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Impel Showdown

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Lisann
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Impel Showdown _
BeitragThema: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 16:08

Teilnehmer: Takeuchi Sora und Lisann
Ort: Whiskey Peak, Meer, Impel Down
Datum: 1. März 1527
Beschreibung: Lisann ist immer noch dabei, sich von ihrer Auseinandersetzung mit Ishikawa zu erholen, als sie den Auftrag erhält, Keith Samson fest zu nehmen, der offenbar Impel Down infiltriert hat. Eine Aufgabe, der sie natürlich nachgehen möchte - jedoch in ihrer Verfassung wohl nicht wirklich tun sollte. Zum Glück hat sich ja vorher Takeuchi Sora eingefunden, der von ihrem Zustand erfahren hat. Ob der das für eine gute Idee hält?

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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 16:14



1. März 1527

Der Boden unter ihren Füßen war uneben. Das musste er sein, konnte sich Lisann kaum auf den Beinen halten. Dass sie zu schwach und angeschlagen war, um überhaupt zu stehen, wollte sie sich nicht eingestehen, dabei war ihr anzusehen, wie schlecht es ihr ging.
Eine verbundene Platzwunde am Kopf, eine gebückte Haltung, da sie zwei gebrochene Rippen und einen Milzriss hatte. Würde man ihr das Shirt ausziehen, sähe man die vielen Hämatome auf ihrer Haut, die über ihren gesamten Körper verteilt waren. Ishikawa hatte ganze Arbeit geleistet, um sie zuzurichten und dabei nur ihr Gesicht abgesehen von der Platzwunde in Ruhe gelassen. Doch die blasse Haut und die fahlen Lippen sprachen für sich. Lisann sah erbärmlich aus. Hilflos. Gebrochen.
Dass sie noch lebte, hatte sie nur einem Mann zu verdanken. Einem einzigen Mann, den sie niemals in ihrem Leben danken wollen würde. Black. Der Mörder ihrer Familie. Er hatte sie gepflegt, bis ihr Zustand einigermaßen stabil war. Zumindest so stabil, dass sie sich nicht ungewollt selbst umbrachte.
Und dann war er verschwunden. Seit gestern war er weg. Fast zwei Wochen hatte er auf sie Acht gegeben und nun war er einfach weg.
Bevor sie gesund genug war, Rache zu nehmen. Bevor sie ihn töten konnte.
Doch näher käme sie niemals an ihn. Sie musste es nutzen, eine handfeste Spur zu haben. Sie musste herausfinden, wo er war. Musste ihn finden. Zumindest erfahren, wie er Whiskey Peak verlassen hatte. Vielleicht schnappte sie ja seinen Namen auf. Eine Information über seine Vergangenheit, die ihm irgendwo herausgerutscht war. Irgendetwas. Sie musste irgendetwas finden. Sich an ihn klammern. Etwas anderes hielt sie gerade nicht bei Verstand.
Sie hatte seit Tagen ihr Hotelzimmer nicht verlassen. Noch immer befand sie sich in diesem verfluchten, hellen und vor allem teuer eingerichteten Raum und stand vor dem Himmelbett, in dem sie geschlafen hatte. Klammerte sich an einer der Säulen fest, die ein rosa Tuch trugen, nur um nicht zu fallen. Heftig atmend versuchte sie, bei Verstand zu bleiben. Ihr war klar, dass sie noch weiter im Bett bleiben müsste, aber ihr Ziel war zu wichtig. Sie musste Black finden. Irgendetwas von ihm. Seit Jahren ging es um nichts anderes in ihrem Leben und nur weil ihr Körper aufgab, würde sie es nicht tun.
Ihr Blick ging zu der Fensterbank, auf der er immer gesessen hatte. Es waren nur zehn Schritte bis dort. Zehn Schritte, die sie machen müsste, um hinauszuschauen. Hatte er etwas besonderes betrachtet? Irgendein Ziel vor Augen gehabt?
Sie stieß sich von dem Pfeiler ab und stolperte voran. Nahm die ersten drei Schritte taumelnd, ehe sie heftig beim vierten auftrat.
Eine Welle des Schmerzes ging durch ihren Brustkorb und Lisann stieß einen Schrei aus, der sie auf den Beinen hielt. Sie den fünften und den sechsten Schritt nehmen ließ. Ihre Rippen erzitterten unter den Bewegungen und sie verfluchte ihre sture Entscheidung.
Die letzten drei Schritte taumelte sie wieder, nur um bei dem vierten und wirklich abschließenden das Gleichgewicht zu verlieren. Sie fiel nach vorne und klammerte sich an dem Fensterbrett fest, um nicht auf den roten Teppich zu fallen.
Hektisch zog sie alle Luft ein, die ihre Lungen aufnehmen wollten, nur um wieder schmerzlich zu zischen und ihre Rippen zu spüren. Sie sah an sich herab, konnte aber der schwarzen Kleidung wegen wenig sehen. Eine lockere Hose und das Shirt, welches sogar ihre Arme bedeckte. Ihr war nur die Platzwunde anzusehen. Mehr nicht.
Mit sich im schnellen Rhythmus heben und senkenden Brustkorb zog sie sich gänzlich wieder auf die Beine und starrte aus dem Fenster. Von hier aus konnte sie den Hafen sehen, an dem einige Schiffe lagen. Darunter sogar welche der Marine, die sie oft hier sah. Das hier war immerhin Whiskey Peak und die Zeiten waren andere als noch vor einigen Jahren. Kopfgeldjäger und Marine waren zwar keine Freunde, aber es war die Marine, die am Ende das Geld für gesuchte Piraten ausgab. Man musste also miteinander zu tun haben.
Die Straße war voll, war es etwa Mittag und der Himmel klar. Ein schöner Tag. Lisann suchte die Gassen ab. Haustüren, Geschäfte und ein Markt. Nichts, was verdächtig aussah. Nichts, was darauf hinwies, was Black von hier immer betrachtet hatte. Oder hatte er nach Feinden gesucht?
Die Kraft in ihren Armen stieß an ihr Limit. Lisann nutzte ihre letzten Reserven und drehte sich, um an der Wand herab zu rutschen und unter dem Fensterbrett erschöpft und auf die Atmung konzentriert an der tapezierten Mauer zu lehnen. Sie schloss ihre Augen und strich sich über die glühende Stirn. Fieber. Immer noch. Oder schon wieder? Sie hatte den Überblick verloren.
Vielleicht musste sie sich etwas ausruhen, bevor sie ihre Reise fortsetzte. Eine oder zwei Stunden, dann kam sie wieder auf die Beine und konnte hinaus gehen. Sie musste die nächsten Spuren finden. Welches Schiff hatte er genommen? Mit wem hatte er gesprochen? Sie musste jeden Menschen finden, der hier mit Black zu tun gehabt hatte.
Jeden.
@Takeuchi Sora


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Takeuchi Sora
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 18:07

Drei Tage. Drei lange, quälend lange Tage. Tage in denen Sora nichts anderes tun konnte, als Vorbereitungen zu treffen. Worauf genau, das wusste er nicht. Rechnen würde der Soldat allerdings mit dem Schlimmsten.
Nachdem ihn die Nachricht eines Fremden erreicht hatte, Lisann sei schwer verletzt auf Whiskey Peak, zögerte er nicht eine Sekunde, um Vorkehrungen für seine Reise zu treffen. Glücklicher Weise, mochte man sagen, stimmte seine Liebste frei von Bedenken sogleich zu - sie musste innerhalb Loguetowns die Stellung halten. War er selbst nicht vor Ort, musste zumindest eine Person, von deren Kompetenzen er höchstpersönlich überzeugt war, über die Stadt wachen.
Außerdem gab es da noch einen Grund, aus dem der Konteradmiral diese Reise nach Whisey Peak allein vornahm. Man kannte seinen Namen. Wer auch immer dieser 'Black' genau war, besaß Mittel und Wege, ihn direkt zu erreichen. In gewissem Maße wusste er darüber hinaus auch davon, wie Lisann und er zueinander standen.
Obwohl die Begründung glaubwürdig genug war - immerhin bestand keine Chance, dass sich die Mirosa die Blöße geben würde, nach fremder Hilfe zu bitten - war es längst nicht ausreichend, um sämtliches Misstrauen aus den Überlegungen des jungen Mannes zu streichen. Er wollte auf Nummer sicher gehen. Vorbereitet sein. Nicht nur für eine womöglich schwer verletzte Lisann, sondern auch eine Falle.
Unabhängig dessen, wie Marine und Gilde miteinander arbeiteten, Hand in Hand nach Verbrechern suchten, sie stellen, auslieferten, umbrachten und gegenseitig Profit aus den Gräueltaten humanoiden Abschaums zogen, sah längst nicht alles so rosig aus, wie es auf den ersten Blick schien. Ausreichend viele Kopfgeldjägern zogen es vor, sich nicht unter dem Banner der Gilde zu vereinen; sie schlugen Angebote und Vorteile aus, um möglichst nach eigenen Regeln zu agieren. Dies bedeutete unter anderem, nicht länger auf drei Geldquellen limitiert zu sein.
Mitglieder der Revolutionsarmee, Freibeuter und Piraten, nicht zuletzt aber auch Gauner die unter keiner klar definierbaren Flagge ihr Unwesen trieben. Sie wurden von der Gilde gejagt, eingesammelt und abgegeben. Dafür erhielten sie ihren Lohn.
Frei arbeitende Kopfgeldjäger besaßen diese Einschränkungen nicht. War ihnen selbst - oder einer zahlungskräftigen Person - jemand ein Dorn im Auge, konnten sie danach agieren. Und auch wenn Sora sich nicht einbildete, jemandem bis zu diesem Zeitpunkt nennenswert negativ aufgefallen zu sein, bestand immer dieses subtile Misstrauen in andere Menschen. Irgendwo gab es unter absoluter Sicherheit diesen einen Mann, diese eine Frau. Irgendjemand, dem seine Taten zu positiv, seine Beförderungen zu rapide, keine sozialen Kontakte zu perfekt erschienen.
Nur ging es hier nicht um ihn, sondern unter Umständen tatsächlich um Lisann. Und jemanden, der sie ausreichend zugerichtet hatte, dass es Außenstehende dazu bewegte, mit ihm in direkten Kontakt zu treten.
Als unter schepperndem Poltern die hölzerne Planke zu Boden gelassen wurde, verschwendete der Konteradmiral keine Sekunde. Gekleidet in einen schwarzen Kapuzenumhang wurde auch der letzte Zentimeter seiner darunter liegenden Kleidung verdeckt. Gerade auf einer Insel wie Whiskey Peak, die durch den Austausch von Informationen, dem Handeln von Kopfgeldern und alles umfassender Diskretion am Leben gehalten wurde, keine nennenswert auffällige Tarnung. Vermutlich wäre er nicht einmal mit seiner Maske aus der Masse heraus gestochen ..
Starr und mit eindeutigem Ziel vor Augen durchschritt Sora die Straßen Whiskey Peaks. Entgegen seiner üblichen Faszination mit neuen Orten, neuen Menschen, fremden Kulturen und Gütern, wurden sämtliche dieser Aspekte vollständig ausgeblendet. Alles was er wusste, war der Umstand, nach der Gilde suchen zu müssen. Genauere Beschreibungen einer Unterkunft hatte man ihm nicht mit auf den Weg gegeben. Lediglich die Tatsache, Lisann sei in Obhut der Gilde.
Noch einmal wurde das knapp bemessene Schriftstück zwischen seinen Fingern aufgefaltet. Nichts. Lisann. Verletzungen. Pflege. Gilde. Black. Unzufrieden zischend biss sich der Schwarzhaarige auf die Unterlippe, stoppte seine Schritte und ließ den Blick zum ersten Mal wirklich frei umher wandern. Abgerundete Strukturen aus Stein bildeten die meisten Häuser. Zweckmäßig. Lieblos. Eingangstüren aus klapprigem Holz, Außentreppen aus demselben Material.
Whiskey Peak wirkte exakt so, wie man sich die Stadt vorstellte. Erbaut als gigantischer Unterschlupf. Eine Fassade für die herkömmliche Bevölkerung, zwischen Kopfgeldjägern und denen, die es vorgaben zu sein. Während Sora in gewisser Hinsicht Erleichterung verspürte, sich unter Menschen mit ähnlicher Mentalität wie der seinen zu befinden, zeigten sich jedoch auch gleich die Nachteile - Informationen erhielten man nur mit den richtigen Kontakten, Glück oder viel, viel Geld.
Hilfreich war an diesem Punkt lediglich der Umstand, dass sich das Gerücht wie ein Lauffeuer verbreitet hatte, Lisann Mirosa sei von einem gesuchten Piraten, Ishikawa Yoshitsune, auf übelste Weise zugerichtet worden. Es dauerte nicht lange, bis Sora genau wusste, wer hinter dieser Aktion steckte und wo sich die Leidtragende genau befand. Informationen die wie glühendes Eisen direkt in seinen Kopf gehämmert wurden. So leicht wie sie ihm in den Schoß gefallen waren, so schwer ruhten sie nun auf dem Gewissen des Konteradmirals.
Dieser Black hatte ihm die Wahrheit zukommen lassen. Lisann war verletzt.
Unruhe wirbelte in seiner Magengegend. Sein Herz schlug schneller. Alle waren sich einig, eine wunderschöne Kopfgeldjägerin verletzt in einem der luxuriöseren Hotels zu wissen. Gleichzeitig nahm es dem Konteradmiral seine Vorsicht nicht. Offensichtliche Informationen wie diese, ganz gleich ob wahr oder nicht, konnten ihn ebenfalls in eine Falle treiben. Doch war es ein Risiko, das Sora eingehen musste. Er war vorbereitet.
Eine halbe Stunde, knapp 45 vergingen, ehe Sora das auserkorene Hotel in Augenschein nahm. Er sprach nicht viel. Gab lediglich das von sich, was relevant für sein Ziel war. Lisann Mirosa. Sie war verletzt, ihm wurde aufgetragen, sich um sie zu kümmern. Keine Affiliation zu Gilde, keine Offenbarung hinsichtlich der Marine. In Begleitung, um nicht etwa Vorteile aus einer verletzten Dame zu ziehen. führte man ihn hinauf, bis sie an der Zimmertür angelangt waren.
Dann klopfte es. Deutlich hörbar für die Ohren der Kopfgeldjägerin wurde ein Mann angekündigt, der sich als Takeuchi Sora vorstellte. Sicherheit. Diskretion. Sie wollte nur öffnen, wenn sie wirklich Besuch mit diesem Namen erwartete.



