um wen es sich hierbei handelte. Hektisch blickten die Augen des Kisaragi umher, unwissend dass dies das letzte mal sein sollte und dann kommt auch schon der Schnitt. Mehr blieb nicht übrig von dieser Nacht und das nächste woran er sich erinnerte waren Schmerzen, große Schmerzen.

Er hatte niemals mit auch nur irgendjemandem darüber gesprochen, noch nicht einmal Danjo und überhaupt war Saemon von diesem Tag an ein anderer. Er hatte an sich nicht viel von seiner Persönlichkeit verloren, doch war er nun bei weitem nicht mehr so wild und ungestüm wie noch zuvor, musste sich auch noch rasch an die neue Situation gewöhnen. Er hatte anfangs wirklich viele Probleme, schnitt sich wieder und wieder, trennte sich beinahe sogar ein paar Finger ab, doch half es alles nichts. Saemon hatte schon immer einen starken Willen und war ausgesprochen zäh – Zwei Eigenschaften welche ihm hier einen großen dienst erwiesen hatten. Er raffte sich wieder auf und lernte mit seinem Handicap zu leben, was blieb ihm auch anderes übrig? Er konnte die Zeit nicht mehr zurückdrehen, denn wenn er dazu in der Lage gewesen wäre, so könnte man darauf wetten dass er es getan hätte.

Noch immer mit eben jenem unbekümmerten Blick sah er zu Lian, verzog seinen Mund ein wenig, sodass der Eindruck seines Blickes nur unterstützt wurde und antwortete, als wäre es das natürlichste auf der Welt.

“Genau genommen wurde es gar nicht versorgt. Ich bin den Tag einfach nur umhergegeistert und hab einen Weg nach hause gesucht, welchen ich letztlich auch fand.“

Endlich bekam die Unbekannte einen Namen und Saemon schenkte ihr zum Dank ein Lächeln.

“Ein schöner Name. Er passt zu dir.“

Doch erschrak der Kisaragi nun selbst bei seinen Worten, konnte gar nicht verstehen wieso er ihr dieses Kompliment machte und hatte natürlich Sorge sie würde ihn deswegen auslachen. Saemon war ein höflicher und an sich stets zuvorkommender Mensch, doch war er bislang eigentlich keiner von der Sorte, welcher Frauen Komplimente machte. Sein Auge stand weit offen, ebenso wie sein Mund einen Moment lang, doch verschwand der überraschte Ausdruck rasch wieder und nach einem kurzen Kopfschütteln sah er sie wieder lächelnd an, wenn auch ein wenig verlegen.

Diesmal konnte er sich einfach nicht mehr halten und er begann zu lachen, wie sie so da saß und an den viel zu großen Klamotten umherzupfte. So viel Fantasie konnte man wohl gar nicht besitzen um sich vor zu stellen dieses Zelt könne ihr passen. Ihre Gesellschaft schien ihm immer mehr gefallen zu bereiten, sodass er sogar gänzlich vergessen hatte warum sie eigentlich hier war.

Sein blick wanderte hinüber zu der verschlossenen Türe, welche so eben von ihr erwähnt wurde und abermals musste er kurz auflachen. Natürlich verstand er dem Sarkasmus in ihren Worten und doch wollte er diese mit einer Antwort bedenken.

Nein das werde ich sicherlich nicht. Stattdessen werde ich die Männer, welche dumm genug sind sich hier rein zu wagen, vor dir beschützen, um nicht noch mehr Verluste verbuchen zu müssen.

Obgleich diese Thematik schon beinahe erschreckend Ernst und zudem noch Wahr ist, musste er grinsen und verfiel nicht in einen Zustand von Reue, weil er sich hier so mit der Mörderin von mindestens zwei Marinesoldaten amüsierte. Was geschehen war, war nunmal geschehen und jeglicher Hass konnte daran nichts mehr ändern. Auch dies lernte er bei seinem 'Unfall'. Man konnte einfach nur nach vorne Blicken und hoffen dass die Zukunft ein besseres Schicksal für einen parat hielt. Was bringt einem der Groll der Vergangenheit, wenn dieser uns nur gegenüber dem blendet, was uns noch geboten wird?

Ihre Sorge vor dem Meer war verständlich, immerhin wusste Saemon dass sie von einer Teufelsfrucht gegessen hatte, doch beruhigte er sie so gleich. Er legte seine Hand auf ihre Schulter und schüttelte sanft und langsam seinen Kopf.

“Nein man wird ich nichts ins Meer werfen, das würde ich auch nicht zulassen, Ich weiß nicht ob sie dich verhören wollen, doch kann ich ihnen sagen dass ich das bereits erledigt habe. Ich denke mal sie werden mir schon vertrauen und an sich wirst du auch nicht mehr Informationen haben als jeder andere deiner...Ehm... Creester's Crew.“

Er wollte mit allen Mitteln verhindern ihren Namen erneut mit den Piraten in Verbindung zu bringen, räusperte sich deswegen auch kurz, ehe er fortfuhr.

“Zwangsarbeit werden sie dich auch keine verrichten lassen. Du bist sicherlich nicht in dem zustand um irgendwelche Arbeiten an Deck ausführen zu können, außerdem wäre die Fluchtgefahr zu groß..“

Den zweiten teil hängte er noch hastig an, um keinen falschen Eindruck aufkeimen zu lassen. Die Zeit verstrich erstaunlich schnell und ehe man sich versah zogen die Stunden ins Land.

Wie ich bereits erwähnte, wir müssen uns nicht mögen, dennoch freut es mich dass wir Fortschritte machen.

Einen Moment lang dachte er über die folgenden Worte nach, verinnerlichte diese und musste feststellen, dass er darauf keine Antwort hatte. Was würde mit ihr geschehen? Und wie lange würde man sie auf diesem Schiff festhalten? Ewig konnte das nicht so weiter gehen und irgendwann müsste man sie in ein Gefängnis an Land bringen.

“Nein... Ewig geht das so nicht weiter. Irgendwann wird man dich auf eine Insel verfrachten und dort einsperren... Ich weiß nicht wann das sein wird, aber... Hm...“

Er wusste nicht weiter was er sagen sollte, immerhin konnte und wollte er ihr keine falschen Versprechen geben. Er hatte nichts zu sagen, war nur ein Neuling und von daher völlig ohne Befehlsgewalt. Rasch wollte er von dem Thema ablenken und zog die Mundwinkel nach oben.

“Keine Sorge, ich würde sagen dass man an den Toilettengängen auch mal eine Dusche anhängen kann. Aber... Dir ist hoffentlich klar...dass ich dich dabei bewachen muss... Uhm... Ich werde natürlich vor der Türe warten, doch wirst du dich mit mir Unterhalten müssen, damit ich sicher sein kann dass du noch da bist. Einverstanden?“

An sich blieb ihr keine andere Wahl, denn auch wenn Saemon neu war und keinerlei Erfahrung besaß, so war er kein Idiot und wusste welche Vorsichtmaßnahmen er ergreifen musste. Er deutete auf das Tablett, auf welchem noch immer der Teller mit dem Gulasch und ein leeres Glas standen, wobei ihm etwas in den Sinn kam. Er griff sich unter seinen Pullover und zog nach kurzem wühlen etwas hervor. Es war eine kleine Flasche mit weißem Inhalt, offensichtlich Milch, welche er Lian reichte.

“Ich hatte so eine Eingebung dass du das mögen könntest... Aber ich hab ein Glas dann doch al passender empfunden, als eine Schale.“

Wobei er natürlich auf ihre Katzenmerkmale anspielte, welche während des Kampfes zur Geltung kamen.
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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 0:55



Lian konnte sich nicht erklären, wie man eine solche Wunde hatte unbehandelt lassen können. Ohnehin war es erstaunlich gewesen, dass er trotz der Schmerzen überhaupt noch in der Lage gewesen war, irgendwo herumzugeistern und dass niemand ihn aufgelesen hatte, um ihn zu helfen. Das Mädchen mochte Piratin sein, doch manchmal verstand sie die Menschen einfach nicht. Was konnte Saemon getan haben, damit er solch eine Behandlung verdiente? Verfolgt, übel zugerichtet und einfach wie einen Sack voll Müll liegen gelassen, zum Sterben verurteilt. Sie merkte, wie Zorn in ihr aufkeimte. Obwohl sie keine wirkliche Bindung zu Saemon hatte, nahm sie dem Unbekannten das Unrecht, was er dem Kisaragi angetan hatte, übel.

„Ich hätte es vermutlich behandeln können“,

sagte sie wie beiläufig und verschrenkte die Arme vor der Brust.

„Ich habe schon viele Brandwunden behandelt.“

Als er ihr ein Kompliment bezüglich ihres Namens machte, sah sie ihn verwirrt an, die Augenbrauen etwas angehoben. Ihm selber schien es im ersten Moment garnicht aufgefallen zu sein, denn erst nach und nach entwickelte sich die Röte in seinem männlichen Gesicht und zwang sie förmlich dazu, den Blick zu senken, ebenso verlegen, wie er selber es war.

„Wenn ein schöner Name zu mir passt, dann findest du mich auch schön“,

stellte sie fest und musterte ihn provokant. Sie war sich sicher, dass sie ihn damit noch mehr in Verlegenheit bringen würde, als er ohnehin schon war. Und irgendwie war es niedlich. Sie hatte zwar keine wirkliche Erfahrung mit dem anderen Geschlecht, da alle Männer und Jungen ihrer Crew eher ihre Brüder und Creester nunmal ihr Vater gewesen waren und sie außerhalb dessen nie wirklich viel Kontakt zu anderen Personen hatte und wenn, dann beschränkte sich dies auf eher flüchtigen und nicht erwähnenswerten. Umso eigenartiger war es, hier mit Saemon zu sitzen, so stellte sie für sich selber fest. Ob er eine Frau und vielleicht sogar Kinder hatte ? Der Gedanke warf erneut die Frage um sein Alter auf.

„Wie alt bist du ?“,

erkundigte sie sich also frei heraus und griff dann nach einer Decke, die sie sich über die nackten, mit blauen Flecken überzogenen Beine legte. Ein bisschen musste sie Lachen, als er zugab, dass die Männer wohl eher von ihr beschützt werden mussten. Indirekt gab er also zu, dass sie nicht der reinste Schwächling war, für welchen sie sich noch wenigen Stunden selber gehalten hatte. Und wer wusste schon, ob sie nicht eine Gelegenheit für ein kleines Training ergattern würde. Saemon schien zumindest sehr kooperativ. Er würde ja dabei sein können. Andererseits.. hatte er keine Pflichten an Bord ? Zwar hatte er ihr noch während ihres Kampfes zugesichter, kein Mann der Marine zu sein, was ja nun nicht mehr aktuell war, was sie aber natürlich nicht wusste, dennoch konnte sie sich nicht vorstellen, dass ein gewöhnlicher Inselbewohner einfach so am Bord eines Marineschiffes umherspazieren und eine Gefangene halten konnte, ohne irgendwelche Gegenleistungen darzubieten. Dies zu hinterfragen schien ihr allerdings unhöflich und sie schwieg.

Erleichternd war es dann für sie, als er ihr mehr oder minder versprach, dass man sie nicht ins Meer werfen würde. Ein Stein fiel ihr vom Herzen und sie seufzte mit einem kleinen Lächeln, legte ihre rechte Hand auf ihre Brust, als wäre sie diesem Schicksal grade so entflohen. Andererseits wusste sie nicht, was die Kerle mit ihr anstellen würden, wenn Saemon mal nicht vor Ort war. Sicher, sie war nicht schwach, würde sicher den ein oder anderen erlegen können, noch ehe er überhaupt hätte ausholen können, aber auch ihre Kräfte waren dann und wann aufgebraucht und wurde man von vielen Seiten attakiert, so stand man meistens vor einem nur schwer lösbaren Problem. Außerdem wollte sie irgendwie auch nicht, dass der Rotschopf den Kopf für sie hinhielt. Neben all den Dingen, die er zu ihrem Unmut getan hatte, hatte er sich auch redlich bemüht, es ihr angenehm wie möglich zu machen und nahm sogar auf sich, gewisse Extras für sie, eine Piratin, einzuräumen. Das schmeichelte ihr. Irgendwie.

„Auf einer Insel ?“

Lian sah Saemon groß an. Das hieß im Klartext für sie, dass ihre Zeit an Bord nicht allzu lange dauern würde und man sie früher oder später in eines der heruntergekommenen und kalten, feuchten Gefängnisse auf den Inseln sperren würde. Ein unangenehmer Gedanke. Und warum hielt er sie nun hier, wenn ihr Schicksal ohnehin unausweichlich war ? Irgendwas hinderte sie, dies zu hinterfragen und sie fuhr sich mit einem besorgten Blick durch die Haare.