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 18:48



1. März 1527

Das Rauschen des Meeres in seiner rhythmischen Art war einschläfernd. Gemischt mit den Stimmen der Kopfgeldjäger und Bewohner Whiskey Peaks ließ Lisann sich einlullen von der sanften Geräuschkulisse und merkte, dass ihre Atmung sich wieder beruhigte. Die Schmerzen in ihren Gliedern ließen mit jeder Minute nach und als sie glaubte, dass sie rein gar nichts mehr spürte, meldete sich der Schwindel ihres Fiebers, als hätte er nur darauf gewartet, dass sie eine Atempause bekam, um sich um andere Probleme zu kümmern.
Zumindest war die Wand in ihrem Rücken kalt.
Ein Gefühl von Hilflosigkeit brachte sie zur Verzweiflung. Sie hatte alles versucht, um schnell auf die Beine zu kommen, aber manchmal war der menschliche Körper eine Grenze für sich. Sie wusste, dass ihre Teufelskraft gewiss auch dazu in der Lage war, dieses Problem zu unterbinden, aber nur weil sie das Potenzial hatte, bedeutete es nicht, dass sie es auch nutzen konnte.
Sie zog ihre Beine ächzend an, weil sie sich an irgendetwas festhalten musste, um nicht weiter in Selbstmitleid zu versinken. Der Schmerz vertrieb die Müdigkeit, aber nicht die Erschöpfung. Wenn sie doch nur mehr Hormone kontrollieren könnte. Dann könnte sie das Fieber senken.
Es klopfte.
Sofort riss sie ihren Blick zur Tür und atmete wieder hektisch aus. Stress breitete sich in ihrem Körper aus. Was gäbe sie wieder über eine bessere Kontrolle bestimmter Hormone. Dann könnte sie diese jetzt senken, statt auf die Tür zu starren und zu hoffen, dass sie sich geirrt hatte. Black würde einfach hereinkommen. Jeder, der klopfte, war verdächtig. Oder hatte der Profikiller jemanden beauftragt, nach ihr zu schauen? Dann würde diese Person doch auch einfach hereinkommen, immerhin war ihr Zustand nicht geeignet, die Tür zu öffnen.
War diese überhaupt abgeschlossen?
Hätte die ganze Zeit jemand hereinkommen können? Nein, das hätte Black nicht zugelassen. Er hatte sie gerettet. Mehrfach inzwischen. Er würde es nicht dem Zufall überlassen, Lisann geschwächt in einem Zimmer zu lassen, in das jeder hineintreten konnte.
Die Tür war also zu.
Ein Angestellter des Hotels hob seine Stimme.
„Miss Mirosa, wir haben Anweisungen von Herrn Black, nur Leute zu Ihnen zu lassen, die Sie auch erwarten.“ Eine kurze Pause, in der Lisann ihre Augenbrauen zusammenzog. Black zahlte das Zimmer, wahrscheinlich mit einem Haufen Trinkgeld, also hörte man auch auf seine Befehle. „Neben mir steht ein Mann namens Takeuchi Sora. Erwarten Sie ihn?“
Sora.
Lisann riss die Augen auf und schnappte nach Luft. Atmete zitternd aus und war für wenige Sekunden nicht in der Lage, klar zu denken.
Wieso war er hier? Sora? Wie hatte Black …? Er hatte nach ihm gefragt. Black wusste, dass Lisann und Sora einander kannten.
Und Sora hatte zumindest jetzt einmal den Namen Black gehört.
„Miss Mirosa?“ , fragte der Angestellte wieder. Dann drang seine Stimme sehr viel leiser durch die Tür, als spräche er nicht mit Lisann. „Wahrscheinlich schläft sie.“
„Ich bin wach“ , antwortete sie instinktiv. Als wäre die Konsequenz, dass Sora wieder ging und die Insel verließ. Dabei wusste Lisann, dass er das niemals täte.
Wie viel wusste er? Die Leute auf der Insel redeten bestimmt, war Lisanns Treffen mit Ishikawa nicht lautlos vonstattengegangen. Was also wusste er? Mit wem hatte er gesprochen?
Sie hievte sich auf die Beine. Allein das Aufstehen, auch wenn sie sich am Fensterbrett festhalten konnte, war ein Kraftakt, den unterdrücktes Ächzen begleitete, dankten es ihr die Rippen.
Sie schätzte den Abstand zur Tür ein. Etwa fünfzehn Schritte. Sie ist eben schon nach zehn fertig gewesen. Aber es war einfach wie bei einem Marathon. Sie musste nur den Anfang machen und dann sich von ihren Füßen tragen lassen.
„Ich brauche einen Moment“ , versuchte sie laut zu sagen, aber ihre Stimme glich nur einem schwachen Wabern, drehte sich der Raum um sie herum. Ihr war schwindelig. Der Blutdruck im Keller, der Körper am Ende seiner Kräfte. Hatte sie heute denn schon etwas gegessen?
Sie durfte nicht weiter über ihren Zustand nachdenken.
Bevor sie sich darin verlor, wie schlecht es ihr ging, setzte sie sich in Bewegung. Die ersten drei Schritte waren eine Tortur, die ihren Puls in die Höhe trieben. Die darauffolgenden Schritte ließen sie nach vorne Stolpern und das Gleichgewicht verlieren. Aus dem Stolpern wurde ein verzweifeltes Taumeln.
Sie donnerte neben der Tür gegen die Wand. Unterdrückte einen Schrei, was jedoch deutlich zu hören sein dürfte. Einige Sekunden verstrichen, in denen sie wieder zu Atem kam.
Dann griff sie nach dem im Schloss steckenden Schlüssel und drehte ihn um. Zitternd drückte sie die Klinke herunter und öffnete die Tür.
Kaum stand diese einen Spalt offen, kam ihr ein Gedanke, den ihr verzweifelter Verstand gar nicht zugelassen hatte.
Was, wenn das gar nicht Sora war?
Doch er wurde sofort zerstreut, als sie ihn sah. In schwarzer Kutte stand er vor der Tür.
Erleichtert atmete sie auf. Eine Erleichterung, die ihr den Stress nahm, der sie auf den Beinen hielt. Lisann fühlte, wie ihre Kräfte wieder schwanden. Sie brauchte eine weitere Pause. Einfach Ruhe. Vielleicht sogar Schlaf.
„Sora“, hauchte sie dennoch voller Freude und der besagten Erleichterung. Bei Black hat sie sich ständig unter Strom gefühlt. Nun war aber Sora hier. Nun war sie wirklich in Sicherheit.
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 19:37

Soras Herz donnerte schmerzhaft in seiner Brust, als er ein Poltern nahe der Tür vernahm. Stimmten die Tatsachen mit den Gerüchten überein, musste sich die Kopfgeldjägerin in einem grausigen Zustand befinden. Jeder einzelne Schritt würde sie alle Kraft kosten, die sie in ihrem zierlichen, wunderschönen Körper aufbringen konnte. Überhaupt durch das Zimmer zu laufen musste eine Qual sein. Immerhin wusste er nicht einmal, wie es um ihre Füße, Beine oder das Becken stand.
Erleichterung siedelte sich für nicht mehr als einen einzigen Atemzug in seine Lungen ein, ehe die Realität einem Blitzschlag gleich von der Spitze seines Schopfes durch jeden einzelnen Wirbel bis in die Zehenspitzen des Soldaten schoss.
Lisann war leichenblass. Ihre Lippen fahl. Ihre gesamte Haltung wies darauf hin, dass sie sich unter zittrigen Knien gerade so aufrecht halten konnte. Die sonst funkelnden, unendlich tiefen Augen der Mirosa erweckten den Eindruck, als habe sie Ewigkeiten nicht geschlafen; mehr noch als das schien es so, als sei sie gerade so bei Bewusstsein.
"Bringen Sie uns bitte eine Karaffe Wasser, zwei Tassen Tee und etwas zu Essen." Rückfragen hinsichtlich der Natur des Essens wurden schnell beantwortet. Leicht verzehrbar. Gesund. Kohlenhydrate. "Wenn es im Rahmen des Möglichen ist, auch etwas Obst. Vorzugsweise Erdbeeren." Sora ignorierte die irritierten Blicke, welche man ihm auf Basis der doch reichlich vagen, gleichzeitig aber ungewöhnlich spezifischen Bitten entgegen warf. Ob Lisann Erdbeeren mochte war letztlich egal. Sie brachten Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Fruchtzucker und Vitamin C.
Erst als der Page seinen Rückzug verkündete und nicht mehr aus den Augenwinkeln heraus zu erkennen war, schob sich der Takeuchi durch den schmalen Türspalt und drückte mit einem leisen, brummigen Atemzug die Tür ins Schloss. Wie von selbst fielen Köcher und Seesack zu Boden, der Umhang wurde achtlos auf dieselbe Stelle niedergelassen. Sein erster, richtiger Schritt durch das Zimmer führte ihn zu Lisann, welche er - vorsichtig - in die Arme schloss.
Ohne ein einziges Wort zu sprechend hielt der Konteradmiral sie in einer Umarmung. Augenscheinlich besaß sie lediglich eine gut bandagierte Platzwunde am Kopf. Ihre gesamte Körpersprache und der Mangel offensichtlicher Verletzungen sprach jedoch Bände. Sie war nicht einfach nur erschöpft. Erschöpfung konnte eine Frau wie Lisann durch pure Eleganz und einnehmende Ausstrahlung vertuschen. Die Tatsache, dass er überhaupt erahnen konnte, wie schlecht es der Mirosa ging, war ein deutliches Zeichen.
"Soll ich dich zum Bett bringen?" Widerworte würde er nicht erlauben. Das sagte bereits sein eng um den Rücken und die Taille der jungen Frau gelegter Arm. Einzig und allein das Tempo, in welchem sie sich bewegten, hing tatsächlich noch von Lisann ab. "Ich weiß nicht, wie genau es dir geht und wo du Schmerzen hast. Möchtest du getragen werden?" Sora achtete nicht auf ihren Stolz. All das spielte nicht die geringste Rolle. Nur weil sie eine selbstständige, starke Frau sein wollte - und war - bedeutete es nicht, dass er sie in einem Moment der Schwäche auf eigenen, angeschlagenen Beinen würde stehen lassen.
Endlich angekommen, half er Lisann auf das Bett. Sie sollte sich hinlegen. Wenigstens sitzen. Stehen würde lediglich Kraft kosten. Kraft die sie zum gegebenen Zeitpunkt schlicht und ergreifend nicht besaß. "Ich habe eine Nachricht bekommen", das Schriftstück aus seiner Hosentasche nestelnd legte Sora die wenigen Letter gefalten neben die Kopfgeldjägerin, wirbelte kurz angebunden herum und kramte in seinem Seesack herum. "Ich habe etwas mitgebracht", er achtete nicht darauf, ob Lisann die Kette trug, welche er ihr vor etwas mehr als einem Jahr geschenkt hatte; es war ihre Entscheidung, nicht seine. "Eigentlich wollte ich es dir eigentlich unter besseren Umständen geben."
Nur bot sich diese Situation besser an als jeder andere.
Ähnlich gefalten wie der winzige Brief seitens Black, lagen ausnahmslos schwarze Stoffe in seinen Händen. Ihre Machart unterschied sich deutlich, auch für die Augen eines Laien. Während die Kleidung in seiner Linken samten weich und edel wirkte, besaß der Stoff in seiner Rechten einen ledrigen Glanz, macht einen insgesamt deutlich schwereren Eindruck. Beides wurde vorerst am Bettrand abgelegt, ohne weiter darauf einzugehen.
Wichtiger als das, was Sora Lisann mitbrachte, war Lisann selbst.
Nun da Sora endlich angekommen war, durchatmen konnte und es ihm zumindest vorerst erlaubt war zu glauben, nicht in eine Falle getappt zu sein, kniete er sich vor das Bett, direkt neben Lisann. "Du siehst schrecklich aus." Selbstredend strahlte die Mirosa noch immer eine einnehmende Präsenz aus, eine Schönheit die selbst aus der Ferne sofort erkannt werden konnte; doch längst nicht vergleichbar mit den sonstigen Erfahrungen, welche Sora mit ihr gesammelt hatte. "Lebt der Abschaum noch, der dir das angetan hat?" Er hatte bereits einen Namen. Nun fehlte lediglich das Wissen, ob Ishikawa Yoshitsune noch lebte.
Falls er sich noch immer auf den Meeren herumtrieb, würde er es nicht mehr lange tun.