„Und du bleibst auf dem Schiff..“,

schlußfolgerte sie mit leiser, emotionsloser Stimme. Es war nicht, dass sie sich unbedingt um ihn riss. Er war nur zu diesem Zeitpunkt die einzige Person, die sie mehr oder minder kannte, der einzige Anker, wenn man so wollte und das Einzige, wonach sie sich richten konnte. Alleinsein, das hatte sie lange hinter sich und der Gedanke daran schnürte ihr etwas die Luft ab, sodass sie sich räusperte und die Augen schloss. Sie würde die Zeit genießen, die sie noch hier war. Mehr konnte sie ohnehin nicht tun. Flehen, man würde sie an Bord behalten, war keine Option.

„Mich bewachen ?“ ,

Er verstand es, sie schnell abzulenken. Aber das war auch nicht besonders schwer. Lians Aufmerksamkeitsspanne war von geringer Größer und es bedurfte nur einer Kleinigkeit, um sie schnell auf andere Gedanken zu bringen.

„Das heißt du willst mit in meine Dusch- .. oh ! Ja, natürlich.. Ich könnte singen, dann hörst du mich die ganze Zeit.“

Lian sang viel und gerne, hatte glücklicherweise auch die passende Stimme dazu und empfand entsprechend keinerlei Scheu, das zu tun. Erst jetzt aber fiel ihr Saemons große Hand auf ihrer Schulter auf und schielte leicht zur Seite auf diese, die Stirn in kleine Fältchen gelegt. Komisch, so eine Berührung von einem Fremden. Grade wollte sie auch dazu was sagen, da zog der Kisaragi etwas heraus, dass sie aufjauchzen lies. Milch ! Er hatte ihr tatsächlich Milch mitgebracht ! Entsprechend seiner Vermutung LIEBTE das Mädchen dieses Getränk, was nicht zuletzt an ihrer Katzenmanier selber lag. Erfreut sprach sie aus ihrer hockenden Position abermals gegen Saemon und umfasste das Fläschchen, das dieser hielt. Ob nun ein Schälchen oder ein Glas, das war ihr vollkommen gleich. Milch, war Milch ! Und über dies das köstlichste Getränk, was es gab. Grade zu in Extase griff sie nach dem Glas, kippte die Milch herein und wollte grad trinken, als .. sie die Augen etwas weitete und Saemon ansah.

„Oh..entschuldige.. Willst du auch was ?“

Und hielt ihm das Glas mit der weißen Flüssigkeit hin.


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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 10:46

Es brachte natürlich wenig im nach hinein mittgeteilt zu bekommen dass man etwas dagegen hätte unternehmen können, was man in seinem Blick auch deutlich erkennen konnte. Es war eine Mischung aus Wehmütigkeit und Sarkasmus, gepaart mit ein wenig Zorn. Dieser galt in dem Falle nicht Lian, sondern viel mehr sich selbst. Hätte er damals auf seinen Lehrer gehört, wäre ihm dies nicht widerfahren, doch auch hier brachte es nichts über das ‚Wäre‘ nach zu denken. Es war passiert und nicht mehr rückgängig zu machen.

Er blieb schweigsam was dieses Thema betraf, sah dann wieder verlegen zu Boden. Natürlich bemerkte sie sofort was er damit meinte, obwohl er es nicht sagen wollte. Trotz dem an sich recht friedlichen Miteinander, waren sie nach wie vor Feinde und das durfte Saemon keinesfalls aus den Augen verlieren. Dennoch war er ehrlich zu ihr und würde auch jetzt nicht damit abbrechen und auch hier die Wahrheit sprechen.

“Nun ja. Man muss sich schließlich nicht mögen um die Schönheit eines anderen Menschen anerkennen zu können, auch wenn es einem in diesem Falle schwer fällt es aus zu sprechen. Ach und ich bin 22.“

Fügte er noch an, sah jedoch an ihr vorbei, versuchte ihrem Blick aus zu weichen und seine Scham ein wenig zu verbergen. Saemon hatte an sich kein Problem damit wenn er Schwächen offenbarte, immerhin war er sich dieser bewusst und konnte von daher mit solchen Situationen umgehen. Aber es passierte nicht all zu oft dass er sich mit der Nähe von Frauen auseinandersetzen musste und besonders das wurde hier überdeutlich. Er begann wider zu lächeln, angesichts ihrer scheinbar besseren Laune.

Wie es nun mal nicht anders zu erwarten war, kam hin und wieder erneut der Ernst der Lage in den Sinn der beiden, schließlich war Lian eine Gefangene und auch wenn Saemon einen Moment lang seinen Willen durchsetzen konnte und sie zu seiner persönlichen Inhaftierten erklärte, so war dies mit Sicherheit nur eine große Ausnahme. Es war auch nur eine Vermutung Saemon’s dass man sie früher oder später auf eine Insel verfrachten wird, so genau wusste er das nicht, hatte in diesem Falle auch keine Befugnis um Entscheidungen zu treffen. Wer war er schon? Er mochte geschickt mit dem Schwert sein, ebenso geschickt im Nahkampf, auch ohne Waffen, doch war er seit gerade einmal einige Stunden ein Soldat der marine. Er war ganz unten, hatte noch nichts erreicht. Er rettete dem Kapitän das Leben, doch geschah dies als Zivilist. Nun galten andere Regeln, an welche sich auch Saemon zu halten hatte, so schwer es ihm auch fallen würde. Die erste Kontroverse gab es bereits jetzt, was Lian betraf. Er sah an sich nur einen Ausweg, doch hatte er genug von ihr mitbekommen um zu wissen, dass er ihr dies nicht einfach ans Herz legen konnte. Überhaupt war es fraglich ob sie genug Zeit haben würden, um solche Themen ab zu klären. Er seufzte, blickte betrübt drein und grübelte nach, versuchte einen Weg zu finden, doch wollte sich einfach nichts helfendes in ihm auftun.

Irgendwann werden sich unsere Wege wohl trennen… Aber… Oh ja eh… Singen geht in Ordnung. Dann bekomm ich ja sogar noch eine Show geboten.

Sprach er amüsiert, als dann ein leichter Schreck seinen Körper durchzuckte.

“Also! Ehm… Ich meinte wegen dem Gesang, versteh das bitte nicht falsch.“

Am liebsten hätte er sich selbst geboxt. Er benahm sich wie ein schüchterner kleiner Junge, welcher zum ersten mal mit einem Mädchen sprach. Er könnte sich glatt selbst hassen, für sein dämliches und unreifes Benehmen. Es war faszinierend wie wechselhaft die Stimmung in dieser Zelle war. Gerade eben ist noch alles in Ordnung, sie wirken fröhlich, scheinen sich zu amüsieren, doch bricht dann wieder die Realität durch und schlagartig sinkt die Kurve nach unten, gefolgt von peinlichen Versuchen das Thema zu wechseln, was zumindest für Saemon häufig mit Scham endet.

Er verneinte das Angebot, etwas von der Milch zu trinken, freute sich hingegen dass er ein richtiges Händchen bewiesen hat, als er die Flasche einsteckte. An sich war das nicht so schwer, so dachte er. Sie war ein Katzenmensch, hatte also auch die Züge einer Katze an sich, vielleicht sogar etwas von deren verhalten und Katzen lieben eben Milch. An sich wirkte das recht logisch geschlussfolgert und am Ende sollte dies auch bestätigt werden. Die Frage war nur wie es nun weiter gehen sollte. Sie könnten Tagen, wenn nicht sogar Wochen oder gar Monate unterwegs sein. Diese Zeit würde Saemon sicherlich bei ihr bleiben, allein aus Sorge ihr könne etwas geschehen. Wie bereits erwähnt kannte er die Crew an diesem Schiff nicht, wusste nichts von deren Absichten oder zu was sie im Zorn in der Lage waren. Er wollte einfach auf Nummer sicher gehen und ihr sicheren Geleit bieten. Doch wozu das Ganze? Was würde danach kommen? Er wollte sich darüber keine Gedanken machen, doch poppten die von ganze alleine in seinem Hirn auf und vereinnahmten dieses gänzlich.

Lian wurde aufmerksam gemustert während sie sich über die Milch hermachte, was man auch spüren konnte. Saemon versuchte gar nicht erst es zu verbergen, wie auch. Er saß in unmittelbarer Nähe zu ihr und außer den beiden gab es keine anderen Personen in den Zellen. Natürlich stand auch die Frage im Raum was er tun würde wenn er mal schlafen müsste. Er spürte noch immer groß Müdigkeit und auch wenn er Sympathien für Lian entwickelt hat, so interessierte es ihn ob sie die erstbeste Gelegenheit für eine Flucht nutzen würde. Es gab an sich nur ein Mittel dagegen… Er müsste sie in der Zelle einsperren, doch wie würde sie darauf reagieren? Er beschloss also das Thema offen an zu sprechen und auf ihr Verständnis zu hoffen.

“Nun… Irgendwann werden wir schlafen müssen und ich hoffe du verstehst meine Bedenken nicht falsch, aber was würdest du an meiner Stelle tun? Ich meine… wenn ich die Zelle offen ließe, wäre ich dir praktisch hilflos ausgeliefert. Ich hab den Drang dir vertrauen zu wollen, doch rät mir mein gesunder Menschenverstand davon ab. Ich an deiner Stelle zumindest… wüsste nicht was ich tun sollte. Ich denke ich dürfte es dir nicht mal verübeln wenn du mich einfach erledigen und mir die Schlüssel abnehmen würdest… Ich will das nur so früh wie möglich geklärt haben und hoffe dass du deswegen nicht böse oder enttäuscht bist…“

Er fühlte sich wie ein Trottel, saß er doch hier und erklärte einer Gefangenen die Hintergründe seines Handelns, versuchte diese zu besänftigen und es ihr Recht zu machen. Er musste dastehen wie ein Idiot und sicherlich würde auch ihr das nicht entgangen sein.

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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 15:44



Was Lian betraf, so vergaß diese ihre zuvorige Feindseligkeit gegenüber Saemon beinahe gänzlich. Der Moment war einfach zu ausgelassen, irgendwie zu komisch, um wahr zu sein und grinste in alter Manier, vor sich hin. Die Piratin dachte nicht einmal mehr über jene Dinge nach, die sich noch vor dem Sonnenaufgang zugetragen hatte, geschweige denn an ihre aktuelle Lage und was diese mit sich brachte. Alles, was zählte, was, dass sie nicht alleine war, selbst, wenn es ein Feind war, der ihr das Gefühl gab, nicht völlig unwichtig zu sein. Dennoch war es anders, als mit Creester. Saemon konnte keine Vaterfigur einnehmen. Erstens konnte sie natürlich nicht ewig ausblenden, dass sie ihn ja eigentlich überhaupt nicht leiden mochte und Schuld an ihrem Elend war und zweitens war er dafür viel zu jung. Also was konnte er für sie sein ? Das beschäftigte sie. Lian wollte stets klare Verhältnisse schaffen und musste wissen, wo sie stand und vor allem, wie man zueinander stand. Also entschied sie sich innerlich dafür, ihn zunächst einmal als flüchtigen Bekannten anzusehen, welcher durch unglückliche Umstände dazu gezwungen war, mehr Zeit mit ihr zu verbringen, als bisher.

Dann gab er offen zu, dass er sie schön fand. Verwundert blieb ihr der Mund einen kleinen Spalt breit stehen und sie sah an sich herab. Ihre Haare waren verklebt, noch immer feucht und hier und da sogar dreckig, schließlich hatte sie sich während ihres Kampfes oft genug auf dem nassen, nicht grade sauberen Boden herumgerollt. Das weiße Hemd war ihr viel zu groß, die sichtbare, blasse Haut, größtenteils von blauen Flecken überzogen und auch an ihrem Gesicht konnte sie sich derzeit nichts besonders ansehnliches vorstellen. Durch den Regen musste ihre gesamte Schminke nun in Schlieren an ihren Wangen herabgelaufen und auf diesen getrocknet sein. Lian verzog ein wenig den Mund. Alles in Allem musste sie wie ein Clown aussehen und entsprechend war sie sich nicht sicher, ob Saemon sich über die junge Piratin lustig machte. Andererseits wirkte er nicht so. Wenn Saemon etwas sagte, merkte man ihm schnell an, ob es nur eine schlecht durchdachte Ausrede war, eben wie die bezüglich seines Auges. Also fand er sie wirklich schön. Ein eigenartiger Geschmack. Sie runzelte die Stirn und überlegte, was es damit auf sich haben könnte, schüttelte dann aber knapp den Kopf und beschloss für sich, das Thema auf sich beruhen zu lassen.

„Du bist alt“,

sagte sie dann trocken und zeigte mit ihrer vom weißen Ärmel des Hemdes beinahe verdeckten Hand und dessen Zeigefinger auf den Rotschopf, der dicht bei ihr auf der Pritsche saß. Saemon machte einen müden Eindruck. Wie lange er wohl schon wach war ? Sicher hielt sie ihn mehr auf Trab, als er von seiner Einmischung selber erwartet hatte. Niemand erwartete viel Intelligenz und Planung von Piraten. Gedankenverloren trank sie aus dem Glas mit der Milch, welches sie mit beiden Händen umfasste. Sie war ein bisschen kühl, zu kühl für ihren Geschmack, was ihr seltsam erschien, schließlich hatte Saemon es an seinem Körper getragen und seine Wärme hätte sich auf das Getränk übertragen müssen. Oder war er kalt ? Neugierig streckte sie die Hand aus, um sie auf seinen Oberkörper zu platzieren, machte aber im letzten Moment Halt und zog sie zurück. Er war der Feind. Ihr sollte egal sein, wie kalt er war. Und sie musste dankbar dafür sein, dass sie überhaupt Milch bekam. Das konnten sicher nur wenige Gefangene auf der Welt von sich behaupten. Zu verlangen, sie für sie warm zu machen, wären reichlich viele Anforderungen gewesen und Lian hatte schließlich früh gemerkt, bescheiden zu sein und das ihr gegebene zu akzeptieren.

„Das ist paradox, weißt du“,

begann sie dann schließlich und sah mit angestrengter Miene zu Boden.

„In Shellstown wolltest du mich nicht lassen.. Du hast mich mit auf das Boot genommen und riskiert, Ärger dafür zu bekommen, du versuchst, Dinge über mich herauszufinden und findest mich hübsch, willst mir Dinge gewähren, die eigentlich keine Privilegien gefangener Piraten sein sollten und hast dich selber mit der Aufgabe beauftragt, nach mir zu sehen. Und trotzdem soll ich das nächste Mal, wenn ihr Anker anlegt, in irgendein Gefängnis irgendeiner Insel. Das verstehe ich nicht.“

Lian verschränkte ihre Finger ineinander. Sie hatte Saemon nicht zu nahe treten wollen, aber er war so.. so eigenartig, änderte irgendwie immer seine Meinung und ließ nicht zu, dass sie ihn einschätzte. Was wollte er nun von ihr und wieso tat er das alles für sie, wenn sie schon morgen in ein neues Gefängnis gebracht werden könnte ? Die McNair seufzte. Vermutlich wäre es besser für alle, wenn sie keine Freunde wurden oder einander vertrauten. Lian wollte nicht eine weitere Bezugsperson verlieren, auch wenn sie nicht grade der Ansicht war, dass der Kisaragi imstande war, einen solchen Platz bei ihr einzunehmen. Aber er war nunmal da. Nur er.

Und er sah sie unentweckt an. Das spürte sie deutlich. Skeptisch schielte sie zu ihm herüber und zog die Augenbrauen etwas in die Stirn. Sie machte fast einen giftigen Eindruck dabei. Was gab es da für ihn zu sehen ? Schnell nahm sie die letzten zwei Schlücke ihrer Milch und stellte das Glas dann vorsichtig auf dem steinigen Boden ab. Schon viel besser. Das Grummeln in ihrer Magengegend war abgeklungen oder zumindest ein wenig besänftigt. Irgendwie scheute sie sich davor, Saemons Gulasch zu essen. Es sah einfach zu komisch aus. Nicht wie jener Gulasch, den sie gewohnt war. Aber beleidigen wollte sie ihn auch nicht. Deswegen verlor sie keinen Kommentar über dessen Zubereitung.

Als er sagte, sie müssten schlafen gehen, weiteten sich ihre Augen ein wenig. Sie hatte garnicht mehr daran gedacht, dass er irgendwann die Zelle verlassen und sie hier unten alleine zurücklassen würden. Sicherlich schlief er irgendwo oben. Und sie würde nicht schlafen können. Ob sie das Licht hier unten anließen ? Vermutlich nicht. Aber sie wagte nicht, zu fragen, geschweige denn den Anschein zu machen, als störe sie sich daran. Entsprechend zuckte sie nur mit den Schultern, dachte aber an ihre Zeit an Bord der Diving Devils zurück. Dort hatte sie nie alleine geschlafen. Zwar hatte Lian einen eigenen Raum besessen, der vollgestopft mit Anziehsachen und dergleichen mehr war, aber geschlafen hatte sie in einem Raum mit den beiden jüngsten Piraten, Chester und Mio, die erst fünfzehn gewesen und die Kinder eines bulligen, alteingesessenen Piraten namens Gota waren. Allein zu schlafen, das war nie schön. Aber wie gehabt, hätte Lian einen Teufel getan, das nun zuzugeben. Dafür verschränkte sie nur die Arme vor der Brust und nickte Saemon zu.

„Mhm, ich bin auch müde.“

Sagte sie zunächst einmal und hörte sich seine folgenden Worte aufmerksam an, mit welchen er ihr schonend beibringen wollte, dass er sie nun fesseln müsse. Zwar gefiel ihr das nicht, aber was blieb Lian schon anderes übrig ? An seiner Stelle hätte sie sie gleich gefesselt, er verlangte ja immerhin ihre Empathie. Entsprechend setzte sie sich wieder auf ihre Knie, sah ihn kühl und etwas unverwandt an und streckte ihm beide Arm hin, die Hände locker nach unten hängen lassend.

„Gut, dann treff‘ alle Sicherheitsmaßnahmen, die du für nötig hälst.“

Forderte sie ihn auf, dennoch lag in ihrem Blick etwas provokantes. Nahm sie es ihm übel ? Nein, eigentlich nicht. Er tat seine Pflicht.



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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 16:18

Verwirr t besah der Kisaragi die zarten Hände Lian’s, welche sie ihm aus einem zunächst unerklärlichem Grund entgegen streckte. Er hob seine linke Augenbraue und blickte zwischen ihrem Gesicht und ihren Fingern umher, als wollte er sie fragen was genau sie eigentlich im Sinn hatte. Es dauerte einen Moment ehe er verstand worauf sie hinaus wollte, doch schien sie dabei etwas falsch verstanden zu haben. Obgleich sie wieder ein wenig kühler zu werden schien, war Saemon froh dass sie es relativ entspannt aufnahm und keinen Aufstand deswegen anzettelte. Es war nun einmal so dass sie eine Gefangene war und doch war er sich sicher dass sie Verständnis dafür haben würde.

Er dachte zurück an eine Situation im Restaurant, als er noch jung und unerfahren war, gerade erst mit seiner Ausbildung begann und von daher noch so gut wie nichts gesehen hatte. Damals kam ein Mann in den Laden und Saemon war abkommandiert worden um den Kellnern zu helfen, eine Tätigkeit welche er nur all zu oft ausübte. Dieser Mann trug eine Offiziersuniform und umfasste mit seinen kräftigen Händen eine Kette, an dessen Ende ein Mann befestigt war. Er trug eine Art Halsband, gänzlich aus Metall, an welchem die Kette befestigt war und sein Zustand schien auch nicht gerade der Beste gewesen zu sein. Der Offizier setzte sich entspannt an einen freien Tisch, was auch Danjo aufgrund des rascheln der Kette rasch erkannte. Eilig huschte der Besitzer des Lokals auf den eigenartigen Mann zu, stellte sich dicht an diesen heran und blickte ihn scharf an. Danjo war ein Mann mit einem außergewöhnlichem Sinn für Gastfreundschaft und sollte sich jemand seinen Regeln widersetzen, so konnte er schnell ungemütlich werden.

Es passte ihm keinesfalls in den Kram dass der Mann, welcher scheinbar der Marine angehörte, einen Gefangenen anschleppte. Dabei war nicht der Gefangene selbst das Problem, sondern viel mehr die Tatsache dass man diesen so Menschenunwürdig behandelte. Saemon stand etwas Abseits der ganzen Szene und belauschte das Gespräch aufmerksam. Danjo kam schnell auf den Punkt, gab dem Offizier zwei Optionen. Entweder er würde den Mann von der Kette lassen und diesem gewähren sich auf einem Stuhl nieder zu lassen, oder er müsse sofort das Lokal verlassen. Danjo kümmerte es dabei wenig was mit dem Mann geschehen würde, das war schließlich nicht seine Angelegenheit, doch solang die beiden in seinem Restaurant waren, hatten sie sich an seine Regeln zu halten.

Natürlich trafen diese Optionen auf wenig Begeisterung und es sollte nicht lange dauern, da war auch schon eine hitzige Diskussion losgebrochen, in welcher insbesondere der Mann der marine heftig Gestikulierte. Jeder der Danjo kannte, wusste genau dass man bei ihm auf Granit biss und er viel lieber jeden der zahlenden Gäste aus seinem Laden werfen, denn gegen seine Prinzipien verstoßen würde. Diese Eigenschaft hatte auch Saemon sich zu eigen gemacht, was Lian sicherlich ebenfalls schon bemerkt haben dürfte. Saemon’s Mentor war ein allgemein respektierter Mann, welcher viele Beziehungen in alle möglichen Kreise hegte. Das wusste scheinbar auch der Offizier, welche sich rasch besänftigen ließ, plötzlich ganz still wurde und die Flut von Worten über sich ergehen ließ. Er gab klein bei, kettete den Mann los und ließ diesem einen Stuhl bringen.

Warum ihm ausgerechnet diese Geschichte in den Sinn kam ist denkbar einfach. Saemon empfand es als unmenschlich eine Person an Ketten zu legen, völlig egal wo diese anlagen. Handschellen waren hierbei etwas anderes, da diese nur der temporären Überführung dienlich waren, doch bei befestigten Ketten, welche einem jegliche Bewegungsfreiheit nahmen, da spielte er nicht mehr mit.
Ohne ein Wort zu sagen richtete er sich auf, blickte noch immer skeptisch auf Lian hinab, und wandte ihr dann den Rücken zu. Während er sich nun in Richtung der Türe zu dem Zellenraum begab, brach er sein Schweigen.

“Du bist wirklich ein eigenartiges junges Ding. Nennst mich alt und benimmst dich dann hier wie ein alter Seebär, welcher scheinbar schon alles in seinem Leben gesehen hat.“

Obwohl er mehr vor sich hin sprach, obwohl diese Worte durchaus Lian galten, dürfte sie keine Probleme haben diese zu verstehen. Er stellte sich neben die Türe, nahm die Schlüssel hinaus und sperrte diese von innen zu, sodass sie nun eingeschlossen waren.

“Nur eine kleine Sicherheitsmaßnahme, also mach dir keine Gedanken.“

Doch ließ er offen wem diese eigentlich galt. Saemon ergriff die kleine Öllampe, welchen den übersichtlichen Raum erhellte und ging mit dieser in jene Zelle, neben Lians, stellte sie hier auf dem Boden ab und verließ sie wieder. Der Rotschopf stand nun erneut in dem Durchgang ihres Verlieses, lächelte ihr freundlich entgegen und schloss die Türe, worauf man das Schloss einrasten hörte. Ein Klick ertönte, womit die Prozedur dann auch schon ihr Ende fand.

“Ich bin ein wenig überrascht dass du so einsichtig bist, doch scheint sich die Müdigkeit auch auf dein Gemüt aus zu wirken nicht wahr? Ein wenig Schlaf tut uns beiden gut, ich zumindest freue mich darauf.“

Er konnte gar nicht beschreiben wie sehr. Saemon hat seit Tagen kein Auge zugemacht, wollte sich vor dem Angriff eigentlich von Kenji zu den Unterkünften führen lassen und sich dort noch ein wenig hinlegen, doch gewährte man ihm dies nicht. Der Angriff kam einfach zu schnell und ebenso schnell musste er auch reagieren. Der Adrenalinfluss, welcher zu diesem Zeitpunkt durch seinen Körper strömte, hielt ihn wach, gab ihm Energie und ein Gefühl der Stärke. Dies war nun vorbei und wie eine Welle während eines Sturmes, brach die Müdigkeit über den Einäugigen ein und bedeckte ihn unter ihrem dunklen Schleier.