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 21:45



1. März 1527

Sora gab sofort Anweisungen. Lisann hatte sich in den wenigen Minuten, seit sie von seiner Anwesenheit wusste, nichts ausmalen können. Sie hatte keine Erwartungen zu seinem Verhalten. Und doch überraschte es sie, wie er sich verhielt. Dabei sollte dies gar nicht so sein, da er sich seinem Rang entsprechend verhielt. Er wusste, was er tun musste. Er ließ sich nicht von Stress erwischen und fand einen Lösungsansatz zu einem frisch präsentieren Problem.
Die geschwächte Ärztin glich seine Befehle mit dem ab, was sie über die Jahre gelernt hatte. Es klang gut. Es klang richtig. Das brauchte sie jetzt. Essen. Trinken. Vitamine.
Doch er trat noch nicht ein. Er wartete ab, bis der Angestellte verschwunden war. Bis er weder zu sehen noch zu hören war. Erst dann schob sich Sora durch den schmalen Türspalt, den Lisann geöffnet hatte. Fügte sich dem Platz, den sie ihm geboten hatte. Er schloss die Tür bestimmt, legte seine Ausrüstung ab und war sofort wieder bei Lisann.
Auf einmal spürte sie Stoff im Gesicht. Einen leichten Druck auf ihre Rippen, der sie ein Zischen unterdrücken ließ. Jede Bewegung war nach wie vor eine Qual. Und doch umfloss sie ein Gefühl von Wärme. Geborgenheit. Das erste Mal seit Wochen. Und vor allem das erste Mal in den letzten beiden Wochen.
Sora umarmte sie. Das erklärte das angenehme Empfinden, das sie vernahm. Sie war in Sicherheit. Endlich wieder in Sicherheit.
„Ja, bitte“, wisperte sie und warf ihren Stolz über Bord. Sie brauchte jetzt Hilfe. Mehr als alles andere und Sora hatte eine Sonderstellung. Er durfte ihr helfen. Sie wusste, dass er im Gegenzug nichts erwartete. Sie wusste, dass sie ihm trauen konnte. Er durfte sie tragen. Er durfte sie zum Bett bringen. Sie brauchte Ruhe. Es tat zu viel weh, als dass sie noch weiterkämpfen könnte.
Das Bett fühlte sich an wie aus Watte. Weich und einladend. Sie brauchte eigentlich nur die Augen schließen und in den Schlaf fallen, aber sie würde jetzt nicht schlafen können. Nicht, wo Sora jetzt da war.
Sora war da.
Wieso war Sora da?
Sie blinzelte. „Nachricht? Was für …“ Ihre Mimik erstarrte. Über ihre Erschöpfung legte sich ein dunkler Schatten. Wahrscheinlich hatte Sora noch nie so viel Abscheu und Hass in ihrem Gesicht gesehen wie in diesem Moment. „Black“ , stellte sie bitter fest und nahm den Brief. Las ihn. Für einen Moment schenkte der Zorn und der Gedanke an Rache ihr genug Kraft, um nicht mehr ganz jämmerlich zu wirken. Aber eben auch nur für diesen einen Moment.
Die Kette trug Lisann nicht. Auch nicht ihre Ohrringe. Alles, was zu viel Ballast an ihrem geschundenen Körper sein könnte, hatte Black verstaut. Mehr als die lockere Hose und das Shirt mit den langen Ärmeln trug die Mirosa nicht am Körper und selbst das kam ihr zu viel vor, schwitzte sie unter dem Fieber und der viele Stoff machte es nicht einfacher.
Ihre Augen huschten mehrfach über das Papier. Sie konnte nicht fassen, was Black getan hatte. Sora hatte nichts über ihn gewusst und Lisann hatte gehofft, dass es auch so blieb. Der Konteradmiral brauchte nicht wissen, wer dieser Mann war. Er brauchte nicht wissen, wie Lisann zu ihm stand. Wieso sie ihn suchte und töten wollte. Welche Schmach es war, gerade von Black gepflegt worden zu sein.
Die regen Bewegungen des Mannes neben ihr rissen sie jedoch von dem Papier fort. Sie hob den Blick. Amtete so ruhig sie konnte, auch wenn es ihr schwerfiel und sie immer wieder tiefe Atemzüge nehmen musste, als es sich so anfühlte, als würde sie ersticken.
„Klamotten?“ Unglaube lag in ihrer Stimme, ehe sie nicht anders konnte, als kurz zu lachen. Und sich dann leicht zu krümmen, tat dies ihren Rippen alles andere als gut. Ihr Körper bebte unter den aufkommenden Schmerzen und sie wünschte sich, einfach ihre Gefühle abtöten zu können, damit diese körperlichen Regungen ihr keine Probleme mehr machten.
In einer fließenden Bewegung kniete Sora sich neben Lisann ans Bett und sah zu ihr auf.
„Wenn du nur wüsstest“ , murmelte sie. Er sah ja nur die offensichtlichen Probleme. „Da ich ihn nicht getötet habe, weiß ich es nicht.“ War Black ihm nach? Was wollte sein Auftraggeber nur von Lisann? Wie wichtig war sie ihm? Wieso sollte Black auf sie aufpassen?
Aber eine andere Frage brannte sich ihr auf. Eine, die sie sich einfach nicht selbst beantworten konnte. „Warum bist du hier?“ Sie hatte den Brief gelesen, ja. Aber wenn Sora in Loguetown so wie immer gewesen ist, dann hatte er eine lange Reise hinter sich, nur um Lisann vielleicht finden zu können. Hätte er nicht andere Wege nehmen können? Sie wenn überhaupt zu sich bringen lassen? Wieso war er hier?
@Takeuchi Sora


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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 19 Apr 2020 - 22:35

"Verstanden." So zärtlich wie nur irgend möglich legte der Takeuchi die freie Hand unter beide Oberschenkel der Kopfgeldjägerin, hob sie an und trug sie, wenngleich nur für einige Schritte durch den Raum. Bis er sie ebenso vorsichtig, einem zerbrechlichen Porzellanpüppchen gleich auf das angenehme Weich der Daunen gleiten ließ.
Lisann mochte unter normalen Umständen nichts, absolut rein gar nichts mit einem hilflosen Püppchen gemein haben, doch just in diesem Moment schien sie erschreckende Ähnlichkeiten aufzuweisen. Ihre Haut war bitterkalt, genetzt von feinem Schweiß welcher in der Luft lag. Gleichzeitig war ihr Kopf glühend heiß; automatisch schloss der junge Mann auf intensive Kopfschmerzen, womöglich Migräne oder, noch schlimmer, anhaltendes Fieber.
Kombiniert mit den allgemeinen Schmerzen, welche durch ihren zerbrechlich wirkenden Körper pulsierten, ein perfektes Rezept für den physischen und auf lange Sicht auch mentalen Ruin eines Menschen. Lisann konnte in ihrem Zustand nicht anders, als sich auf andere zu stützen. Entweder sie erhielt Hilfe - gewollt oder nicht - oder sie würde unter ihrem eigenen Gewicht zerbrechen. "Vor ein paar Tagen hat mich diese Notiz erreicht", kommentierte der Schwarzhaarige nur knapp, als Miss Mirosa sich daran machte, erste Rückfragen zu stellen "Dem Ausdruck auf deinem Gesicht nach zu urteilen von jemandem, den du auf den Tod nicht ausstehen kannst", ihre Beweggründe für derart offensichtliche Aversion hinterfragte Sora nicht "Ich habe Mir erklärt, dass ich nach Whiskey Peak muss, weil es dich involviert. Sie sollte in Loguetown bleiben, damit wenigstens eine Person vor Ort ist, in die ich vollstes Vertrauen habe."
Sora wusste, dass Loguetown in Sicherheit war. Nicht nur wegen Mir, sondern auch aufgrund der abschreckenden Präsenz, welche Vizeadmirälin Sugata Emiko, allerdings auch die Kuroshima-Schwestern besaßen. Und doch war es ein Unterschied wie Tag und Nacht, die Sicherheit seiner Wahlheimat, seiner Eltern, Freunde und Mitmenschen in die Hände der Frau zu übergeben, mit der er sein Leben verbrachte.
"Sie bat mich darum, wenigstens Bescheid zu geben, ob alles in Ordnung ist", seine Brauen hoben sich andächtig, als Sora Lisann erneut betrachtete "Ich werde im Laufe des Tages, spätestens morgen erklären, dass sie sich keine Sorgen um dich machen muss." Alle weiteren Details würden sich gewiss auch noch klären. Sora würde nicht lügen. Gleichzeitig würde er Mir nicht noch mehr Sorge bereiten als sie ohnehin empfand. Ohne Sora an ihrer Seite, in dem Wissen, dass irgendetwas rund um eine gemeinsame Freundin geschehen war, was den Konteradmiral auf die Grand Line zog.
Unmöglich konnte er so verantwortungslos sein, seiner Liebsten Kopfzerbrechen zu bereiten.
Seine Augen verengten sich unzufrieden, als Lisann sein Mitbringsel hinterfragte und sich zu allem Überfluss zusätzlichen Schmerzen aussetzte. "Selbst angefertigt, ja", bestätigte er trocken, eindeutig nicht amüsiert und vollkommen vom Ernst der vorherrschenden Situation motiviert "Du wirst selbst herausfinden können, welches der beiden Kleidungsstücke ich in Erinnerung an den Kimono angefertigt habe, den du auf unserem ersten gemeinsamen Fest getragen hast." Mehr als ein simpler Fingerzeig auf den luftiger, exquisit wirkenden Stoff kam nicht.
Das andere, wesentlich mehr auf berufliche Zwecke der Kopfgeldjägerin abgestimmte Outfit würde sie selbst in Augenschein nehmen und bewerten müssen. Es war .. experimentell, sollte sämtliche Vorzüge der Schönheit hervorheben und gleichzeitig ihre Agilität unterstützen.
"Du hast ihn nicht getötet", Sora betrachtete Lisann eindringlich "Hast du ihn nennenswert verletzt?" Er wollte jedes noch so kleine Detail herausfinden. Wohin war er verschwunden? Gab es Schwächen die ausgenutzt werden konnten? Wunde Punkte an seinem Körper? All das war nichts, was der herkömmliche Sora fragen würde. Nichts was ihn interessierte, nichts was seiner Ideologie entsprach. "Aber gut .. wenn du es nicht getan hast, lebt er noch", einen tiefen Atemzug nehmend, ließ der Takeuchi beide Schultern hängen, atmete unter geschlossenen Augen aus und man konnte ihm ansehen, wie zumindest ein Teil der vorherrschenden Anspannung von ihm abfiel "Allerdings nicht für lang."
Von Whiskey Peak zu entkommen stellte sich als schwierig genug heraus. Die Insel besaß nur wenige Anlegestellen. Beinahe optimal, um jede einzelne Person, jedes Wesen, welches auf diese Insel kommen wollte, in Augenschein nehmen zu können. Versagten die Kopfgeldjäger kläglich, würde Sora höchstpersönlich auf die Jagd gehen.
"Warum ich hier bin? Einen Teil der Begründung hast du bereits." Der offensichtliche Part. Man hatte ihn davon unterrichtet, dass Lisann schwer verletzt sei. Dass sie Hilfe brauchte. Mehr brauchte der Konteradmiral nicht zu wissen. "Warum ich hier bin und du nicht in Loguetown liegt schlicht und ergreifend daran, dass du nicht in die falschen Hände geraten sollst. Drei Tage auf hoher See, ohne dass du länger als zwanzig Sekunden stehen kannst?" Er schnaubte. "Mach dich nicht lächerlich. Natürlich komme ich, um nach dir zu sehen und sicherzustellen, dass du sicher bist."
Sora schüttelte mit dem Kopf, richtete sich langsam auf und setzte sich direkt neben Lisann, den Rücken sanft an die Wand gelehnt, ein Bein angewinkelt auf dem Bett. "Damit hast du deine Antworten", schloss er "Wenn du mir eines der Kopfkissen gibst, kannst du dich gerne auf meinen Schoß legen, bis das Essen kommt." Lisann sollte sich nicht nur rein körperlich erholen. Sie brauchte auch mentale Entspannung. Schlaf. Wenigstens aber Ruhe. Und wenn sich der Takeuchi etwas gemerkt hatte, dann den überraschend über ihn hereinbrechenden Umstand, merklich zu ihrer Entspannung beizutragen.