Saemon betrat erneut die Nebenzelle und setzte sich auf der Pritsche nieder, zog seinen Pulli aus, unter welchem noch ein Shirt zum Vorschein kam. Den Pullover wickelte er zusammen, positionierte diesen am Kopf ende und legte sich darauf ab. Ein Griff zu der Lampe folgte, woraufhin der kleine Hebel betätigt und der Gasfluss abgedreht wurde. Der Schimmer des Feuers verschwand und kurz darauf war es Stockdunkel. Es gab keine Fenster in diesem Raum, was auch so beabsichtigt war. Ein Mann des Meeres konnte sich Hoffnung zusprechen wenn er dieses nur sah, und eben dies wurde den Gefangenen an Bord der True Justice nicht gestattet. Sie sollten erkennen zu was sie ihre Taten führen und wenn es sich in mancher Augen auch nur um eine Kleinigkeit handelte.

“Gute Nacht junge Piratin.“

Durchdrang Saemon’s Stimme noch die Dunkelheit, ehe wieder Schweigen an der Tagesordnung stand. Man hörte nur noch den Wellengang und das Rauschen des Meeres.

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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 21:33



Lian empfand es als ziemlich großes Vertrauenszeichen, dass Saemon gleich in der Nachbarszelle schlief und sich und sie einschloß. Wenn sie gewollt hätte, so hätte sie noch während der Nacht sonst etwas mit ihm anstellen können, ohne, dass er es bemerken würde. Natürlich war das nicht in ihrem Sinne, sie würde nichts davon haben. Denn mitten auf dem Meer, in einer Meute voll Marinesoldaten, die nach ihrem Leben trachteten, konnte sie froh sein, wenn zumindest einer an Bord sie mit Respekt behandelt, selbst wenn er sie einen alten Seebären schimpfte, was natürlich auf Unmut ihrerseits stieß sowie auf ein sich rümpfendes Näschen. Die Piratin zog die Arme also zurück und beobachtete den Rotschopf, der so vertraulich mit ihr umging, als kenne er sie ewig. Schließlich aber stand er auf und nahm auch das Licht mit sich, sie in Dunkelheit zurücklassend. Allein diese Tatsache erzeugte Nervosität in ihr. Man wusste nie, was geschah, wenn man nichts sah. Umso erleichtert war sie immer, wenn sie daran dachte, dass ihre Teufelskräfte es ihr möglich machten, auch in der Dunkelheit zu sehen. Nun, wenn sie sich besonders gut konzentrierte, zumindest.

Lian hatte ihre Teufelskräfte vergleichsweise lang. Die Frucht selbst war das Erste gewesen, was sie an Bord Creester hatte zu sich nehmen dürfen. Vermutlich war dieser der Meinung, Frucht und Mädchen wären füreinander wie geschaffen, denn selbst ohne diese hatte man immer die Erinnerung an eine Katze, wenn man das Mädchen sah. Ihre Charakterzüge, ja, sogar ihr Äußeres. Die Frucht hatte diese Eigenschaften nur verstärkt und stärker nach außen gekehrt und Lians Spitzname war schon seit Längerem ‚die Katze’, natürlich auch wegen gewisser Klischees, die auch Saemon überraschenderweise früh erkannt hatte. So liebte Lian Milch mehr, als jedes andere Getränk und hatte eine Art Jagdinstinkt in sich, wenn sich etwas schnell bewegte. Nicht selten nahm sie dann die Form einer Katze an, um diesem sich schnell bewegenden Artefakt hinterherzujagen, es zu fangen und.. schließlich unbeachtet liegen zu lassen. Wichtig war nur, es gefangen zu haben !

Als Saemon sich auf seine Pritsche legte, die genau an ihrer Zelle lag, beobachtete sie ihn dabei, wie er seinen Pullover auszog und diesen unter seinen Kopf, damit er als Kissen fungieren konnten. Warum er wohl hier unten bei ihr schlief ? Sie war sicher, dass es oben gemütlicher war, weniger stickig. Vermutlich gab es dort Fenster. Das hier keine vorhanden waren, das hatte sie gleich in der ersten Stunde mit Bedauern festgestellt. Sie war wahrlich eingesperrt, durfte keinen Blick auf die wunderschöne See werfen. Was dachten sie ? Dass sie es einschlagen und raus ins Wasser springen würde ? Dies war wohl das Einzige, was sie nie über sich bringen würde, die Erfahrung, als sie ins Meer gefallen war, würde sie nie vergessen. Und vermutlich war das auch besser so und kam ihr nur zu Gute. Wenn man von einer Teufelsfrucht gegessen hatte, tat man gut daran, nicht risikofreudig zu sein, was das Wasser selbst anbelangte. Es sei denn natürlich, man suchte einen qualvollen Tod, den man für gewöhnlich nichtmal seinem schlimmsten Feind wünschen wollte.

Lian sprang auf ihre Knie und zupfte an den zahlreichen Decken herum, die der Kisaragi ihr zuvor beschafft hatte, um aus diesen einen großen, chaotischen Haufen zusammenzuwerfen, in welchen man sich kuscheln konnte. Derweil wünschte er ihr bereits eine gute Nacht und sie warf ihm nur einen irritierten Blick zu. War das sein Ernst ? Er legte sich dorthin, wünschte ihr eine gute Nacht und tat, als wäre soweit alles in Ordnung, als wäre es völlig normal, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes dazu herabließ, in einer Zelle zu übernachten, die für Kriminelle gedacht war ? Zeitgleich fragte sie sich, wie oft dem so sein würde. War er also praktisch in die Nachbarszelle eingezogen ? Oder würde er schon morgen wieder oben schlafen gehen ? Erstaunt musste sie fest stellen, dass sie das nicht hoffe.

„Gute Nacht…“,

erwiderte sie unschlüssig und dachte über ein Anhängsel nach, das sie nutzen konnte. Er war ihrem Wissen nach kein Mann der Marine.. Wie konnte sie ihn also nennen ? Als ihr nach wenigen Sekunden noch immer nichts einfiel, zuckte sie einfach für sich mit den Schultern und beließ es bei seinem Namen. War besser, als sich irgendeinen Mist auszudenken, den er unter Umständen missverstehen könnte.

„Saemon..“

Dann fiel ihr auf, dass er gar keine Decke hatte. Prompt überfiel sie eine Art schlechtes Gewissen. Er hatte so viel für sie getan, dass sie es als sehr unfair empfand, dass er nun frieren sollte, zumal er noch keine Gelegenheit gehabt hatte, sich seiner nassen Sachen zu entledigen und jetzt auch noch mit freiem Oberkörper schlief. Lian legte den Kopf schief und sah zu ihm herüber, als sie sich in die Decken sinken ließ. Das Licht war erloschen, doch nach und nach gewöhnten sich ihre eisblauen Augen an die Schwärze der Nacht und sie erkannte zumindest einige ferne Schämen.

Ans Einschlafen war gar nicht zu denken. Obwohl Lian sehr müde war, fiel es ihr sehr schwer, die Augen auch nur zuzumachen. Die erste Nacht an einem fremden Ort war immer etwas sehr Aufregendes und Gewöhnungsbedürftiges. Es stimmte sie auf eine Art unruhig. Im Schlaf war man hilflos ausgeliefert. Zwar vermutete sie nicht, dass Saemon das ausnutzen würde, aber man wusste nie. Außerdem wollte und konnte sie ihm noch immer nicht genug Vertrauen entgegenbringen.

„Schläfst du schon?“,

wisperte das Mädchen in die Dunkelheit und zupfte mit ihren Händchen an den Decken herum. Keine Antwort. Irgendwie konnte sie über dies nicht ruhig liegen bleiben.. Und begann, sich stark zu konzentrieren. Nach und nach nahm sie die Veränderung war. Alles um sie herum wurde irgendwie größer, ihre Sinne veränderten sich, wurden schärfer. Es war, als hebten sich die Schemen farblich von der Dunkelheit ab. Sogar den schlafenden Saemon konnte sie jetzt genau erkennen, wie er seitlich auf seiner Pritsche lag und selig schlief. Er wirkte so friedlich, dass sie ihn zunächst einmal aus ihrer aktuellen Position eine Weile lang ansah. Wie ein normaler, junger Mann, der niemandem etwas getan hatte, geschweige denn sich je etwas zu Schulden kommen lassen hatte. Aber sie war sicher, dass Saemons Geschichte eine tiefere war. Sie hatte noch nicht gefragt, was mit seiner Familie war. Allerdings hatte sie das im Grunde genommen auch nicht vor, denn sie selber begrüßte es nicht, wenn man selbiges bei ihr tat. Von ihrer leiblichen Familie sprach sie nie und wenn, dass pflegte sie zu lügen. Es sei denn, man sah von Creester ab. Creester wusste alles von ihr. Und was sie betraf, so würde dies auch eine ganze Weile lang so bleiben.

Als ihre Verwandlung ihre Vollkommenheit erlangt hatte, streckte Lian sich oder machte viel mehr einen Katzenbuckel. Sie hatte sich lange nicht mehr gänzlich verwandelt, umso angenehmer war es dafür aber jetzt. Ihre eisblauen Augen sahen hinab auf ihre dunklen Pfoten. Nahm sie ihre Katzenform an, so war sie eine Siamkatze, rein äußerlich vielleicht ein halbes Jahr alt und von schöner, heller, beiger Farbe, wenn man von den Ohren, den Pfoten, dem Schwanz und der Schnauze absah, die fliderfarbend waren. Lilac Point. Hätte sie gekonnt, so hätte sie in diesem Moment wohl geschmunzelt.
Schließlich biss das kleine Tier in eine der Decken und sprang leichtfüßig und elegant von der Pritsche, kam geräuschlos auf dem Boden mit dieser auf und zog sie hinter sich her. Ihr Weg führte sie quer durch die Zelle hindurch, bis an die nächste Seite, wo Saemon schlief. Alles, was sie jetzt trennte, war das Gitter, welches sie sich nicht zu berühren traute. Dies hier war ein Marineschiff. Wer wusste schon, was für Fallen und Tricks sie eingebaut hatten. Vielleicht Elektroschocks oder derart starke Einlagerungen von Seesteinen, dass sie direkt in Ohnmacht fallen und wie ein Idiot auf dem steinigen Boden liegen bleiben würde. Leise nieste das Katzentier und schüttelte sich, die Decke fiel ihr dabei herab, jedoch nahm sie sie sofort wieder auf und legte den Kopf schief, während sie zu Saemon durch die Dunkelheit hindurch herauf blickte. Ein stetiges Schnurren ging von ihr aus, vermutlich, weil sie sich viel besser fühlte, wenn ihre Sinne geschärft waren, irgendwie sicherer.

Sie musste wohl ein klein wenig dümmlich wirken, wie sie da so saß, ihn ansah, schnurrte und mit dem dunklen Schwanz hin und her wedelte. Würde er wach werden, so würde er wohl zunächst das Geräusch wahrnehmen, das einem leisen, sehr kleinen Motor glich und die leuchtenden Augen, die zu ihm heraufstarrten. Hoffentlich erschreckte er sich nicht. Innerlich schmunzelte Lian. Und wenn doch ? Was, wenn er vor Schreck in die Höhe sprang und dabei von der Pritsche kullerte ? Ein Glück war sie als Katze nicht in der Lage, zu lachen, sonst wäre er wohl gleich erwacht.

Dann dachte sie an Zeiten zurück, als sie sich in Form einer Katze aufs Land getraut und diverse Sachen für ihre Crew gestohlen hatte. Die Größe und vor allem die Fähigkeiten einer Katze, gepaart mit menschlicher Intelligenz, machten solche Aktionen möglich und das mit großem Erfolg. Die wenigstens vermuteten hinter einem süßen, hübschen Kätzchen eine verschlagene Piratin, die einen bestehlen wollte.


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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 22:59

So legte der Kisaragi sich also auf seinem Pullover ab und seufzte entspannt aus. Zu lange war es her dass er so friedlich irgendwo liegen und einfach nur entspannen konnte. Er verbrachte Wochen auf einem kleinen Boot, praktisch gezwungen in ein und der selben Lage zu nächtigen, hatte dabei kaum Platz um sich mal zu drehen. Er lag immer auf dem Rücken, eingeklemmt unter dem Brett, welches zugleich als Sitzgelegenheit diente. Viele Nächte kam er gar nicht zum schlafen, verbrachte eine sogar an Mast gefesselt, damit er nicht über Bord flog. Verglichen mit all dem, war diese hölzerne Pritsche in der Zelle ein Luxusbett. Ebenso fühlte er sich nun auch, als hätte er den größten Luxus überhaupt erhalten und auch die fehlende Decke konnte daran nichts mehr ändern.

All diese Faktoren trugen auch dazu bei dass Saemon schnell einschlafen würde, so vernahm er zwar noch dass Lian ihm eine gute Nacht wünschte, jedoch nicht mehr dass sie seinen Namen nannte oder gar die Frage ob er denn noch wach sei. Er war schon längst entschwunden und befand sich nun im Land der Träume. Die meisten Menschen mochten es wenn sie etwas träumten, Saemon war an sich auch einer von diesen Personen, doch sollte sich das zumindest heute Nacht rapide ändern.

Seine Augen öffneten sich und Saemon blickte an eine weiße Wand, an welcher ein Bild hing. Er erkannte nicht genau was auf diesem abgebildet war, doch war dies auch nicht weiter von belang. Doch Moment mal, Augen? Irgendetwas war anders, etwas was seine Sicht betraf. Es schien so vertraut, als wäre es niemals weg gewesen und zum ersten mal seit vielen Jahren, hatte er auch nach rechts hin wieder einen peripheren Blick. Beinahe entsetzt sprang Saemon auf, rannte zu einem Spiegel und blickte in diesen und was er hier sah, ließ seine Kinnlade nach unten gleiten. Sich gegenüber stand Saemon, doch nicht jener welchen er erwartete. Er war jung, sehr jung, vielleicht sieben Jahre jung und besaß noch beide Augen. Das war nicht weiter verwunderlich, geschah der Unfall schließlich erst viele, viele Jahre später.

Euphorisch rannte er aus seinem Zimmer und stürmte in den Nebenraum, wo ein Tisch stand. An diesem Tisch standen drei Stühle, zwei von ihnen besetzt und nur noch einer frei – dies war seiner. Der Tisch war reichlich gedeckt und offensichtlich war es zeit für das Frühstück. Ein Korb mit Semmeln stand mittig darauf, umringt von diversen Tellern mit Wurst, Käse und einer Schale Eiern. An sich fand man alles vor was man sich nur wünschen konnte, doch wurde Saemon stutzig. Gerade eben lag er doch noch auf einer hölzernen Pritsche, ohne Decke und auf der True Justice, nun jedoch saß er hier an einem reichlich gedecktem Tisch, mit zwei Personen, welche seinen Eltern stark glichen. Der Knackpunkt an der Sache jedoch war, dass man ihre Gesichter kaum erkannte. Sie wirkten düster, ein wenig verschwommen, als würden tiefe Schatten auf ihnen liegen. Nichts war zu erkennen, doch passte die Statur zu jenen Personen, welche ihm einst das Leben schenkten.

Saemon hatte in letzter Zeit des öfteren Bilder aus seiner Vergangenheit im Kopf, doch kamen diese stets wenn er wach war, gepaart mit starken, beinahe unerträglichen Kopfschmerzen, doch blieben dies jetzt aus.

Saemon wollte gerade nach einer der Semmeln greifen, diese mit einem Messer aufschneiden und mit Wurst und Käse belegen, als plötzlich alles schwarz wurde und abgesehen von ihm selbst, alles verschwand. Er befand sich nun in einem leeren Raum, wir bereits erwähnt gänzlich in schwarz. Er schwebte, hatte keinen Boden unter den Füßen und begann aufgrund dessen wild mit diesen umher zu rudern. Dann baute sich ein Bild auf und mehr und mehr Abschnitte kamen von der Seite hineingefahren, Es wirkte ein wenig wie bei einem Theaterstück, bei welchem man das Bühnenbild rasant veränderte, in dem man einzelne Kulissen vom Bühnenrand hineinfahren ließ.

Ebenso schnell war auch diese hier aufgebaut und er befand sich im freien, umringt von Menschen, fremden Menschen. Nicht einen kannte er und außerdem war er noch immer Barfuß, trug noch immer seine Schlafklamotten und kämpfte sich mit diesen durch die Masse von Leuten. Es kostete ihn etwa 3 Minuten, dann schien er das Ende des Auflaufes erreicht zu haben und trat auf eine leere Fläche, bedeckt von matschigem Boden. Die feuchte Erde drückte sich zwischen seine Zehen hindurch und lagerten sich auf diesen ab. Er klimperte ein wenig mit ihnen umher, empfand das Gefühl sogar irgendwie angenehm. Sein Blick wanderte nach oben und schlagartig verzog sich seine Miene zu einer entsetzten Fratze. Er fand sich vor einem Gebilde aus Holz wieder, einem Podest um genau zu sein, auf welchem zwei Balken aufgestellt waren. Quer über diese hing ein weiterer Balken, an dessen Mitte ein Seil hinab hing. Am unteren Ende des Seiles kam eine Schlinge zum Vorschein, welche sich um den Hals eines Mannes wickelte.

Saemon machte entsetzt einige Schritte nach hinten und rieb sich wie wild das Gesicht. Er konnte einfach nicht fassen was sich ihm hier offenbarte, wollte es wohl auch nicht wahr haben. Er war im Begriff mit an zu sehen wie ein Mann gehängt wurde, doch nicht nur irgendein Mann, sondern jener, mit welchem er doch gerade eben noch am Tisch saß, welche gerade eben noch entspannt seinen Kaffee trank und etwas Brot zu sich nahm. Zu allem Überfluss kehrte in Saemons Gedanken ein Bild zurück, welches er schon vor Jahren verdrängt hatte, welches er in das schwarze Loch gestoßen hatte, eben jenes in seinen Gedanken, wo alles enden würde. Sein Gesicht wurde immer deutlicher und mit jeder weiteren Einzelheit welche man erkennen konnte, sank er weiter zu Boden.

Er konnte sich nicht erklären was hier gespielt wurde, doch war der Mann, welchen man hier hängen würde, sein Vater. Nach all den Jahren welche er brauchte um diese Bilder zu vergessen, nach all dem Hass welchen er hierfür aufbringen musste, spielte die Szene sich nun wieder klar vor seinen Augen ab und wie bereits beim ersten mal, so brach er auch nun wieder völlig zerstört zusammen.

Saemon erwachte aus seinem Traum, sprang wie von der Tarantel gestochen auf und stieß einen kurzen, aber qualvollen Schrei aus. Er atmete heftig und vergrub seine Finger in seiner Stirn, zitterte ein wenig und blieb regungslos auf der Pritsche sitzen. Seine rechte Hand umklammerte das Brett auf welchem er saß, wohingegen die linke immer und immer wieder über sein Gesicht rieb. Nach und nach beruhigte sich seine Atmung wieder und das Schnaufen hörte auf, sodass es wieder still in dem Zellenraum wurde. Nunja, zumindest sollte man dies meinen.

Neugierig neigte er seinen Kopf zur Seite und lauschte diesem... eigenartigen Geräusch .. .welches er irgendwie nicht zuordnen konnte. Er zwang sich selbst zur völligen Ruhe und erhob sich dann von der Pritsche, machte einige Schritte aus der Zelle heraus. Schritt für schritt machte er zunächst auf und dann wieder ab, blieb jedes mal kurz stehen, sodass er schon bald wissen sollte, woher das Geräusch kam.

Ohne Zweifel stammte dies aus derZelle Lian's, doch was zur hölle war das nur? Er sah absolut nichts, tastete sich wieder in seine Zelle vor und erfühlte die Petroleumlampe. Diese wurde nun vorsichtig ergriffen, doch machte er noch kein Licht, sondern blickte in die Richtung, in welcher er Lian vermutete.

“Bist du... noch wach?“

Er wartete einen Moment, wartete auf eine Reaktion, eine Antwort oder sonst irgendetwas von Lian, doch war da nur dieses... brummen? Was war das nur?!

Hörst du das?...

Warum wusste er selbst nicht genau, doch sprach er weiter mit ihr, auch wenn er nun der Meinung war sie würde schlafen. Doch was war denn dann dieses Geräusch?

Eine gewisse Sorge machte sich in ihm breit. Vielleicht war ihr etwas passiert? Vielleicht waren dies irgendwelche röchelnden Geräusche? Es klang zwar nicht danach, doch konnte man das nicht wissen. Saemon drehte an einem kleinen Rädchen, betätigte dann einen Knopf an dem Lämpchen und wie von Zauberhand entstand eine kleine Flamme, welche nun ein wenig Licht in die Sache brachte.

Irritiert sah er in ihre Zelle, bemerkte dass sie nicht mehr auf ihre Pritsche lag und suchte dann hektisch die Zelle ab. Er erblickte schließlich eine kleine Siamkatze auf dem Boden sitzen und ging in die Knie, näherte sich noch weite den Gittern. War das etwa?...

“Lian?... Bist du das?... Blöde Frage. Wer sollte das wohl sonst sein. Uhm... Ist alles in Ordnung mit dir?“
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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 23:23



Saemon veränderte sich. Hatte er noch vor wenigen Sekunden einen friedlichen Eindruck gemacht, während er schlief, so zuckten seine Augenlider jetzt unruhig und auch er selber zuckte hier und da zusammen. Ob er schlecht träumte ? Die kleine Katze trat näher an das Gitter heran und neigte ihr Köpfchen herauf, um den jungen Mann aufmerksam zu beobachten, der von Sekunde zu Sekunde unruhiger wurde. Dieses Gefühl übertrug sich auf Lian, dessen Schwanz immer wieder umherschlug. Tiere hatten eine eigene Art von Empathie und spürten Nervosität dort, wo sie noch nicht einmal vollständig ausgebildet war. Mit einem Mal sprang Saemon auf, dicht gefolgt von einem Schrei und die kleine Katze sprang, noch immer einen Zipfel der Decke im Mund, gut einen halben Meter zurück. Ihr Fell stand etwas ab, die Ohren waren unverwandt nach hinten gedreht. Er hatte sie erschreckt. Aber sie verübelte es ihm nicht. Allem Anschein nach war er von einem grässlichen Albtraum geplagt worden, der ihn sogar schlußendlich geweckt hatte. Lian hatte nie dergleichen erlebt. Entweder sie träumte garnicht oder aber, es handelte sich um Belangloses, das sie schon wenige Minuten nach ihrem Erwachen wieder vergaß.

Saemon brauchte wohl eine Weile, bis er realisierte, wo er war und wie ihm geschah. Alles in Allem schien er erleichtert darüber, so wirkte es auf Lian, was ihr aber irgendwie seltsam vorkam, schließlich konnte man nicht wirklich erfreut darüber sein, wenn man in der tiefsten Nacht grade in einer Zelle erwachte, die nicht grade luxuriös eingerichtet war. Natürlich war auch sie Schlimmeres gewohnt, wenn man an die Zeit vor Creester und seiner Crew zurückdachte. Teilweise hatte es in das Haus ihrer Familie hineingeregnet, es war bitterkalt gewesen und immer hatte es an Einrichtungsgegenständen gefehlt, sodass die Kinder größtenteils auf dem Boden schlafen mussten, nur mit einigen zerlumpten Decken bedeckt. Sie war zu dieser Zeit oft krank gewesen, was aber auch angesichts dieser bescheidenen Bedingungen nicht als verwunderlich anzusehen war.

Die Pupillen von Lians Augen formten sich zu schmalen Schlitzen, als der Kisaragi seine Öllampe erhob und das Licht gradewegs in ihre Richtung warf. Sie warfen eine rote Reflektion zurück, musste in diesem Moment sogar höchst unheimlich wirken – zumindest hatte sie dies oft selbst so empfunden, wenn sie sich in ihrer Katzengestalt in einem Spiegel betrachtet hatte. Darüber hinaus war sie aber ein recht hübsches Kätzchen, noch ein wenig zu flauschig für ihre Rasse, aber sie war nunmal noch jung.

Abermals hätte sie gegrinst, wäre es ihr möglich gewesen, als Saemon derart verwirrt auf ihr Schnurren reagierte. Hatte er etwa nie mit Katzen zu tun gehabt ? Wusste nicht jeder Mensch dieser Welt, so sehr er Tiere auch ablehnte, dass Katzen schnurrten. Der Rotschopf fuhr mit seinen Fragen fort und sah natürlich zu ihrer Pritsche, die aber leer war, wenn man von den ineinander verknoteten Decken absah, die zumindest für eine Katze das reinste Paradies waren. Eine Antwort war also überflüssig. Trotzdem fiepste sie leise und ließ die Decke auf den Boden nieder.