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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 20 Apr 2020 - 8:39



1. März 1527

War er tatsächlich sofort aufgebrochen, nachdem er diese Nachricht erhalten hatte? Lisann konnte das nicht glauben. Sie nahm sich nicht für wichtig genug, solch eine Reaktion auszulösen. Aber Sora war hier. Er war hier, um ihr zu helfen. Nachdem ein Fremder ihm geschrieben hatte, dass es ihr schlecht ging. Der ihm sogar drohte, obwohl Sora diese Drohung nicht verstanden haben musste. Der letzte Satz der Nachricht war aber eindeutig für Lisann. Wenn Sora Lisanns Lage ausnutze und Black davon erfuhr, würde dieser den Soldaten umbringen.
„Ausstehen ist untertrieben“, murmelte sie. Sie wünschte Black den Tod. Sie wollte ihn töten. Mit ihren eigenen Händen. Weil er verhindert hatte, dass sie ihre Familie umbringen konnte. Aber diesen Gedanken musste sie von Sora fernhalten. Wüsste er, dass sie ihre Familie hätte töten wollen, dann wäre er nicht hier. Garantiert nicht. Er musste etwas Reines oder Unschuldiges in ihr sehen, ansonsten hätte er sie einfach fallen gelassen.
Woher kamen diese Zweifel in ihr? Hatte Yoshitsune noch mehr in ihr zerstört als nur ihre Knochen?
Mir wusste auch von dieser Sache? Natürlich tat sie es, Sora teilte gewiss alles mit ihr.
Ein bitterer, pelziger Geschmack legte sich auf ihre Zunge bei diesem Gedanken. Wer hatte noch von ihrem Zustand erfahren. Black hatte ihr von den Gerüchten erzählt, dass sie und der Pirat eine Auseinandersetzung hatten, die sie verloren hatte, aber die genauen Ausmaße sollten nicht bekannt sein. Nun waren es aber mindestens drei Personen, die wussten, wie schlimm es um sie stand. Schlimm genug für eine kurze, formlose Notiz an einen Konteradmiral.
„Sie braucht sich auch keine Sorgen machen. Meine Wunden heilen. Ich hatte Glück.“ Das konnte auch nur jemand sagen, der es gewohnt war, sich von solchen Wunden zu erholen. Es war immerhin nicht das erste Mal, dass Lisann in solch einem Zustand gewesen ist und im Gegenteil zu ihrer Jugend hatte sie eine sichere Umgebung, in der sie genesen konnte. Es stand also deutlich besser um sie als sie es tatsächlich in ihrem Leben bisher erlebt hatte.
Er nahm ihr erneutes Aufkommen an Schmerzen ernst. Lisann kannte Sora nur sorglos und freundlich, aber diese neue, ernste Seite an ihm gefiel ihr. Sie legte eine weitere Ebene an Sicherheit über sie. Sponn ein Netz unter Lisann, in das sie fallen konnte und darauf vertrauen konnte, dass es sie abfederte.
War es gut, dass sie sich so sehr auf ihn verließ?
„Selbst geschneidert?“ Stimmt, Sora war immerhin darin bewandert. Ihre Bluse hatte er ebenfalls repariert. Offenbar ging sein Talent über das hinaus, was sie bisher angenommen hatte. „Dann bin ich gespannt, wie es sich tragen lässt.“ Der Ton ihrer Stimme kam nicht an das Gefühl heran, das sie vermitteln wollte. Lisann wollte tatsächlich aufgeregt klingen, aber ein Krächzen mischte sich in den Ton hinein, sodass sie weiterhin kläglich klang. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass sie erst einmal nicht in diese beiden Kleidungsstücke schlüpfen würde. Sie war froh, dass sie all die Tage überhaupt in der Lage gewesen ist, sich allein umzuziehen. Unvorstellbar, wenn Black ihr dabei auch noch hätte helfen müssen.
Hatte sie Yoshitsune verletzt? Lisann versuchte sich an den Tag vor zwei Wochen zu erinnern und zog die Augenbrauen zusammen, als eine Welle von Schmerzen durch ihren Kopf wanderten, als versuchte jemand mit einem Bohrer Granit aufzubrechen.
Sie riss die Arme hoch und presste ihre Hände zischend an ihre Schläfen. Ihr Verstand versuchte, das Erlebte im Hintergrund zu halten, da es sich mit einem Flaskback vermischt hatte. Einem anfangs emotionalen Flashback, der dann in etwas übergegangen war, was sie nicht mehr ganz erfassen konnte.
„Ich weiß es nicht“, stieß sie hervor. „Ich habe auf ihn geschossen, aber ich weiß nicht, ob ich ihn getroffen habe. Das meiste ist weg.“ Lisann versuchte, ihre Atmung zu kontrollieren. Konzentrierte sich einige Sekunden da drauf, wodurch ihr Unterbewusstsein sich beruhigte und zuließ, dass die Kopfschmerzen verschwanden.
Seine nächsten Worte ließen sie wieder aufblicken.
Nicht für lang? Hatte Sora vor, ihn zu töten? Oder schon jemanden nachgeschickt?
Oder wusste er, ob Black etwas vorhatte?
Er musste von sich selbst sprechen. Oder hatte er mehr als die Nachricht von Black erhalten? Kannten sie einander? Hatten sie miteinander gesprochen? War er deswegen gestern gegangen? Um direkt noch mit Sora zu reden?
Nein, niemals. Das täte der Auftragsmörder nicht. Das wäre nicht fair. Lisann suchte seit Jahren nach ihm. Es sollte nicht so einfach sein. Wobei sich ihre Annahme wieder bestätigt hatte. War sie in Gefahr, tauchte er auf. Konnte sie das als Falle nutzen?
„Wenn er dir nicht zuvorkommt“, murmelte sie. Der Auftraggeber Blacks hatte ihre Familie töten lassen, die Familie von Jeanne Dûc und Lisann schließlich aus ihrer Hand holen lassen. Black würde gewiss von diesem Unbekannten den Auftrag bekommen, Yoshitsune zu töten. Wer war es nur, der über Lisann wachen ließ? Sie kam sich vor, als stalkte sie jemand.
Schließlich aber stellte Lisann die für sie wichtigste Frage. Sie verstand nicht, wieso Sora hier war. Würde sie diese Reise so plötzlich für jemand anderen auf sich nehmen? Wenn Sora oder Ray ihr zukommen ließen, dass sie in Gefahr waren und ihre Hilfe brauchten? Sie wusste es nicht. Bisher ist das nicht vorgekommen. Immerhin suchte sie sich nur starke Personen in ihrem Umfeld. Das waren Menschen, die nicht auf sie angewiesen waren.
Für Sora war es natürlich, zu ihrer Hilfe zu eilen. So natürlich, dass ihm ein anderer Gedanke lächerlich erschien.
Ein weiterer Beweis dafür, dass Freundschaften und Verbündete kein Nachteil waren.
„Danke“, murmelte sie, wusste sie nicht, was sie sonst sagen sollte. Es berührte sie, dass er diese Umstände nur für sie auf sich genommen hatte. Das kannte sie nicht. Doch, sie kannte es, aber sie sah es nicht ein, Black auf dieselbe Ebene zu heben. Dabei hatte er wohl noch mehr bisher geleistet als Sora. Doch sie wollte ihm nicht diese Anerkennung geben, die Sora nun von ihr erhielt. „Das bedeutet mir viel.“
Der Mann ging aus der Hocke heraus, um sich zu Lisann auf das Bett zu setzen. Er war ihr nahe, berührte sie aber noch nicht. Stattdessen saß er mit angezogenen Knien an der Wand. Er bat um ein Kopfkissen.
Lisann drehte den Kopf, waren die Kissen direkt hinter ihr und bereute es sofort. Allein diese Drehung ließ sie zusammenzucken, was einen weiteren Schmerz in ihr auslöste.
„Ich würde dir gerne eines geben“, murmelte sie. „Aber ich habe zwei gebrochene Rippen. Ich müsste dafür aufstehen und das funktioniert gerade nicht sehr gut.“ Was gäbe sie dafür, sich jetzt einfach nur an ihn zu kuscheln. Seine beruhigende Nähe zu genießen, die er ihr immer schenkte. Einfach alle Vorsicht fallen lassen. Alle Sorge abstreifen.
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 20 Apr 2020 - 14:54

Keine Sorgen machen. An einem anderen Tag, unter anderen Umständen hätte Sora eventuell über diese Aussage gelacht. "Sie wird sich Sorgen machen, bis ich unmissverständlich grünes Licht gebe", vergewisserte der Konteradmiral ruhig, allerdings auch sehr direkt. Egal was er im Laufe der kommenden Stunden an Mir zurück gab, sie würde sich zumindest in gewisser Hinsicht immer den Kopf zerbrechen.
Wie ging es Lisann? Wie lange würden sie brauchen? Wie konnte es überhaupt dazu kommen?
Wann war Sora wieder zurück in Loguetown?
"Ja. In den letzten Jahren habe ich ein wenig von meiner Mutter gelernt", was zwar durchaus der Wahrheit entsprach, allerdings keinen wirklichen Einblick in die Art und Weise vermittelte, wie genau er gelernt hatte. Oder wie lang dieser schleichende Prozess wirklich von Statten ging. "Außerdem habe ich es sehr leicht, die entsprechenden Maße für Kleidung herauszufinden", gab er reichlich offen aber nach wie vor trocken zu. Sie hatten nie wirklich darüber gesprochen. Geschweige denn hatte der Konteradmiral konkret gefragt.
Wie konnte er sich also realistisch betrachtet so sicher sein, dass alles saß, wie es sitzen sollte?
Bis es allerdings dazu kam und Lisann die extra für sie mitgebrachten Stoffe am Körper tragen durfte, würde es jedoch noch eine Weile dauern. So wie sie sich bei jeder noch so subtilen Bewegung zusammenzog, keuchende Atemzug aus angestrengten Lungen presste und in einem merkwürdigen Zustand zwischen Bewusstsein und Delirium tanzte, würde Sora keine überflüssige Anstrengung zulassen.
Ausgerechnet in diesem Moment, kurz nachdem dieser Gedanke gefasst wurde, schreckte die Mirosa auf; Hände rasten an ihren Kopf, als sie versuchte, die Frage nach dem Zustand des Piraten zu beantworten. Sora reagierte schnell. Zog Lisann an sich heran. Bettete ihre Stirn an seinen Oberkörper, legte beide Arme so gut es ging um den zierlichen, bebenden Frauenkörper. "Du brauchst nichts zu beantworten, wenn es dir Schmerzen bereitet", flüsterte er, atmete langsam aus und ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen. Luxus. Prunk. Ekelerregend. Gleichzeitig aber passend für jemanden wie sie. Weil sie Gutes verdiente.
"Wenn wer mir zuvor kommt?" Sora verengte die Augen. "Black?" Wer war dieser Mann? In welchem Verhältnis stand er zu Lisann? Entgegen ihrer Reaktion, der Finsternis in ihren sonst so klaren, meerblauen Augen, schien der Fremde sich um sie zu kümmern. Sie am Leben zu halten. "Mir ist egal, ob er mir zuvor kommt oder nicht. Wo wir aber gerade dabei sind: du wirst mir früher oder später erklären müssen, wer dieser 'Black' ist." Dabei spielte es keine Rolle, wann ihm ihm dieses Wissen zuteil wurde. Wollte Sora helfen, wirklich helfen, dann musste sich der Kopfgeldjägerin ihm öffnen. Stück für Stück. Weit genug, als dass er nicht nur offensichtliche Tatsachen begriff, sondern auch den entsprechenden Kontext verstand.
Sora brauchte keinen Dank. Für ihn waren diese Handlungen vollkommen selbstverständlich. Schon während ihrer ersten gemeinsamen Unterhaltungen waren diese Züge seines Wesens offensichtlich geworden. Befanden sich Menschen in Gefahr, die ihm etwas bedeuteten, geriet er in Zugzwang. Und in diesem konkreten Fall musste der Konteradmiral handeln - er musste heimische Gewässer einmal mehr verlassen, in die Welt aufbrechen. Um Lisann zu helfen. "Du hast mich missverstanden", führte der Schwarzhaarige sanft an, löste seine Arme und letztlich auch sich selbst "Nimm dein Kopfkissen, leg deinen Kopf auf meinen Schoß. Wenn du möchtest", das war alles. Sie brauchte ihr Kissen nicht an ihn abtreten.
Gebrochene Rippen. Zwei gebrochene Rippen. Neben der Platzwunde an ihrem Kopf musste die Kopfgeldjägerin noch weitere Verletzungen am Körper tragen. Sora atmete scharf ein, schluckte seine Reaktion gemeinsam mit der Luft allerdings herunter. Er äußerte sich nicht verbal, verzog lediglich den Mund. Brennend heißes Unwohlsein kochte in dem Konteradmiral hoch; Gänsehaut breitete sich auf seinen Unterarmen an, kroch die Wirbelsäule hinauf und endete scheinbar direkt unter seinem Schopf.
"Du wirst erstmal nicht aufstehen, hörst du?" Lisann wusste es besser. Ihre medizinische Expertise überstieg seine laienhafte Kenntnis um ein Vielfaches. Allerdings war sie eine sture Frau. Selbstsicher. Hilfe anzunehmen würde sie bereits um den Verstand bringen. Sich dann auch noch Vorschriften machen zu lassen konnte es unmöglich besser machen. "Jetzt bin ich erst einmal hier. Du bleibst liegen, entspannst dich, ruhst dich aus und lässt dich gefälligst pflegen." Dazu zählte selbstverständlich auch die Einnahme von Essen. Wenn sie sich kaum regen konnte, bei jedem zweiten Versuch intensive Schmerzen verspürte, musste die Kopfgeldjägerin eine solche Behandlung über sich ergehen lassen.
Unzählige Fragen lagen dem jungen Mann auf der Zunge. Wie stand es wirklich um ihre Verletzungen? Wie waren der Pirat und sie überhaupt aneinander geraten? Wie konnte es dazu kommen, dass er sie derart zurichtete? Detailfragen. Über seine Persönlichkeit, Äußerlichkeiten, was Lisann über ihn hatte herausfinden können. Neben der Sorge um ihren allgemeinen Zustand, wie man der Schönheit zur Seite stehen, ihr helfen konnte, drehten sich die Gedanken des Takeuchi primär um Eines: wie konnte er Ishikawa Yoshitsune schnell, effizient töten?
Nicht zuletzt war da aber auch Black. Wer er war. Wie ihr Verhältnis zwischen den beiden Aussah. Das wirkliche Verhältnis.
Sein Blick wanderte über die nachtschwarzen Strähnen der Kopfgeldjägerin hinweg, an ihr herunter, über die uncharakteristisch .. simplen, lockeren, ihre optischen Vorzüge ganz und gar nicht hervorhebenden Stoffe, die sie trug. Bis die bernsteinfarbenen Augen toppten. Auf höhe ihres Brustkorbes, ihrer Rippen. "Welche Rippen sind betroffen?" Sora machte Ansätze, seine Hand anzuheben. Langsam, zeitlupenartig. Um sie, zumindest vorerst, auf den schlanken Bauch, an ihre Taille zu legen. "Du hast mehr als nur zwei gebrochene Rippen, nehme ich an. Kann ich etwas für dich tun?"