„Nein, die ist aus dem .. Fenster geflohen. Ich stehe hier nur so rum“,

erwiderte sie mit ruhiger Stimme und schleckte sich mit ihrer kleinen, rosa Zunge über ihr braunes Pfötchen.

„Ich dachte mir, du frierst vielleicht. Du hast mir sicher fünf Decken gegeben, soviel brauch ich aber gar nicht. Und ich.. konnte nicht schlafen. Aber zumindest habe ich dich nicht geweckt. Schlechter Traum, was?“

Sie beendete ihre wahrhaftige Katzenwäsche und sah ihn mit schiefgelegtem Kopf an.



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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Di 31 Jan 2012 - 23:58

Noch immer ungläubig sah er auf die kleine Katze hinab, welche ihn mit ihren großen und leuchtenden Augen anfunkelte. Natürlich war das Lian, wer sonst sollte sich in die Zelle geschlichen haben? Vor allem wo sollte sie denn dann sein? Die Türe war verschlossen und nur Saemon hatte einen Schlüssel. Einen Moment lang fragte er sich dennoch, ob er noch immer in einem seiner träume feststeckte. War es denn normal dass man sich mit einer Katze unterhielt und dabei... wach war? Vermutlich nicht, aber der Rotschopf sah immerhin schon dass sie Teufelskräfte besaß, welche sie sich scheinbar in eine Katze verwandeln ließ. Sie nun hier auf dem Boden in eben jener Form zu erblicken, war lediglich eine weitere Bestätigung seiner Auffassung. Nungut, dann würde er sich also mit einer Katze unterhalten, warum auch nicht? Viele Menschen sprachen mit ihren Haustieren und dichteten diesen menschliche Eigenschaften an. Der unterschied hierbei war jedoch, das Lian ursprünglich ein Mensch ist.

Saemon betrachtete die Decke und stellte die Lampe schließlich auf den Boden, richtete sich wieder auf und verließ abermals seine Zelle. Er kramte eine Weile in seiner Hosentasche herum, als dann wieder ein metallernes Klimpern ertönte. Zweifelsohne stammte dies von dem Schlüsselbund, welcher auch kurz darauf zum vorschein kam und einer der Schlüssel in das Schlüsselloch zu Lians Zelle gesteckt wurde. Saemon drehte diesen und ein Klicken ertönte, gefolgt von einem knarzen, als er die Türe öffnete. Saemon trat ein, ergriff mit der linken Hand die Decke und mit der anderen das kleine Kätzchen. So setzte er sich nun auf die Pritsche und legte Lian in den Haufen von Decken, bedeckte sie mit jener Decke, welche sie Saemon geben wollte und strich sie ein wenig glatt.

“Mach dir mal keinen Kopf. Mir ist nicht kalt und verglichen mit dem was ich die letzten Monate so hatte, ist so eine Zelle wahrer Luxus.“

Ein schiefes Lächeln legte sich über seine Lippen und unmerklich hatte er damit begonnen Lian's Nacken zu graulen. Momentan sah er sie eben als das an was sie optisch war – eine Katze. Gedankenverloren wie er gelegentlich nunmal war, behandelte er sie auch wie eine solche. Es war angenehm und wirkte ausgesprochen beruhigend, so sehr, dass er sich sichtlich mehr und mehr entspannte und schließlich sein Auge schloss. Er schlief nicht wieder ein, sondern betrachtete lediglich das innere seines Liedes.

“Ich werde aus dir nicht schlau.“

unterbrach er plötzlich die Stille.

“Als ich dich im Hafen sah, hatte ich mich gefragt was für ein Monster du sein musst um solche Freude empfinden zu können, doch jetzt weiß ich einfach nicht wie viel von diesem Menschen... in dieser Katze nun steckt. Ich bin zwar nicht davon ausgegangen dass ich dich verstehen könnte... aber ich wüsste zumindest gerne den Grund.“

Es passte ein seinen Augen einfach nicht. Dieser Mensch gegen den er gekämpft hat, war doch niemals der gleiche, welchen er hier nun neben sich liegen hatte. Dabei spielte er nicht einmal auf das Aussehen an. Sie schien eine leidenschaftliche Frau zu sein, welche stets Feuer und Flamme für das war, was sie gerade anpckte, so wirkte es zumindest. Sie war keinesfalls jenes Blutrünstige Ungetüm, für welches Saemon sie zunächst hielt, dennoch gab es diese Seite in ihr und alleine deswegen musste man weiterhin Vorsicht walten lassen.
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Lian
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 0:20


Dass er in den letzten Monaten weniger als das an Luxus hatte, wunderte sie. Was konnte noch geringer sein, als die Mittel, die ihnen hier zur Verfügung standen? Ob er ein ähnlich schwieriges Leben gehabt hatte, wie es bei ihr der Fall war? Kaum vorstellbar. Seinen eigenen Worten nach müsste er vor dem Verlust seines Auges ein glückliches Leben verbracht haben, wenn er es sich sogar hatte leisten können, auf einer Insel, die nur dem Vergnügen diente, Urlaub zu machen und aus reinem Spaß Geld zu verprassen. Dennoch fragte sie nicht nach. Ein leises, protestierendes Quietschen verließ ihre Schnauze, als er sie mit nur einer Hand am Bauch anhob und ihre Beine in der Luft hingen. Ein wenig panisch klammerte sie sich an seiner Hand fest. Lian hatte zwar keine Höhenangst, dennoch war es immer wieder eine Umstellung, wenn die Dinge so viel größer und ferner wirkten, als sie in Wirklichkeit waren. Aber trotz dieser eher unangenehmen Sachlage war sie doch ganz froh, dass er in ihre Zelle gekommen war, gleichsam aber überfiel sie das schlechte Gewissen, ihn nun um den kleinen Rest Schlaf gebracht zu haben, den er sicher bitter nötig hatte. Saemon wirkte lange nicht mehr so fit, wie zu Beginn ihres Kampfes.

Schließlich setzte er sie wieder auf der Pritsche ab und legte eine Decke über sie, unter welcher sie sich streckte. Und zu ihrer Überraschung setzte er sich auch neben sie und… streichelte sie ! Ob er selber spürte, was er tat ? Nicht, dass sie es störte. Jedes Tier und auch jeder Mensch liebte es wohl, gekrault zu werden. Entsprechend nahm ihr Schnurren zu keiner Sekunde ab und ihre Augen schlossen sich sogar auf die Hälfte, während sie sich auf die Seite fallen ließ. Allerdings ermahnte sie sich selber dazu, nur nicht einzuschlafen, denn wenn sie schlief, konnte sie ihre Verwandlung nicht aufrechterhalten. So gut beherrschte sie ihre Teufelskräfte zu ihrem Bedauern noch nicht. Aber was noch nicht war, konnte noch werden.

Ihre Ohren zuckten leicht, als Saemon zu sprechen begann und sich mehr oder minder offenbarte, was sie anbelangte. Zunächst schweigend hörte sie ihm zu und stieß einen herzzerreißendes Gähnen aus. Als Katze hatte man definitiv einen gewissen Niedlichkeitsbonus und sie nutzte diesen zumindest in diesem Moment schamlos aus. Ob Saemon peinlich berührt sein würde, wenn er wacher wurde und damit seine Umgebung wieder klarer wahrnahm ? Im Grunde streichelte oder kraulte er grade ein noch nicht einmal volljähriges Mädchen.

„Man muss nicht immer alles verstehen. Du suchst immer krampfhaft nach Antworten oder ?“,

sagte sie leise und legt ihre Köpfchen auf ihren Pfoten nieder. Dabei spürte sie nur allzu deutlich, wie schläfrig und müde sie wurde. Einschlafen war einfacher, wenn man nicht alleine war. Trotzdem war sie sich natürlich sicher, dass er früher oder später wieder rübergehen würde. Schließlich gäben sie ein komisches Bild ab, wenn spontan jemand der Mannschaft herabkommen und Saemon dabei erwischen würde, wie er ihre Feindin und Gefangene auch noch herzte und umsorgte. Aber er würde das schon machen, so dachte Lian. Und dabei wurden ihre Augen ihrer schwerer, bis sie letzlich gänzlich einschlief.. und dabei ganz ihre Kontrolle vergaß.

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Saemon



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 0:40

Saemon seufzte, mal wieder, wie schon so oft an diesem Tage und sein Auge öffnete sich wieder. Hatte sie recht? Natürlich hatte sie das und Saemon wusste das nur zu genau. Er war ein neugieriger Mensch, wollte immer möglichst alles wissen, immer alle Hintergründe kennen und diese im Idealfall auch noch verstehen. Es war eine Eigenschaft welche ihn schon sein Leben lang begleitet und vermutlich auch immer begleiten wird. Ihre Antwort schien recht eindeutig zu sein. Wie auch immer die Antworten ausfallen würden, Saemon sollte sie nicht erfahren. Vielleicht gab es aber auch einfach keine? War es wirklich so undenkbar dass man auf etwas keine Lösung fand? Nicht alles musste logisch erscheinen, so sehr er sich da auch erhoffte.

Saemon dachte einen Moment lang über ihre Worte nach, fragte sich selbst ob er weiter nachhaken soll oder es einfach gut sein lässt. Es wäre sicherlich das erste mal gewesen dass er einfach so Ruhe geben würde, vor allem so schnell. Er trug in seinem inneren einen Kampf aus, einen wirklich wilden und vermutlich endlosen. Seine Neugier beherrschte bislang so viele Situationen seines Lebens, doch erkannte er nun wieder dieses Bild des Drachens. Das letzte mal erkannte er es im Kampf gegen die Piratin, wie er versuchte sich durch die Bauchdecke hindurch an die Oberfläche zu wühlen. Wieder versuchte er die Kontrolle zu übernehmen und seinem blutrünstigem Verlangen freien Lauf zu lassen. Es war im Endeffekt das gleiche Bild wie immer und ebenso wie all die anderen male, wurde der Drache auch dieses mal besiegt und der gutherzige Saemon behielt die Kontrolle über sich selbst.

Doch die Souveränität war ausgeblieben, was besonders Lian in seinen Worten und auch teilweise Taten zu spüren bekam. Sie kannte ihn nicht und so konnte das junge Mädchen natürlich auch keine Veränderung ausmachen, doch Saemon erkannt diese und wieder einmal machte sie ihm Angst. Es war als würde ein Countdown in ihm ablaufen, welcher unaufhörlich auf den Tag zu steuerte, an dem der Drache das Ruder in die Hand nehmen würde.

Saemon war so sehr in seinen Gedanken vergraben, dass er nicht merkte wie Lian einschlief und sich dadurch die Kontrolle ihrer Frucht löste, sie also wieder ihre menschliche Gestalt annahm und nun mehr Platz auf der Pritsche einnahm. Noch immer streichelte der Rotschopf ihren Nacken, merkte zunächst nicht dass das Fell zu schwinden begann, doch spürte er die langen Haare Lian's, welche sich nun langsam über seine Hand schoben und ihn aufblicken ließen. Es schien als würde sie sich seitlich gegen ihn drücken und kurz kam ihm der Gedanke, das sie ihn vielleicht loswerden wollte, also sah er zu ihr rüber, wollte sie fragen ob er wieder rüber gehen sollte.

Ein Schreck durchfuhr seinen Leib und mit einem Satz von dem Bett herab, krachte er gegen die Gitter und schrie kurz auf. Es war weniger de Schmerz, als der Schreck, welcher ihn hierzu veranlasste, doch wich dieser schon bald unbeschreiblicher Scham. Er hielt sich die Schulter, mit welcher er gegen das Eisen stieß, doch schien ihn das nicht weiter zu kümmern. Viel mehr lag sein entsetzter Blick nun auf Lian, welche menschlich und vor allem nackt auf der Pritsche lag und schlief. Die Decke bedeckte an sich kaum noch etwas von ihr und Saemon traute sich nicht diese gänzlich über ihren Körper zu legen.
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 14:55



Lian war bereits in eine Art Tiefschlaf verfallen und bemerkte nicht einmal, dass ihr Körper langsam wieder zu dem einer Frau oder besser gesagt zu dem eines Mädchen verformt wurde. Noch immer in ihrer seitlich liegenden Position lag sie also da, nun, wie Saemon bereits festgestellt hatte, nicht mehr so stark bedeckt, wie sie es als kleine Katze gewesen war. Und vermutlich hätte sie davon nichts mitbekommen, hätte der Kisaragi nicht entsetzt aufgeschrien und über diese einen Heidenlärm veranstaltet, indem er von der Pritsche und gegen das stählerne Gitter fiel, das ein weiteres, lautes und vibrierendes Geräusch entsannte. Lians Schlaf blieb also nicht von langer Dauer und sie zuckte zusammen, sprang auf alle Viere und sah sich gehetzt in ihrer Zelle um. Recht schnell fiel der Blick ihrer eisigen Augen mit den winzigen Pupillen auf Saemon, der sie mit hochrotem Kopf anstarrte, während er sich die Schulter hielt. Schweigend sah sie ihn an und wartete einen Moment, bis sie klarer wurde. Die ganze Situation sah ganz danach aus, als wäre Saemon ebenfalls eingeschlafen und von der Pritsche gegen die Gitterstäbe gefallen. Ob er wieder schlecht geträumt hatte ? Die Piratin zog die Augenbrauen zusammen, machte einen Buckel, als befinde sie sich immer noch in ihrer Tierform und ließ sich letzlich wieder auf der Decke nieder.