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 20 Apr 2020 - 22:09



1. März 1527

Lisann presste ihre Lippen aufeinander. „Dann gib ihr bitte grünes Licht“, sagte sie. „Mir geht es wirklich gut genug. Ich bin über dem Berg. Es ist wirklich alles in Ordnung.“ Nur, dass nichts in Ordnung war. Das war Lisann anzusehen. Ihrem bleichen Gesicht. Ihren zaghaften Bewegungen. Doch ihr ging es weitaus besser, als es ihr hätte gehen können und als es ihr vor zwei Wochen ging.
Sie lächelte schwach. „Ich erinnere ich nicht, dass du an mir genug Maß genommen hast.“ Sie brauchte in diesem Moment diese Albernheiten. Die letzten zwei Wochen hatte sie sich von negativen Emotionen treiben lassen. Hatte sich auf den Hass gegenüber Black fixiert, um beisammen zu bleiben. Sora aber gab ihr etwas Positives, kaum war er hier. Er half ihr, das Böse in sich fallen zu lassen. Er holte das Gute in ihr hervor und vertrieb die trüben Gedanken.
Der Kopfschmerz drohte, ihren Kopf bersten zu lassen. Lisann keuchte auf und versuchte die Qualen verborgener Erinnerungen mit ihren Händen fort zu drückten.
Sora reagierte unmittelbar. Zog sie an sich heran und drückte sie sanft gegen seine Brust. Der Geruch des Konteradmirals begleitete sie aus den Schmerzen. Das Bohren ließ nach.
„Ich hatte damit nicht gerechnet“, gestand sie. „Ich habe die letzte Woche nicht darüber nachgedacht, wie das überhaupt so weit gekommen ist …“ Sonst hätte sie gewusst, dass es solch eine Reaktion auslösen könnte. Aber Black hatte sie nie wirklich nach dem Treffen mit Yoshitsune gefragt. Hatte er gewusst, was passiert war oder war er informiert, wie ein Trauma wie ihres funktionierte? Dass Fragen genau das falsche waren? Wieso war alles, was sie über Black wusste, nur positiv, abgesehen von dem Mord an ihrer Familie?
An seine Brust gelehnt nickte sie, als er fragte, wer ihm zuvorkommen könnte.
Und sie erstarrte, als er fragte, wer Black war. Dass sie ihm irgendwann erklären müsste, wer er genau war. Wenn sie darauf doch nur auch eine bessere Antwort hätte als das, was sie bisher wusste. Dann wäre sie nicht hier. Dann wäre sie schon auf ihrer Insel mit ihrer kleinen Praxis.
Lisann löste sich so vorsichtig und gut sie konnte, aus seinem Griff und sah zu ihm auf. Suchte seinen Blick, den sie gewiss rasch fand. Kaum merklich schüttelte sie den Kopf.
„Wenn ich dir das erkläre, wirst du mich hassen“, hauchte sie. Selbst wenn Sora das nun verneinte, sie wusste es besser. Die Wahrheit war hässlich. So unglaublich hässlich, dass sie jene niemals aussprechen konnte. Sobald sie nur ein Detail zu viel über Black verriet, brach das Kartenhaus ihrer Täuschungen zusammen.
Ihr Kopf dachte zu gerade aus. Eindeutig, sonst hätte Lisann wohl verstanden, was Sora eigentlich gemeint hatte. Lisann war sich sicher, dass irgendwo in ihrem Kreislauf noch das ein oder andere Scherzmittel in seiner Hauptaufgabe versagte, dafür aber ihren Verstand trübte.
Vorsichtig griff sie hinter sich, um das Kopfkissen zu greifen und reichte es Sora, gemeinsam mit ihrer Hand, damit er ihr half, sie ordentlich zu ziehen. Sie wollte ihren Kopf auf seinen Schoß legen. In die Sicherheit eintauchen, die er ihr immer bot. Die Geborgenheit, die sie nur bei ihm erfahren konnte.
„Solange ich keine Türen öffnen muss, habe ich fast keinen Grund aufzustehen“, versuchte sie es wieder mit Scherzen. Inzwischen hätte sie aber verstehen müssen, dass dem Konteradmiral nicht nach Scherzen zumute war. Doch die einzige Alternative, die ihr einfiel, war Selbstmitleid und darin wollte sich Lisann nicht suhlen. Ihr Stolz stand ihr da im Weg. Sie war gerade schon tief genug gesunken. „Und ich lasse mich schon seit zwei Wochen pflegen“, flüsterte sie. „Bei dir fällt es mir sehr viel leichter, es anzunehmen.“ Sie hatte mehrfach versucht, Black anzugreifen, was er schnell unterbunden hatte. Mit wenigen Handgriffen; war sie zu geschwächt, um sich gegen ihn zu wehren. Eigentlich hätte sie schon auf einem besseren Weg sein müssen, aber der konstante Stress, dem sie sich ausgesetzt hatte, widersprach dem Gedanken einer Genesung.
Lisann atmete tief ein, als Sora danach fragte, welche Wunden sie genau hatte. Welche Rippen gebrochen waren.
„Die achte und neunte Rippe. Zum Glück geschlossene Brüche.“ Das viele Sprechen verlangte viel Kraft von ihr. Viele Atemzüge und bei jedem spürte sie den dumpfen Schmerz in ihrem Brustkorb. „Zudem eine Milzruptur ersten Grades, Platzwunde, mein Knöchel ist wohl auch verstaucht.“ Den Schmerz hatte sie eben beim Gehen kaum bemerkt, nun aber pulsierte ihr rechter Fuß unangenehm. „Und etliche Prellungen und Quetschungen. Meine Haut sieht nicht gut aus.“ Nicht gut war eine schöne Beschreibung für die vielen Hämatome, die sie Yoshitsune zu verdanken hatte, die inzwischen fast alle grün geworden waren. „Und seit kurzem Fieber. Irgendwo muss also eine Infektion sein, ich weiß nur nicht wo.“ Erkältet war sie gewiss nicht. Oder hatte ihre Rippenfraktur doch mehr Schaden angerichtet als gedacht?
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 20 Apr 2020 - 23:16

"Du musst mich nicht anlügen, das ist dir klar, oder?" Auch ohne fachmännische Ausbildung verstand der Soldat ausreichend viel über den menschlichen Körper. Vor allem Mimik und Gestik verrieten so manches Detail, welches anderweitig durch bloße Worte versteckt werden sollten.
Sora verübelte ihr diese kleine Lüge jedoch nicht. Sein Gesichtsausdruck blieb unverändert, seine Körpersprache dieselbe. Er verstand vollkommen, warum Lisann wollte, dass er falsche Informationen vermittelte. Weniger um ein falsches Bild zu erzeugen, sondern um jemand anderes, jemand der ihr am Herzen lag, sich nicht vor Sorge den Kopf zerbrach. "Ich werde ihr erklären, dass du das Schlimmste hinter dir hast, du professionelle Hilfe bekommst und lediglich ein paar Tage Ruhe brauchst." So trafen sie sich in der Mitte. Nicht zuletzt aufgrund des Umstands, dass Mir zwar dann und wann ein naives Mädchen sein mochte, jedoch alles andere als dumm war.
Wenn es ihrer gemeinsamen Freundin längst wieder gut genug ging, um sich keinerlei Sorgen machen zu müssen, stand einer zeitnahen Rückreise seitens des Konteradmirals nichts im Wege. Ganz gleich wie gut sie untereinander befreundet sein mochten, so gab es doch keinen nennenswerten Grund für Sora, länger als unbedingt notwendig außerhalb von Loguetown zu verweilen - vor allem dann nicht, wenn er keinen Auftrag, keine relevante Aufgabe besaß, die ihn von seinen Liebsten auf die Grand Line zog.
Tatsächlich brachte die belustigte Feststellung der Kopfgeldjägerin Sora zu einem dünnen Schmunzeln. "Glaube mir, ich habe bereits genug gesehen, um ein ordentliches Bild von dir zu haben", zwinkerte der Schwarzhaarige keck, hob seine Mundwinkel zu einem schiefen, fehl am Platz wirkenden Lächeln "Für alle anderen Details habe ich ausreichend Erfahrung und Vorstellungskraft, Miss Mirosa." Selbstredend kamen Vorkommnisse unter vier Augen seinem Vorhaben entgegen. Ganz zu schweigen von der üblicher Weise körperbetonten, eng anliegenden Kleidung, welche Lisann und jeden einzelnen ihrer optischen Reize perfekt in den Vordergrund rückte.
Black entpuppte sich schnell als wunder Punkt. Weitere Aspekte ihres Lebens von immensem Gewicht. Sora respektierte ihr schweigen mindestens so sehr wie die eigenartige Konsequenz, welche die Kopfgeldjägerin ihm vor Augen führte.
Hass war ein intensives Wort. Eines das oftmals viel zu schnell in den Raum geworfen wurde. Motiviert von impulsiven Emotionen, aus einer spontanen Handlung, Reaktion oder Situation heraus. Sora zweifelte stark daran, eine Frau wie Lisann wirklich hassen zu können; ganz gleich was sie in der Vergangenheit getan hatte, tat oder noch tun würde. Sie war gut, sie besaß gute Eigenschaften. Ihre Absichten, ihre Ziele, ihre Träume und Wünsche waren allesamt, ausschließlich, gut.
Wer also war dieser Black, wenn sie glaubte, weitere Informationen über ihn, sie, das Verhältnis der beiden zueinander würden ein so starkes Gefühl in Sora auslösen?
In Anbetracht ihrer vertrauensvollen Freundschaft wirkte all das .. surreal.
"Das bezweifle ich stark", er schüttelte schwach abwinkend mit dem Kopf "Hättest du bereits etwas getan, was mich dazu verleiten könnte, wärst du mir nie so nah gekommen. Und alles was in der Gegenwart oder Zukunft liegt, kann ich verhindern." Er zwinkerte selbstbewusst. "Außerdem glaube ich nicht, dass du etwas tun würdest, was meinen Hass provozieren würde."
Zusammen mit dem Vertrauen, welches Lisann entgegen gebracht wurde, zeigte sich allerdings erneut, wie wenig er eigentlich über die Hintergründe der Frau wusste. Er hatte keinen Begriff davon, wer genau dieser Black war, ihm wurde noch immer keine Einsicht in die Details ihrer Vergangenheit geschenkt, ebenso wenig wie Sora tatsächlich beantworten konnte, unter welchen Umständen und wann die Kopfgeldjägerin sich zur Ruhe setzen wollte.
Was ihre Ziele waren. Welche Konsequenzen sie mit sich bringen konnten.
Schweigend nahm Sora das im Vergleich zu Lisann riesige Kopfkissen entgegen, rückte selbst etwas weiter auf das Bett und platzierte vorsichtig, nachdem er es glatt gestrichen hatte, das Kopfkissen auf seinem Schoß. Noch deutlich langsamer, geruhsamer, wurde auch die Hand der Schönheit entgegen genommen, zärtlich umschlossen, mit einer streichelnden Berührung seines Daumens empfangen - ehe sie so langsam wie nur denkbar möglich näher heran geogen wurde, damit sie entspannt bei ihm lag.
"Besser?" Ohne auch nur einen Moment zu warten, legten sich seine Finger behutsam auf den schwarzen Haarschopf der Kopfgeldjägerin. Verglichen mit ihrer zierlichen Gestalt und geringem Wuchs wirkte seine Hand erstaunlich groß. Seine Finger hatten ihre Unruhe abgelegt, sie bebten nicht mehr vor Aufregung und versteckter Aggression auf eine unsichtbare, längst verschwundene Gestalt. Dem entgegen gesetzt floss lediglich Wärme in seine Berührungen, als Sora gleichmäßig Strähne um Strähne ihres Haars beiseite schob.
Ihren Worten lauschend schloss der Konteradmiral seine Augen. Er wollte sich nicht vorstellen, was genau zwischen Yoshitsune und ihr geschehen war. Wie er sie einem Kind gleich zurückgedrängt, dann verprügelt hatte. Ausgehend davon, dass Lisann lediglich auf ihn geschossen hatte, sich allerdings nicht einmal mehr entsinnen konnte, den Piraten überhaupt verletzt zu haben, tauchte das Gedankenspiel in ein bedrückendes Licht. Als wäre es eine einseitige Affäre gewesen.
Wann immer seine Finger ihren Hinterkopf erreichten, verlor sich das zärtliche Streicheln in sanftem Kraulen. Bis tief in den schlanken, makellosen Nacken hinein, über ihre Schultern, kraulten die Finger des Schwarzhaarigen, ehe sie wieder hinauf geführt wurden und erneut am Ansatz ihrer Stirn von vorn begannen. "Ehrlich gesagt war das mehr als ich hören wollte." Sora schnaubte leise. "Allerdings weiß ich jetzt ungefähr, worauf ich achten muss", was mit einem schmalen, neutral auf seinen Lippen liegenden Lächeln abgerundet abgeschlossen wurde.
Innere Verletzungen lagen weit außerhalb seines Fachgebiets. Sora wusste nicht mit ihnen umzugehen. Wie genau man sie erkannte. Was gegen derartige Schmerzen unternommen werden konnte, welche längerfristigen Folgen mit ihnen einher gingen. "Du wirst sicher keine Tür mehr aufmachen müssen", dafür war er nun da "Deine Aufgabe besteht darin, im Bett zu liegen, nichts zu tun und es dir gut ergehen zu lassen. Inklusive Essen und Trinken angereicht zu bekommen. Haben wir uns verstanden?"



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyDi 21 Apr 2020 - 9:13



1. März 1527

„Ich lüge nicht“, entgegnete Lisann dem Konteradmiral sofort. „Ich habe so etwas unzählige Male durchgemacht. Ich weiß, wie es um mich steht und weiß, dass es weitaus schlimmer sein könnte.“ Sie musste sich kürzer fassen. Sprechen schmerzte und Schmerzen auszuhalten war anstrengend.
„Danke“, sagte sie schließlich, als er zumindest etwas einlenkte. Wahrscheinlich wollte er genauso wenig wie sie, dass Mir sich Sorgen machte.
Er lächelte, wenn auch kaum merklich. Das sah Lisann als eine Art Gewinn, die Situation doch etwas aufgelockert zu haben. Für Sora musste das alles in Richtung eines Schocks gehen, Lisann war aber seit zwei Wochen in diesem Zustand und es aus ihrer Jugend gewohnt. Das hier war normal für sie. Das hier war ihr Alltag. Damit war sie aufgewachsen.
„Natürlich, wie konnte ich Sie nur unterschätzen, Herr Takeuchi?“ Ihr eigenes Lächeln wurde etwas breiter, nur um sich nach einigen Sekunden zu verflüchtigen, war es auf Dauer anstrengend. Und doch lag noch einige Sekunden ein milder Ausdruck auf ihrem Gesicht.
Nur um beim Thema Black zu ersterben.
Sie schüttelte unwillkürlich den Kopf. Merkte es zunächst selbst kaum und erstarrte, als sie es realisierte. Lisann musste ihre Körpersprache kontrollieren, um volle Entscheidungsgewalt über die Informationen zu haben, die sie offenbaren wollte. Nun aber hatte ihr Körper bereits Informationen herausgegeben. Dass sie Sora nicht glaubte. Dass sie sich sicher war, dass er sie verachten würde.
Sie senkte den Blick und wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie konnte es Sora unmöglich erklären. Ihm nicht sagen, dass Black ihre Familie getötet hatte. Denn dann würde er sich fragen, wieso Lisann Black dafür so sehr verachtete. Es ließ nur zwei Schlüsse zu. Entweder sie hatte doch etwas an ihrer Familie geliebt, was auszuschließen war oder er hatte ihr etwas mit dem Mord an ihnen weggenommen. Da war es nur noch ein Steinwurf, um zu verstehen, dass sie selbst ihre Familie töten wollte. Und wenn man dann überlegte, wie diese Familie aufgestellt war, war es klar, warum Sora sie hassen würde. Sie wollte eine Schwester umbringen, die sechs Jahre alt war und einen Bruder, der ihr nie etwas angetan hatte. Eine Mutter, die nie ihre Hand gegenüber ihrer Tochter erhoben hatte. Wenn Lisann jemanden hätte töten müssen, dann nur ihren Vater und Nicolo. Aber sie hatte alle fünf umbringen wollen.
Ohne Sora anzusehen, hob sie die Stimme. „Er … es …“ Was sollte sie sagen? Sie musste antworten. Aber sie wollte Sora nicht belügen. Konnte er nicht einfach akzeptieren, dass sie darüber unmöglich sprechen konnte? Dass Black ein Teil ihres Lebens war, der verborgen bleiben musste? Wieso hatte er Sora nur geschrieben. Sie hätte den Assassinen lieber länger ertragen, als dass es nun zu dieser Situation kam. Und doch fühlte sie sich besser als in den letzten zwei Wochen. Wieso war Black nur so gut zu ihr? „Black gibt auf mich Acht. Seit Jahren und ich weiß nicht warum. Jemand hat ihn dazu beauftragt.“ Sie versuchte, Sora mit irgendeiner unwichtigen Information abzuspeisen. Vielleicht dachte er ja, dass sie ihn hasste, weil Lisann keine Hilfe von anderen wollte. Dass sie glaubte, solch eine Arroganz würde bei Sora schlecht ankommen. Ein kläglicher Versuch der Ablenkung, kannten sie einander um einiges besser. Aber wie sollte sie nur über Black sprechen, ohne diese Hässlichkeit an sich selbst zu offenbaren?

Lisann leg bequemer als je zuvor. Zumindest kam es ihr so vor und sie genoss die angenehme Wärme es Konteradmirals, die im Kontrast zu ihrem glühenden Fieber und bibbernden Körper stand. Vorsichtig hatte er sie in Position gezogen. Keine Schmerzen dabei ausgelöst.
„Himmlisch“, säuselte sie. Sehr viel besser.
Während sie ihren Zustand offen legte, strichen Soras Finger über ihren Haaransatz. Er streichelte und kraulte Lisann in eine Ruhe, die sie willkommen hieß und sicher ummantelte. Sie schloss die Augen und genoss es einfach nur, weswegen sie das nicht in seiner Stimme hörbare Lächeln auf seinen Lippen nicht bemerkte.
„Ich bin nur ehrlich“, gab sie untypisch von sich. Lisann ist niemals wirklich ehrlich gewesen. Sonst wüsste Sora bereits so viel mehr. Sonst wäre er auch nicht hier.
„Verstanden“, bestätigte sie. „Immerhin kann ich mich jetzt auch endlich entspannen.“ Sie war sicher bei Sora. Black hatte genau das richtige getan, indem er den Konteradmiral benachrichtigt hatte. Und das gefiel Lisann nicht, lieferte es ihr immer mehr Gründe, Black nicht zu töten.
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyDi 21 Apr 2020 - 13:20

Sora lupfte eine Braue. Unzählige Male? Sie wusste, dass es schlimmer sein konnte? Zu diesem Zeitpunkt stellte es sich als geschickter heraus, einfach nicht weiter zu fragen. Lisann würde keine weiteren Einblicke in ihre Kindheit zulassen. Nicht hier, nicht jetzt. "Du machst es mir wirklich nicht leicht", sagte er daher schlicht, verdrehte leicht die Augen und atmete, einmal mehr, pfeifend aus.
"Nach unseren Besuchen unterschiedlicher Bäder war es nun wirklich keine Kunst", Sora zuckte sacht mit den Schultern "Und nach deinen wiederholten Späßen war es denkbar einfach", zumindest im Hinblick auf Erinnerungen, die dem Soldaten im Nachhinein noch geblieben waren. Nicht jedes Detail fügte sich noch in seinem Kopf zusammen, wurden statt dessen ersetzt vom Anblick der bildhübschen Kopfgeldjägerin und drängten wie von selbst die Relevanz aller anderen Fragen zart in den Hintergrund.
Black wurde erneut zum Thema und entpuppte sich mehr und mehr als etwas, worüber Lisann nicht sprechen konnte, nicht sprechen wollte und in der allzu nahen Zukunft auch nicht sprechen würde. Neugierde flackte in den bernsteinfarbenen Augen auf. Er wollte wissen, was sich hinter dieser schattenhaften Gestalt verbarg. Welche Bedeutung sie besaß.
Allerdings wusste Sora es besser, als nachzufragen. Zu viel sprach davon, dass die ihm gegenüber sitzende Kopfgeldjägerin nicht nur Schwierigkeiten damit besaß, in diese Zeitepoche zurückzukehren, sondern sich generell davor zu fürchten schien, was eine Erläuterung der Ereignisse mit sich ziehen würde.
"Er gibt auf dich Acht, hat mit jemandem kommuniziert, dem du Vertrauen entgegen bringst", fügte der Schwarzhaarige ruhig zusammen, verlieh seinen Worten allerdings keine deutliche Wertung "Und jetzt ist er verschwunden, ohne genau zu sagen, wohin." Als sei Black nicht viel mehr als ein Schatten, der sich immer dann zeigte, wenn Lisann ihn brauchte. Ob sie es wollte oder nicht. Nur um so schnell wie möglich wieder zu verschwinden, wann immer ein zusätzlicher Aspekt der Außenwelt an sie herantrat.
Jemand hatte Black beauftragt? Lisann wirkte überzeugt von dieser Feststellung. War es überhaupt eine Feststellung? Nicht viel mehr eine für sie nahe liegende Überlegung, statt einer klaren Tatsache? Die Lippen aufeinander pressend verengte Sora die Augen ein wenig, grübelte, sagte allerdings nichts weiter dazu. Er wusste schlicht und ergreifend zu wenig, um sich überhaupt eine Meinung bilden zu dürfen. "Alles was ich sehen kann, ist dass er sich um dich gekümmert hat. Egal warum." Und dazu noch etwas: "Und du scheinst ihm im wahrsten Sinne des Wortes die Kehle durchbeißen zu wollen. Nicht einfach nur, weil er dir geholfen hat."
So viel stand für ihn fest. Viel ergab sich nicht daraus. Lediglich ein einseitiger Hass. Resultierend aus einem Ereignis der Vergangenheit, von dem Sora erneut nicht wusste. Allgemein schien dies ein sich wiederholender Tatbestand zu sein. Unwissenheit. Es frustrierte ihn.
Wichtiger allerdings war für diesen Moment, dass es Lisann gut ging. Sie war verletzt. Hatte Schmerzen. Sie schwitzte. Ihr Kopf brannte regelrecht. Wenn er schon nichts wirklich tun konnte, um das gesamte Konstrukt rund um Ishikawa Yoshitsune und Black zu entschlüsseln, dann lag es vorrangig an Sora, temporäre Glücksgefühle auszulösen. Ruhe in einen angespannten, bebenden Körper fließen zu lassen.
"Himmlisch?" Er grinste zufrieden. "Dabei habe ich doch kaum etwas getan", zumindest im Vergleich zu den verwöhnenden Gesten, die er vorrangig Mir oder Koda zukommen ließ. Streicheln und Kraulen konnte man auch einen Hund oder eine Katze, nichts davon war für den jungen Konteradmiral so weit nennenswert, als dass es von Bedeutung sein konnte. Lisann hingegen betrachtete all das aus einer anderen Perspektive. Einem Blickwinkel, welcher diese oberflächlichen Gesten nie wirklich gekannt hatte.
Vielleicht war es für sie ja wirklich himmlisch.
Nun da zärtliche Berührungen und Liebkosen der modus operandi war, fiel es dem Soldaten erneut wie Schuppen von den Augen. Von ihm nahe stehenden Personen wusste er viel, viel mehr. Ihre Vorlieben, deutliche Abneigungen, inwiefern und ob sie berührt werden wollten. Was sie zurückwiesen, wo ihre individuellen Grenzen lagen. Lisann hingegen zeigte sich erneut als nahezu unbeschriebenes Blatt. "Sollte dich etwas stören, lass es mich wissen. In Ordnung?" Zeitgleich mit diesen Worten begannen seine Fingerspitzen erneut, vereinzelte Haarsträhnen zu bewegen, sie hinter das ihm zugewandte Ohr der Kopfgeldjägerin zu schieben.
Wie selbstverständlich fuhren seine Fingerspitzen ihre Ohrmuschel entlang. Kaum wahrnehmbare, aber doch sehr präsente Berührungen. Wie ein lauer Sommerwind, welcher sich immer wieder um das Ohr der Kopfgeldjägerin herum bewegte, es streichelte. Zwischen gleichmäßigem Streicheln und Kraulen ihres Kopfes und dem Nacken ließ der Takeuchi seine Hand jedoch weiter fahren. Über ihre zierlichen Schultern hinweg, unter den Kragen des locker anliegenden Shirts, um Ansätze des Rückens hinab zu gleiten, Lisann dort zu streicheln.
Doch auch ihre brennend heißen Wangen, die optisch viel mehr an ein frisch gewaschenes, beinahe weißes Bettlaken erinnerten, ihre Halsbeuge, bis hin zu ihren Schlüsselbeinen wurde in schier willkürlichen Abständen - um die Berührungen nicht monoton ausfallen zu lassen - zärtlich von den Fingerspitzen des jungen Mannes gestreichelt. Mal geradlinig, untermauert von leicht massierendem Druck, mal nur durch die Fingerspitzen, langsam gleitend, fast schon wie vorsichtiges, neckisches Kitzeln. "Gibt es etwas, was du besonders magst?"
Sora fragte lediglich aus Interesse. Neugierde. Nicht um Lisann eines Tages einen Strick daraus drehen zu können, sondern viel mehr um effizient zu sein. Sich auf das zu konzentrieren, was die meiste Erleichterung, das intensivste Wohlgefühl auslöste. Wie in Zeitlupe glitten seine Finger von ihrem Schlüsselbein ihren makellosen Hals hinauf, legten sich unter ihr Kinn und hoben dieses andächtig an. Streichelten. Kraulten.