„Wieder schlecht geträumt.. ?“,

fragte sie verschlafen und gähnte, gefolgt von einem Strecken ihrer Arme. Offenbar hatte sie die Situation noch immer nicht ganz verstanden. Was sie betraf, so war sie noch immer ein kleines, schnuckeliges Siamkätzchen, das sich hier räkelte und beinahe wieder eindöste. Tatsächlich schlossen sich die unheimlichen Augen wieder auf die Hälfte. Gleichzeitig aber konnte sie sich nicht erklären, warum der Rotschopf sie ansah, als hätte er den Teufel persönlich getroffen. Irritiert zog sie die Augenbrauen zusammen.

„Kam ich etwa in dem Albtraum vor ?“

Fragte sie und schmunzelte leicht. Eine aberwitzige Vorstellung, sie, als Quälgeist in seinen Träumen. Aber eigentlich rechnete sie nicht damit, dass das stimmen könnte. Ein seltsamer Kerl, dieser Saemon. Wer hatte schon gleich zweimal in einer Nacht einen Albtraum ? Umso bemerkenswerter erschien es ihr dann aber, dass er augenscheinlich bei ihr geblieben war und die Nacht bei ihr verbracht hätte, wären gewisse Umstände nicht eingetroffen. Dachte sie.

Dann fiel ihr auf, dass sie selber plötzlich weniger Platz auf ihrer Pritsche zu haben schien und richtete sich ein wenig in eine sitzende Position auf.

„Was ist denn.. ooooh..“,

Erschrocken schlug sie sich die Hände vor den Mund, griff dann aber wie vom Blitz getroffen nach einer der Decken und hielt sie sich schützend vor den blassen, mit Blessuren überzogenen, aber durchaus weiblichen Körper. Auch ihr Gesicht nahm jetzt eine rosa Färbung an und sie sah Saemon mit demselben Blick an, mit welchem auch er sie musterte. Eine peinliche Stille entstand zwischen den Beiden. Erst nach und nach beruhigte Lian sich ein wenig und lächelte schließlich verlegen, den Blick zu Boden gesenkt und rollte sich so auf der Pritsche zusammen, dass sie die Decke bis unter ihre Augen ziehen konnte. Als sie nun sprach, klang ihre Stimme also etwas gedämpfter.

„Stell dich nicht so an, du hast sicher nicht zum ersten Mal eine nackte Frau gesehen. Oder warst du erschüttert wegen der Blessuren ? Hast du toll gemacht. Besonders die hier.“

Dabei schob sie die Decke an ihrer Hüfte etwas beiseite, sodass er auf einen riesigen, violett-blauen Fleck sehen konnte, der sich bis zu ihren Nieren hinzog.



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 15:33

Wie es eigentlich zu erwarten war, erwachte sie von dem Lärm und saß nun einen Moment lang aufrecht vor Saemon, welcher daraufhin seinen Blick noch weiter zur Seite wandte. Was hatte sie nur vor? Tat sie das mit Absicht? Nutzte sie seine extreme Verlegenheit etwa zu ihren Gunsten aus? Doch was wollte sie damit nur erreichen? Saemon wusste nicht was er sagen konnte, wollte er doch nicht unhöflich oder wie ein Lüstling wirken. Mit dem Finger auf ein nacktes Mädchen zu zeigen wäre wohl auch alles andere als Gentlemenlike gewesen, was sollte er also tun.

Er schluckte den Klos in seinem Hals herunter und sah sie wieder an, versuchte sich zu beruhigen und tatsächlich wirkte er nun ein wenig gefasster. Er gab keine Antwort, sondern schüttelte mit dem Kopf, sodass Lian wusste dass es sich nicht um einen Albtraum handelte. Denn auch wenn er sich schämte, so war dieser Anblick dennoch äußerst ansprechend. Er zwang sich zu einer ruhigen und geregelten Atmung, schloss einen Moment seine Augen und wollte gerade etwas sagen, als ihr dann doch noch selbst auffiel was Sache war.

So schnell konnte man gar nicht schauen, da war der Leib Lian’s mit der braun gefärbten Decke bedeckt und lediglich die Augen blitzten noch hervor. Nach einer kurzen Pause war es diesmal Lian, welche das Schweigen durchbrach. An sich lag es nicht an den Blessuren dass er sich so benahm, sondern wahrlich an der Tatsache dass er noch nie eine nackte Frau gesehen hatte. Für Saemon gab es immer nur die Arbeit und an das Geschehene vor Danjo konnte der Rotschopf sich ohnehin kaum erinnern. Somit betrachtete er sie mit gemischten Gefühlen. Zum einen natürlich voller Scham, da es nicht alltäglich war das man ein fremdes Mädchen nackt vor sich auf einer Pritsche liegen sah, zum anderen natürlich auch mit Neugier bestückt.

Bei dem Anblick der Verletzung an ihrer Hüfte senkte sich sein Kopf wieder ein Stück und er rieb sich verlegen den Hinterkopf.

“Nun doch, das ist das erste mal. Ich hatte noch nie viel mit Frauen zu tun. Frauen haben das Klima in der Küche nie lange genug ausgehalten, um wirklich eine Bindung zu diesen aufbauen zu können.“

Eine kurze Pause folgte, in welcher er Wortlos den violett-blauen Fleck betrachtete. Der Schmerz in seiner Schulter war längst wieder verflogen und so näherte Saemon sich wieder der jungen Dame, ließ sich abermals auf der Pritsche nieder, hielt diesmal allerdings ein wenig Abstand.

“Es tut mir Leid dass es dich so schlimm erwischt hat. Ich dachte nicht… Also ich meine…. Hätte ich…. Mh… Tut mir Leid.“

Ihm fielen einfach keine passenden Worte ein, doch wollte er ihr auch keine leere Entschuldigung an den Kopf werfen, mit welcher sie ohnehin nichts anfangen konnte. Saemon lauschte seinen Gedanken, in der Hoffnung sie würden ihm einen Ausweg aus der Situation zeigen, doch waren diese ebenso ratlos wie der Rotschopf selbst – Was wohl der Drache dazu sagen würde?

“Soll ich dir etwas bringen? Irgendwas gegen die Schmerzen oder dergleichen?... Eine Salbe?...“

Er war so eine Niete was die Medizin anging. Saemon würde vermutlich sogar ein Zäpfchen gegen offene Wunden nehmen, wenn man ihm dies ans Herz legte.

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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 15:53



Mit Verwunderung musste Lian von Saemon hören, dass er, trotz, dass er bereits ein stolzes Alter erreicht hatte, wie sie fand, noch nie eine nackte Frau vor Gesicht bekommen hatte. Trotzdem verwunderte sie dies etwas. War es nicht.. seltsam ? Viele Männer in seinem Alter hatten schon tausende nackte Frauen gesehen und sich diesen auch durchaus mehr genähert. Saemon schien Abstand von solcherlei Dingen zu halten, woran die Piratin sich aber nicht störte. Auch ihre Erfahrungen mit Männern hielten sich in Grenzen, hatte sie diese bislang doch nie wirklich als Angehörige des anderen Geschlechtes betrachtet, die mehr sein konnten, als ein Vater oder Bruder. Dem Kisaragi schien die ganze Situation unangenehm zu sein und unweigerlich musste Lian lachen, als er sich, steif wie ein Brett, in größerer Distanz als zuvor neben sie auf die Pritsche setzte und erklärte, weswegen Beziehungen zu Frauen bislang nicht zustande gekommen waren. Irgendwie wirkte er nervös auf sie. Und das verstand sie nicht ganz. Hätte jemand nervös sein müssen, so war das in ihren Augen sie, schließlich war es nicht Saemon gewesen, der da nackt vor ihr rumgetanzt war. Gut, auch sein Oberkörper war entblößt, da er seinen Pullover als Kissen missbraucht hatte, aber das war kaum vergleichbar.

„Na, dann sei doch froh. Wurde auch Zeit, schließlich bist du alt“,

erwiderte sie entsprechend gelassen, drehte sich auf den Rücken und verschränkte die Arme hinter ihrem Kopf. Es war nicht einmal nötig, sich gänzlich zuzudecken, denn ihre langen, dunkelblonden Haare taten ihr Übriges und bedeckten ihren Oberkörper, sodass nur hier und da ein Stückchen Haut hervorlugte, nicht aber Stellen, die man unter normalen Umständen bedeckte. Ruhig betrachtete sie Saemon. Ihr Einwand mit dem blauen Fleck schien ihm ein schlechtes Gewissen zu bereiten, auch, wenn das Mädchen nicht sicher war, ob er sich da nicht nur hereinsteigerte, schließlich war es seine Pflicht gewesen, die Piraten aufzuhalten, zumindest, wenn man dem Glauben schenken wollte, was er noch während des Kampfes von sich gegeben hatte.

„Ich habe keine Schmerzen, mach dir keine Sorgen“,

versicherte sie ihm.

„Außerdem ist es besser, keine Salben bei der Behandlung von Blessuren anzuwenden, das stört nur den körpereigenen Heilungsprozess. Bei offenen Wunden sieht das natürlich anders aus, da Bakterien in die Blutbahn geraten können, aber da es sich nur um ein paar geplatzte Adern handelt, muss man nur ein wenig Geduld zeigen und wird sehen, dass die Färbung und auch der Druckschmerz schon morgen abklingen werden.“

Dann hielt sie kurz inne.

„Du hast nicht besonders viel Erfahrung mit dem Behandeln von Verletzungen, was ? Und wenn auch Frauen nicht zu deinem Spezialgebiet gehören.. Bedeutet das zwangsläufig, dass du dich nur aufs Kochen verstehst und mehr Interesse an.. Männern hast ?“

Fragend blinzelte Lian den jungen Mann an. Es war nicht ihre Absicht, ihn zu beleidigen oder dergleichen mehr. Homosexualität sah zumindest sie als etwas völlig Normales an. Sogar an Bord ihrer Crew hatte es gleich zwei schwule Pärchen gegeben und diese waren nett und hilfsbereit gewesen, kein wenig weibisch, wie viele behaupten und vermuten würden. Um ehrlich zu sein, sah man es ihnen optisch gar nicht erst an. Und auch Saemon machte keinen weibischen Eindruck. Lian betrachtete ihn jetzt genauer. Wenn sie ehrlich war, so musste sie zugeben, dass er ziemlich gut aussah. Besonders das rote, auffallende und etwas zerzauste Haar verlieh ihm einen wilden und störrischen Eindruck. Ein interessantes Merkmal. Und auch sein fehlendes Auge empfand sie nicht als Schönheitsfehler. Augenklappen waren in ihrer Welt nichts seltenes und sie selbst trug immerhin auch dann und wann eine, wenn auch nur aus ästhetischen Gründen.

„Du siehst hübsch aus“,

stellte sie mit Trockenheit und ernster Miene fest. Er konnte also sicher sein, dass sie ihn weder verspottete, noch anlog.



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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 16:14

Saemon empfand sich selbst eigentlich nie wirklich als alt, doch wenn man es in solche einer Deutlichkeit und zudem auch noch mehrfach gesagt bekam, so würden sich wohl auch in dem überzeugtestem Menschen ein paar Zweifel breit machen. War er wirklich schon so alt wie sie sagte? Ungläubig besah er seine Hände und stellte zu seiner Zufriedenheit fest, dass diese nicht die Hände eines alten Mannes waren. Sie waren jung, kräftig und zudem noch geschickt. Sicherlich keine Eigenschaften die man einem alten Mann zusprach.