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 27 Apr 2020 - 20:45



1. März 1527

Natürlich machte Lisann es Sora nicht leicht. Es war in ihren Augen nur gerecht, wenn auch er ein klein wenig mehr Last zu tragen hatte, erleichterte dieser Gedanke ihre eigene. Ihr war bewusst, dass dies ein egoistisches Denken war. Doch wohin sollte sie sonst all den Frust und die Verzweiflung stecken, die sie seit Tagen erfüllte?
“Du kennst mich doch“, erwiderte sie so leicht sie konnte. “Ich gebe doch niemals Schwäche zu.“ Immerhin war ihr die aktuelle Schwäche anzusehen. Wieso sie jetzt also noch aussprechen? Wieso verbalisieren, wie schlimm es ihr ging? Lieber war sie stark und verdeutlichte, dass sie das alles gewohnt war.
Sie lächelte nur verwegen, wenn auch weniger deutlich und überzeugend als sonst. Die vielen Bäder und den Unfug, den Lisann sonst mit Sora getrieben hatte, brauchten sie nicht weiter besprechen. Es war mehr als klar. Zumal sie irgendwann dann nur lachen würde und dadurch wieder ihre Rippen spürte.
Black musste wahrhaft ein Mysterium für Sora sein. Er wusste Bescheid von ihrer Vergangenheit. Wusste, was ihre Familie ihr angetan hatte, wenn auch nicht so lebhaft wie Lisann sich an das meiste erinnerte. Aber war tappte dahingehend nicht im Dunklen. Doch was danach geschah, davon hatte er keine Ahnung. Er hatte vor kurzem zum ersten Mal von Black gehört. Ein Mann, der offenbar ein Auge auf sie hatte. In Soras Kopf mussten ihre Familie und Black zwei unterschiedliche Themen sein. Doch für Lisann waren sie miteinander verwoben. Ohne den einen Aspekt gab es auch nicht den anderen. Über Black zu sprechen legte viel zu viel über sie offen. Wenn Sora wirklich verstehen wollte, wie Lisann ihrer gesamten Familie gegenübergestanden hatte, musste er verstehen, wieso Lisann Black so sehr hasste. Doch das würde sie niemals einfach so zugeben.
“Er ist der einzige Mensch, den ich töten möchte“, gab sie zu, hatte Sora das ohnehin schon erfasst. “Seinetwegen bin ich Kopfgeldjägerin. Seinetwegen versuche ich alles, um mir einen Ruf zu erarbeiten. Seinetwegen habe ich noch keine kleine Praxis auf einer ruhigen Insel. Er ist ein Schatten und ich bekomme ihn nur zu Gesicht, wenn ich mich in Lebensgefahr befinde.“ Etwas in ihrer Stimme signalisierte wieder, dass sie dies nicht als gänzliches Problem, sondern auch als Methode sah. Ob sie Black so eine Falle stellen konnte?
Wollte sie das überhaupt? Black hereinlegen und ausnutzen, dass er sie beschützte erschien ihr zu wenig. Sie wollte ihn nicht zu sich locken, sondern ihn finden. Mit all ihrer Kraft. Dabei waren es doch die hinterhältigen Strategien, die sie sonst immer benutzte.

“Ich bin genügsam“, flüsterte sie sich immer mehr entspannend. Sie kannte es nicht besser. Ihre Arbeitsweise gebot ihr, dass sie ihrem auserkorenen Opfer Gutes zuteilwerden ließ. Lisann aber selbst konnte ihre Wachsamkeit nicht fallen lassen, um selbst in den Genuss solcher Momente zu kommen.
Sie nickte mit geschlossenen Augen, als er sie anmahnte, ihn wissen zu lassen, wenn etwas sie störte. Wieder zeigte das, wie wenig sie eigentlich voneinander wussten. Lisann lebte nach dem Leitsatz, dass sie ihre Probleme sofort und selbst anpackte. Nur dann kam sie voran. Wenn sie also etwas störte, würde sie nicht darauf warten, dass Sora es von selbst merkte, sondern etwas dagegen unternehmen. Vielleicht nicht so deutlich, dass andere es verstanden, aber auf eine Weise, dass sie sich besser fühlte.
Eine Gänsehaut zog über ihre geschundene Haut, als Sora über ihr Ohr strich. Eine zarte Berührung, die sich angenehm durch ihr Fühlen schob. Weitere, simultane Berührungen folgten, die Lisann kurz Neid gegenüber Haustieren verspüren ließ. Tiere konnten so etwas immer genießen. Sie wurden bedingungslos geliebt und mussten sich nur nahe an einen Menschen legen und schon wurden sie umsorgt. Menschen wie Lisann mussten dafür aber kämpfen.
Dann aber öffnete sie die Augen, als eine Frage an ihr Ohr drang. Eine, die sie nicht erwartet hatte und noch nie in einem Kontext gehört hatte, dass sie jene ernst nehmen konnte.
Was mochte sie?
Sie wusste, was sie in weitaus intimeren Situationen wirklich sehr gerne mochte, aber außerhalb dessen? Das ist bisher immer unbedeutend gewesen. Bisher hatte sie nie darüber nachdenken müssen. Wieso denn auch? Es hatte niemanden gegeben, der ihr Gutes tun konnte.
“Keine Ahnung“, antwortete sie deswegen. “Ich habe mich nie wirklich dafür interessiert, was ich besonders mag.“ Immerhin hatte sie seit dem Tod ihrer Eltern nur ein Ziel vor den Augen. Sora hatte bereits vor einer Weile festgestellt, dass Lisann immer nur versuchte, zu arbeiten. Sie überarbeitete sich zwar nicht, aber sie verschwendete auch keine Zeit. Wenn sie sich also entspannte, dann immer mit dem Hintergedanken, daraus einen Gewinn zu ziehen. Da ging es nicht darum, etwas zu mögen. “Vielleicht finde ich es heute heraus. Das hier mag ich schon einmal sehr.“
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 27 Apr 2020 - 21:27

"Bist du dir sicher, keine Schwäche gestanden zu haben?" Diese Frage mochte abrupt kommen, doch folgte sie nur Sekundenbruchteile später und wie aus der Pistole geschossen, nachdem Lisann erneut über Black gesprochen hatte. Er war die einzige Person, die sie töten wollte. Wollte. In just diesem Moment gab sie nicht nur zu, ihn nicht töten zu können, sondern mehr noch als das - sie wurde beschützt.
Von der einen, einzigen Person, die sie töten wollte.
Ein feiner Atemzug glitt aus den Nüstern des Konteradmirals und suchte flüchtig seinen Weg über die weiche Haut der Kopfgeldjägerin. Mit jeder noch so flüchtigen Berührung ihrer rabenschwarzen Haarsträhnen vergrub er seine Finger ein wenig mehr in ihrem wallenden Schopf, streichelte und kraulte. Sora besaß keinerlei Intention, Lisann diese Schwäche weiterhin vor Augen zu führen; geschweige denn lag es in der Absicht des jungen Mannes, sie deswegen aufzuziehen.
Existierte denn wirklich ein nennenswerter Grund, ihre Hilflosigkeit zuzugeben? War sie so weit von sozialen Kontakten, von Vertrauen entfernt, dass sie all diese Last auf den eigenen Schultern tragen musste? Sora schnaubte, rieb sich mit einer Hand knapp über die Augen und ließ seine Finger einmal mehr sinken. Über das ruhig auf seinem Schoß rastende Haupt, die samten weiche Stirn und schließlich den langen, schlanken Hals der Mirosa.
Ihr Stolz würde eines Tages zu einem Todesurteil werden.
Sollte Lisann nicht eines Tages jemanden finden, dem sie ihr Herz tatsächlich öffnen konnte, jemand, mit dem sie gleichermaßen schöne wie traurige Momente in offenen Gesprächen teilen konnte, würde sie auf ewig in der Dunkelheit ihrer Gedanken umher wandern. Mit einem einzigen Ziel, einem Antrieb - Black.
Wegen ihm war sie Kopfgeldjägerin geworden. Wegen ihm hatte sie all die Eigenschaften und Fähigkeiten gelernt, die sie besaß. alles nur, um einen einzelnen Mann zur Strecke zu bringen. Tausend Fragen lagen ihm auf der Zunge, doch wurden sie alle, eine nach der anderen, heruntergeschluckt. In just diesem Moment ging es - erneut - nicht um seine persönliche Neugierde, nicht um das Brennen und Kribbeln unter seinen Fingernägeln.
Für Sora war es von oberster Priorität, Lisann nach bestem Wissen und Gewissen zu verwöhnen. Ihren von loderndem Schmerz gepeinigten Leib nach allen Regeln der Kunst mit einem Gefühl der Ausgeglichenheit zu füllen. "Für eine genügsame Dame lassen Sie es sich sehr gut gehen, Miss Mirosa", feixte der Soldat ruhig, ließ seinen Handballen vorsichtig über ihre blasse Wange gleiten "Aber wenn das so ist, sollten Sie sich einen Moment lang auf den Rücken drehen."
Auf diese Weise konnten nahezu alle Schmerzen umgangen werden. Keine ungewöhnliche Liegeposition, keine abrupten Bewegungen, keine übertriebenen Reaktionen. Zärtlich legten sich die Hände des Takeuchi an Halsbeuge und Taille; vorsichtig, Zentimeter um Zentimeter, drehte Sora sie herum. "Jetzt können wir Phase zwe--", kaum verließen Worte seine Kehle, stockte er.
Lisann hatte was nie getan? Sie hatte sich nie Gedanken darum gemacht, was sie mochte?
Unsicher wie er reagieren sollte, suchten die bernsteinfarbenen Augen lediglich ihren Blick. Irritiert von diesem einfachen Satz sprang sein Blick auf und ab, suchte etwas an dem zierlichen Frauenkörper, ohne wirklich zu finden - oder finden zu können - wonach er suchte. "Wenn das so ist .." Kehlig seufzend neigte Sora sein Haupt. Er konnte noch so große Ansprachen halten, Versprechungen geben und ausführlich darauf hinweisen, was er im Begriff war zu tun .. besser war es, einfach danach zu handeln.
Wie selbstverständlich ruhten seine Hände an den Schläfen der jungen Frau. In hauchzarten Kreisen bewegten sich zuerst lediglich Zeigefinger, nur wenig später aber auch seine Mittelfinger über sie hinweg. Beide Daumen fuhren zeitgleich damit hinter den Ohren der Kopfgeldjägerin entlang, übten in gleichmäßigen Intervallen Druck aus und ließen es sich nicht nehmen, mal hier, mal da, verspielt vorherige Berührungen ihrer Ohrmuscheln zu wiederholen.
Zehn Fingerkuppen waren es, die wie in Zeitlupe ihre feinen Wangenknochen hinunter wanderten, winzigen Schlangen gleich das schmale Kinn der Kopfgeldjägerin umschlossen und einem Wasserfall gleich ihren Hals hinunter glitten. Auch dort angekommen wanderten sie umher; unregelmäßig, ohne klares Muster, lediglich unter der Prämisse, Lisann zu streicheln. Sie zu kraulen. Ihr eine um die andere Gänsehaut einzuschenken.
Ihr Druck erhöhte sich. Kaum merklich aber doch präsent. Gleichmäßig fuhren Soras Hände ihre Schultern entlang, stahlen sich binnen weniger Augenblick unter den locker auf der Mirosa ruhenden Stoff. Mit jeder Berührung ertastete der Konteradmirals feine Knochen, Hebungen unter der weich unter seinen Fingerkuppen zerfließenden Haut. Schultern. Halsbeuge. Schlüsselbeine. Wo zuerst nur seine von harter Arbeit offenbar verschont gebliebenen Finger zum Einsatz kamen, erstreckten sich nun auch seine warmen Handflächen über sie hinweg.
Sie zeichneten Kreise, Sichelmonde, Wellen, bis sie sich erneut zurückzogen und unterhalb ihrer feinen Schlüsselbeine erneut zusammen kamen. Sora atmete leise aus, lehnte seinen Torso etwas nach vorn und ließ zeitgleich auch seine beiden Hände weiter wandern. Ehe sie abrupt und infolge einer von samtener Resistenz gezeichneten Berührung seiner Fingernägel stoppten. Und schleichend langsam zurückkehrten.



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMo 4 Mai 2020 - 22:55



1. März 1527

Lisann lächelte schwach. Normalerweise hätte Soras Aussage sie in angespannte Aufmerksamkeit versetzt, aber Sora war eine Ausnahme.
„Bei dir ist ohnehin alles widersprüchlich, was mich angeht“, erwiderte sie. „Immerhin bist du als einziger Mensch bewusst dazu in der Lage, Flashbacks auszulösen.“ Niemand anderes wusste direkt von ihren Traumata im Zusammenhang mit Triggern. Sora aber hatte schon einen Flashback miterlebt und war sich garantiert bewusst, wie es angefangen hatte. Eine zu schnell gehobene Hand. Mehr brauchte es nicht, Lisann in die Hölle zu stürzen.