Es irritierte ihn schon sehr, dass er sich einen solchen Kopf um das machte, was Lian ihm an eben jenen warf. Er konnte immer gut mit Kritik umgehen, nahm sich diese zu Herzen, fühlte sich aber nie schlecht deswegen. Der Kisaragi strotzte bislang immer so vor Selbstbewusstsein und ließ in keiner Situation zu, dass man ihn überrumpeln würde. Er war noch nie in der Lage gewesen, in welcher er sich jetzt gerade befand. Saemon fühlte sich wie ein hilfloses Kind, welches hin und her geschubst wurde und zu ängstlich war um sich zu wehren.

Sein Kopf begann ein wenig zu pochen als sie anfing über die Wundversorgung zu sprechen. Das war ein Thema, mit welchem Saemon nichts anfangen konnte. Er interessierte sich noch nie für die Medizin und auch wenn er wusste wie er kleine Schnitt oder Brandwunden versorgen musste, so würde er dies nur in absoluten Ausnahmefällen tun. Es war ja ok dass die junge McNair wusste wann man Salben an zu wenden hatte und wann besser nicht, doch stieß sie mit dieser Belehrung auf wenig Interesse, wie sie sicherlich dann auch selbst bemerkte. Saemon nickte ihr zu.

“Nein hab ich nicht. Wenn mir etwas passiert ist, haben sich die anderen darum gekümmert oder ich bin zum Arzt gegangen. Meistens war es sowieso nur nötig dass man ein Pflaster oder so drauf klebt. Also nichts wildes. Es musste nur dafür gesorgt werden dass kein Blut oder dergleichen in das Essen der Gäste kam, der Rest spielte keine Rolle.“

Nach ihrem letzten Satz zuckte er leicht in sich zusammen und seufzte vor sich hin, schüttelte weiterhin verlegen den Kopf.

“Also ja, an sich bin ich nur hinter dem Herd wirklich zu gebrauchen, oder viel mehr allgemein im Haushalt. Die Arbeitskleidung der Kellner und Köche wurde bei uns im Restaurant gewaschen und da ich dort wohnte, durfte ich das erledigen. Sauberkeit war natürlich ein großes Thema und als jüngster unter vielen Männern, blieb die Drecksarbeit meistens an mir hängen. Das wars allerdings auch schon und nein, es ist nicht so als würde ich ‚mehr‘ Interesse an Männern haben. Die Sitten bei uns waren rau und es wurde viel rumgeschrien. Es gab zwar Frauen die bei uns lernen wollten, doch kamen sie einfach nicht mit einer Küche voller Männer zu Recht.“

Auch wenn Saemon noch keine Beziehung oder dergleichen hatte, war er sich dennoch sicher dass er eben nicht Homosexuell war. Sein Interesse galt in erster Linie seinem Beruf, da dieser ihm ein Ziel und einen Sinn in seinem Leben gab. Er fürchtete sich nicht vor Frauen, war diesen gegenüber stets höflich und auch zuvorkommend, unterhielt sich mit ihnen, doch war dies stets nur Oberflächlich. Er verspürte nie den Drang sich eine Frau zu suchen, wodurch sich das einfach nicht ergeben hatte.

“Ich war einfach bislang stets auf andere Dinge fixiert… Und danke.“

Erwiderte er lächelnd, verneigte seinen Oberkörper dabei ein wenig, um so eine dankende Pose an zu nehmen.
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BeitragThema: Re: Arrestzellen   Mi 1 Feb 2012 - 17:54



„Auf andere Dinge fixiert.. Wie schade“,

hauchte sie nachdenklich auf seine Worte hin und ließ den Blick ihrer Augen über die Zellendecke gleiten. Das Ganze wirkte eigentlich, wie ein gigantischer Käfig, in welchen man eher Tiere einsperrte, als Menschen. Lian fühlte sich müde, unsagbar müde.

„Und bist du gar nicht neugierig ?“,

erkundigte sie sich schließlich und sah Saemon jetzt direkt an, um auch ja keine seiner Reaktionen zu verpassen. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass er nicht wenigstens einmal in seinem Leben verliebt gewesen war und damit meinte sie nicht etwa irgendein Gericht, das er oder ein anderer, talentierter Koch zubereitet hatte, sondern eine Frau. Eigentlich hatte Lian gedacht, dass diese Geschöpfe für Männer unabdingbar, das Interessanteste überhaupt waren. Zumindest in ihrer Crew wurde dauernd über Frauen gesprochen. Frauen, mit denen man mal etwas gehabt hatte, Frauen, mit denen man gerne etwas hätte, Frauen, die man kürzlich gesehen oder gar kennengelernt hatte und auch Frauen, die einem zuwider waren und über welche weniger gut gesprochen wurde. Aber auch, wenn sie ihnen nicht attraktiv und bejahenswert erschienen – sie sprachen über sie. Wie konnte Saemon da anders sein ? Die Piratin grübelte darüber nach, ob der Rotschopf eventuell bereits Enttäuschungen von weiblichen Personen erlebt hatte und sich deswegen so krampfhaft auf andere Vorlieben und Interessen konzentrierte. War er etwa a-sexuell ? Menschen, die dies waren, so hieß es, verspürten überhaupt keine sexuelle Anziehung gegenüber Frauen oder Männer.

Das Mädchen rümpfte die Nase. Für den Moment kam ihr ein verwirrendes Bild in den Sinn, Saemon, wie er mit warmen Blick, der nur so vor Liebe triefte, einen Suppentopf umarmte und diesen leidenschaftlich küsste. Kaum merklich schüttelte sie den Kopf. Soweit war es mit ihm dann doch nicht. Hoffte sie zumindest. Aber man konnte ja nie wissen.

Unter einem leisen Ächzen richtete sie sich auf, die Decke wieder an ihren Oberkörper gedrückt und krabbelte über die harte Pritsche zu ihm herüber. Wahrscheinlich hatte sie sich bereits die Knie an ihr aufgescheuert, zumindest empfand sie ein Brennen und Stechen in diesen. Als sie bei ihm angekommen war, setzte sie sich mehr oder minder hinter ihn und befreite eine ihrer Hände und umschloss mit dieser eine rote Strähne Saemons. Ob das seine Naturhaarfarbe war ? Denkbar. Es konnte allerdings genauso gut möglich sein, dass er sie färbte. Viele taten das. Sie selber allerdings nicht. Lian war zwar nicht besonders angetan von ihrem sogenannten Straßenköterblond, aber Färben kam für sie überhaupt nicht in Frage.

„Irgendwann wirst du als alter, einsamer Mann sterben, der nur ein einziges Mal ein kleines Mädchen nackt gesehen und das sogar ungewollt und nur zufällig“

Tadelte sie ihn beinahe mit leiser Stimme und begann, die kleine Strähne, die sie ergriffen hatte, zu flechten. Sicher, ich Worte waren an und für sich nicht grade nett gewählt und wenn man wollte, so konnte man sie durchaus als beleidigend empfinden. Dennoch war das natürlich nicht Lians Absicht. Aber analysierend aus Saemons Verhalten zog sie einfach diesen Schluß. Er machte ja nicht den Eindruck, als habe er Interesse daran, seine Liebe zum Kochen gegen die einer Frau zu tauschen.

Irgendwie konnte sie es ihm nicht verübeln. Wahrscheinlich waren die wenigstens Frauen es wert, dass man ihnen mehr Bedeutung und Aufmerksamkeit zukommen ließ, als sie es letztendlich verdienten. Und Saemon schien ein guter Kerl zu sein, so unterm Strich. Er hatte sicher Besseres verdient, als eine der zahlreichen Frauen, die sie bis dato kennengelernt und fast schon wieder vergessen hatte, weil sie weder besonders markante Wesenszüge hatten, noch einfach voneinander zu unterscheiden waren.

Ob er es hier noch welche an Bord gab ? Lian erinnerte sich daran, dass Saemon davon gesprochen hatte, dass man nur Männer vorfinden würde. Also doch schwul ! Vielleicht gestand er es sich auch noch nicht ein. Die wenigsten taten das immerhin, empfanden es als Sünde oder als Peinlichkeit als solche. Lian fand, es war nichts, wofür man sich schämen musste.

Als er aber erklärte, dass er nun einmal der Jüngste in einer Bande aus Kerlen gewesen und gezwungen war, die ganze Arbeit zu übernehmen, die niemand sonst auf sich nehmen wollte, musste sie grinsen. Sie kannte keinen Mann, der ohne Murren Aufgaben erledigte, die im Volksmund auch ‚Weiberkram‘ genannt worden. Das war diskriminierend, so fand sie. Denn Lian selber hätte sich vermutlich nie dazu herabgelassen, derartige Tätigkeiten zu übernehmen. Zum einen konnte sie weder kochen, noch saubermachen und zum anderen lagen ihre Stärken im Kampf, im professionellen Stehlen, im Dinge in die Luft jagen und vor allem im ärztlichen Wissen und der ärztlichen Versorgung, mit der wiederrum Saemon nicht grade viel anzufangen wusste.

„Ich verstehe, wenn Medizin nicht grade dein Interesse weckt. Aber einige grundlegende Dinge solltest du dir schon aneignen. Wer weiß, vielleicht hättest du damit sogar dein Auge retten können. Minimale Handlungen können oft vieles bewirken.“

Sie sprach jetzt recht leise, befand sie sich doch immerhin hinter ihm und so bestand für sie kein Grund, lauter zu sprechen, als nötig. Ihre Stimme glich also eher einem Flüstern, obwohl ihnen sicher niemand zuhörte. Zumindest bezweifelte sie, dass die restlichen Männer an Bord vor der Türe standen und ihre Ohren gegen jene drückten, um mitzubekommen, was Saemon da mit der Gefangenen anstellte, die er so unbedingt hatte selber beaufsichtigen wollen. Ob das wohl niemandem seltsam vorkam ? Lian schmunzelte. Wahrscheinlich dachten sie, er würde sie foltern oder für andere Gelüste missbrauchen, sie einfach für seine eigenen Zwecke benutzen und denkbar schlecht behandeln. Jedenfalls konnte sie sich vorstellen, dass man anderes nicht einmal akzeptieren würde. Mit Unbehagen stellte sie fest, dass ihr Magen sich beinahe unbemerkt zusammenkrampfte, als sie an das bevorstehende Gespräch des Kisaragis mit dem Kapitän des Schiffes dachte. Die Dinge, die sie erbeten hatte, würden nicht leicht durchzubringen sein und irgendwie war es auch nicht in ihrem Sinne, dass die Mannschaft ihn für verrückt erklärte oder ihn für Verrat ebenfalls einsperrte. Das einzig Gute daran wäre, dass sie dann keine Nacht mehr alleine hier unten verbringen musste, dennoch wollte sie nicht, dass er litt, nur weil sie den Hals nicht vollbekam.

Wobei man natürlich sagen musste, dass Lian nur ein paar grundlegende Bedürfnisse hatte stillen wollen. Jeder Mensch fühlte sich wohl besser, wenn er nicht in einen Eimer pinkeln musste, der bestenfalls einmal in der Woche gelehrt wurde, geschweige denn vom Duschen selber abgesehen. Sicher, viele Piraten und auch andere Menschen gaben nicht viel auf ihre Hygiene, auf ihr Aussehen und dergleichen mehr. Aber Lian war ein Mädchen und hielt sehr viel von Hygiene. Schlechte Gerüche hasste sie, nicht zuletzt, weil sie ein gesteigertes Riechempfinden besaß, vor allem, wenn sie in ihrer Katzenform war. Und ein Raum, den man nicht verlassen durfte, so ganz ohne Fenster, konnte schon nach einem Tag sehr unangenehm riechen. Ein Eimer voller Urin wäre also ein Graus gewesen.

Als Saemon sagte, er habe bereits mit Frauen zusammengearbeitet, welche aber mit dem rauen Umgang in der Küche nicht zurechtgekommen sein, musste sie belustigt auflachen. Sie hasste es, wenn Frauen die reinsten Weicheier waren und grade zu präsentabel für das ‚schwache‘ Geschlecht einstanden. Besonders unter Männer würde Lian sich niemals unterbuttern lassen, besaß sie doch ein großes und loses Mundwerk sowie genug Überzeugungskraft und andere Fähigkeiten, die ihr Bestes dazu beitrugen, damit sie möglichst ihren Willen bekam und auch andere überzeugen konnte, sie mit anderen Augen zu sehen. Das schlechte Geschlecht war nur dieses, welches sich auch entsprechend behandeln ließ. Sie verstand einfach nicht, wie man als Mann Interesse an so etwas hilflosem, schwachem haben konnte.



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COEUR DE PIRATES.
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