„Man muss nehmen, was man kriegen kann“, erwiderte Lisann und fühlte langsam, wie mehr und mehr Schmerzen von ihrem Körper fielen. Ihre Muskeln entspannten sich und kämpften nicht mehr dafür, ständig auf der Hut zu sein. Sie war sicher, wenn Sora da war. Sie brauchte sich nicht in den nächsten Minuten verteidigen. Auch wenn Lisann nicht wusste, wie viel der Konteradmiral wirklich leisten konnte, war sie sich sicher, dass er allein ausreichte, um sie vor Leid zu bewahren. Sie glaubte daran. Fest. Und mehr war doch nicht nötig.
Entspannt kam sie seiner Aufforderung nach – wenn auch fast nur durch seine Hilfe. Ein wenig überraschte es sie, dass es so gut wie keine Schmerzen auslöste, dabei sollte sie als Ärztin genug Wissen in diesem Gebiet haben. Ihre Rückenmuskulatur und ihre Wirbelsäule lockerten sich in Rückenlage und einen kurzen Moment sah sie Sora in die Augen, ehe sie die ihren wieder schloss.
Nur um zu merken, dass irgendetwas ihn wieder irritierte. Dass es ihre Worte waren, realisierte sie noch nicht. Weswegen sie ihre Augen wieder öffnete und seinen leicht verwirrten Blick bemerkte. Sie neigte den Kopf ein wenig, was auf dem Rücken liegend wohl kaum die gewohnte Wirkung erzielen sollte.
Es folgten weitere Berührungen, die für Lisann ungewohnt, aber nicht unangenehm waren. Im Gegenteil. Sie waren eine Wohltat für ihren geschundenen Tastsinn. Sanft und angenehm auf ihrer Haut. Beruhigend und beschwichtigend. Soras Berührungen ließen sie vergessen, wie sie sich fühlte und einfach nur in eine Schwebe fallen, die sie nicht erwartet hatte, sie aber auch nicht übermannte.
Ein Wechsel aus Druck, Pausen und Milde. Es war schwer zu beschreiben, obwohl Lisann selbst genau wusste, wie man es anwendete. Abwechslung war immer wieder das wichtigste, um jemanden bei Laune zu halten, aber sie hatte es noch nie an sich erleben dürfen. Es war, als erfasste sie erst jetzt in voller Gänze, wie effektiv diese Art von Behandlung war.
Wie sehr sie es mochte.
Sie kannte nur Leid. Kannte nur Schläge. Kannte nur eigenes Handeln. Nie hatte sie zugelassen, dass jemand ihr etwas Gutes tat. Das wäre ein Zeichen von Schwäche oder Abhängigkeit gewesen. Es hätte sie angreifbar gemacht. Lisann hatte es sich nach dem Tod ihrer Familie nicht leisten können, so etwas zu offenbaren.
Jetzt aber war es anders. Jetzt war sie in Sicherheit und brauchte sich nicht darüber sorgen, dass jemand ihr wehtat. Sie konnte sich jenen Berührungen einfach hingeben. Einfach sich in diesem Akt verlieren und an nichts anderes mehr denken.
Wobei es für jemanden wie Lisann unmöglich war, nicht nicht zu denken.
„Ich hoffe, ich habe dich nicht durch seinen Brief von wichtiger Arbeit abgehalten.“ Und Lisann konnte nicht aufhören, die Schuld in sich zu sehen. Sie war nicht die Art Mensch, die anderen für alles die Schuld gab. Gerne würde sie ihre Familie vollständig die Last aufbürden, sie zu der Person gemacht zu haben, die sie war, aber das war nicht ganz möglich. Tief in sich gab es einen Teil, der auch Versagen in Lisann sah. Sie ist ungenügsam gewesen. Hatte die falsche DNS. Sie war nicht gut genug, nicht niedlich genug oder nicht klug genug, um dennoch als Hirams Tochter anerkannt worden zu sein.
Sie war geboren worden.
Sie trug also auch einen gewissen Teil dazu bei. Wissend, dass in dieser Logik ein Fehler war, ihn aber nicht erkennend. Denn sie traf keine Schuld. Wie denn auch? Den eigentlichen Fehler hatte ihre Mutter gemacht. Und danach baute jeder andere auf. Nur eine Sache hatte Lisann falsch gemacht.
Sie hatte zu lange gewartet, ihre Familie zu töten und ihre Rache verpasst.
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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyDi 5 Mai 2020 - 14:23

"Das ist kein Talent, auf das man stolz sein kann." Kopfschüttelnd schloss der Konteradmiral die Augen. Ging es um seine persönlichen Eigenschaften, nennenswerte Talente, dann bevorzugte er es in jedweder Hinsicht, anderen Menschen zu helfen. Jeder konnte mit ausreichendem Training dazu in der Lage sein, anderen Lebewesen Schaden zuzufügen, sie zu ermorden.
Um auch die andere Seite der Münze erfolgreich ausfüllen zu können, nämlich Wunden zu versorgen, zur physischen und psychischen Heilung einer anderen Person beizutragen, erforderte es ungleich mehr Anstrengung. Fingerspitzengefühl. Empathie. Dinge die sich nicht einfach lernen ließen, so wie der Umgang mit einem Gewehr oder wie man mit einem Messer in Fleisch stach.
Nur wenige Minuten später klopfte es. Sora zuckte zusammen. Obwohl sie sich unter vier Augen befanden, zeichnete sich doch eine recht eigensinnige Situation für Außenstehende ab. Neben einer herkömmlichen Massage, die wohl kein ausschlaggebendes Argument für Interpretationen sein mochte, befanden sich seine Hände in diesem Moment reichlich tief vergraben unter dem einzigen Kleidungsstück, welches den Oberkörper der Kopfgeldjägerin bedeckte. "Du bleibst schön liegen, wie ich es gesagt habe", mahnte der Takeuchi nur und versuchte, vielleicht ein wenig überstürzt, alle zehn Finger aus dem weiten Kragen zu nesteln.
Erfolgreich - wenngleich nicht zufrieden - hastete er durch das luxuriöse Zimmer, hin zur Tür und öffnete sie einen Spalt weit. Gerade so, als dass man ihn selbst erkennen konnte, nicht aber, was genau sich hinter ihm abspielte. Sämtliche Wunsche wurden erfüllt. Wasser, Tee, Früchte. Die vorsichtige Anmerkung, dass es ein wenig länger gedauert hatte als gewünscht und dass es an der expliziten Frage nach Erdbeeren lag, entlockte dem Schwarzhaarigen ein breites, entschuldigendes Lächeln.
Kurz darauf schloss sich die Tür wieder.
"Jetzt haben wir alles, was wir brauchen", verkündete Sora unter einem langen Atemzug und endlich, endlich nicht mehr drastisch angespannten, angehobenen Schultern. "Bevor du auch nur auf die Idee kommst, dich irgendwie aufzurichten um zu essen: bleib liegen." Das in seinen Augen gänzlich übertrieben luxuriöse Tablett wurde mitsamt Karaffe, Gläsern und kleinen Schüsseln auf dem Nachttisch neben dem Bett abgestellt. Sora ging langsam in die Hocke, legte eine Hand zuerst auf die geröteten Wangen der Kopfgeldjägerin, strich ihr dann jedoch über die Stirn.
Ihr Kopf glühte. Sie schwitzte. Wollte Lisann sich nicht zu allem Überfluss eine Erkältung einfangen, musste etwas daran geändert werden.
Er verschwendete keinen Gedanken daran, ob es notwendig oder richtig war, was ihm durch den Kopf ging. Viel mehr verschwand der Takeuchi kommentarlos im Bad, sah sich um und fand nahe des Waschbeckens bereits alles, was er brauchte. Das Rauschen von Wasser erklang für einige Sekunden, zusammen mit gelegentlich aufkommendem Klackern von Porzellan. Nirgendwo fand sich ein kleiner Eimer, dafür gab es aber eine kleine Schale, in welcher Seife und kleine Tücher aufbewahrt wurden. Zumindest zwei dieser Utensilien konnten sie gebrauchen.
Bewaffnet mit einer von Wasser befüllten Schale und einem aufgeweichten Tuch, das eigentlich zum Trocknen der Hände gedacht war, kam Sora zurück und krempelte sich langsam zuerst den rechten, dann den linken Ärmel hoch. "Du wirst dich schrecklich erkälten, wenn du nicht dein Oberteil wechselst", Sora lupfte die Brauen und sah Lisann erwartungsvoll an "Vielleicht ist es dir selbst nicht einmal aufgefallen. Vielleicht interessiert es dich bei all deiner Sturheit nicht einmal", er verdrehte die Augen "Mich stört es jedenfalls. Was für dich bedeutet, dass deine Sachen gewechselt werden."
Vollkommen ungeniert setzte sich der Konteradmiral erneut auf das Bett. Diesmal jedoch vorerst neben Lisann. "Du kannst unmöglich allein baden gehen. Genau so wenig wirst du dich in deinem Zustand selbstständig waschen können." Das war allerdings nur ein Teil der Wahrheit. In der Vergangenheit mochte sie nicht die geringsten Probleme damit gehabt haben, ihm in Hose und BH entgegen zu treten, beziehungsweise gehüllt in nicht viel mehr als ein klamm an ihrer Haut klebendem Handtuch - doch war das hier nicht freiwillig, nicht nach ihrem Willen. Zog sie sich aus, würde sie erneut Zeichen von Schwäche eingestehen müssen. Verletzungen.
Die wenigen Worte, die Lisann an ihn richtete, ließen Sora erneut den Kopf schütteln. "Miss Mirosa, Sie sollen sich entspannen, nicht entschuldigen." Durch die Nüstern ausatmend drehte er sich zur Seite, drückte das Tuch tiefer in das kühle, an den Rand der Schale schwappende Wasser. "Ich weiß ganz genau, dass es dir nicht gefallen wird, aber wir müssen sämtliche Risiken so schnell und effizient wie möglich eindämmen." Was im Endeffekt bedeutete, dass Sora zumindest ihren Rücken waschen musste und sie einen Ersatz für das an ihrem Oberkörper hängende Shirt brauchte. "Wenn wir das hinter uns haben, wirst du mit Erdbeeren und weiteren Massagen verwöhnt. Ist das akzeptabel?"



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyFr 29 Mai 2020 - 23:18

Es war wirklich kein Talent, auf das der Konteradmiral stolz sein konnte. Aber es war eine Macht, die er besaß, die er wohl noch gar nicht richtig verstanden hatte. Oder zumindest nicht im vollen Umfang. Sora war in der Lage, Lisann auf die schlimmste Weise zu gefährden, die bei ihr möglich war. Er wusste, wie er sie in einen Flashback versetzte, der sie angreifbar und verletzlich machte.
Sie nickte es nur einfach weg. Aus Furcht, allein durch das Verbalisieren weiterer Worte sich selbst in einen besagten Flashback zu bringen. Lisann war zu schwach, um sich mental gegen solche Folgen zu wehren.
Ein Klopfen ließ Lisann sich verspannen. Sie fühlte sich mit Sora sicher, keine Frage, aber das war störend. Beendete die Massage und Ruhe. Und das mochte die Kopfgeldjägerin in diesem Moment nicht sonderlich.
„Natürlich, Boss“, erwiderte Lisann leicht schläfrig, als Sora sich ermahnte, liegen zu bleiben. Gerade fühlte sie sich auch nicht dazu in der Lage, aufzustehen und durch den Raum zu tanzen. Sie hatte vorhin schon genug Probleme gehabt, vom Fenster zur Tür zu kommen, ohne dabei zusammenzubrechen.
Doch ihre Augen folgten seinem Weg zur Tür. Dort nahm er die bestellten Dinge in Empfang. Leider verstand Lisann nicht, was Sora mit dem Pagen besprach, aber sie glaubte ohnehin nicht, dass es wichtig war.
„Ich habe es verstanden“, gab sie weniger forsch von sich, als sie wollte. Lisann hatte versucht, beleidigt und auch zickig zu klingen, aber ihre Schwäche verhinderte, dass ihre Stimme irgendeinen Ton in der Richtung annahm. Ihr fehlte einfach die Kraft. Der Kampf ihres Körpers raubte ihre restlichen Reserven.
Ein Klirren ließ Lisann wieder aufmerksam werden. Sie hatte die Augen geschlossen gehabt, was ihr erst in dem Moment auffiel, als sie diese wieder öffnete und Soras Hand auf ihrer Stirn spürte. Seine frostige Hand ihrem Empfinden nach.
Die kalte und gleichzeitig angenehme Hand verschwand zusammen mit dem Soldaten. Momente, vielleicht Minuten, verstrichen.
Sora sprach wieder und erneut klang er anschuldigend. Es verwirrte Lisann, wieso er so streng war. Natürlich war ihr bewusst, dass ihre Kleidung durchgeschwitzt war. Ihr war aber auch bewusst, wer in den letzten Tagen ihr beim Umziehen geholfen hatte. Das war genug der Schmach bisher.
Und wahrscheinlich war Sora genau deswegen so streng. Weil er wusste, dass sie diesen Gedanken hatte. Ihr Stolz und ihr verzweifelter Versuch, Kontrolle über sich zu behalten, standen ihr wie immer im Weg.
Und so hatte sie für ihren Stolz nur im Grunde eine Möglichkeit. Sie wusste, was Sora vorhatte und tun wollte, also musste sie alles so drehen, als wäre es ihre Anweisung.
Und sie war Ärztin, sie wusste, was zu tun war.
„In meiner Tasche ist saubere Kleidung“, sagte sie und nickte in Richtung ihrer Tasche, die sie immer dabeihatte. Sie hatte zumindest immer wieder einen Satz Klamotten zum Tauschen. „Und Baden ist eine schlechte Idee. Ich brauche einen … Wadenwickel. “ Wieder ließ ihre Stimme zwischenzeitlich nach. Aber gerade der Wadenwickel sollte helfen, das Fieber zu senken. „Weißt du, wie man einen macht? “ Das meiste dafür hatte er ja schon da. Es brauchte immerhin nur kaltes Wasser und Tücher, die man um die besagten Waden wickeln konnte. „In meiner Tasche ist auch … ein erste Hilfe Set. Da sollten weiße Tabletten drin sein. Die senken Fieber. “ Black hatte ihr diese besorgt, als er fragte, was er tun könnte, um Fieber vorzubeugen. Lisann aber hatte sie nicht genommen, einfach, weil Black sie geholt hatte. Nun aber waren diese Schmerzmittel doch praktisch. Weil sie jene nutzen konnte, um Anweisungen zu geben.
„Und ja, das ist sehr akzeptabel“, sagte sie mit einem sanften Lächeln auf den Lippen und schaute zu Sora auf, als hätte sie tatsächlich die Zügel in der Hand. Sie, die verletzte und fiebrige Kopfgeldjägerin.

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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySa 30 Mai 2020 - 0:03

Sora rümpfte still die Nase. Ob er denn wusste, wie man einen Wadenwickel anlegte. "Miss Mirosa, ich mag zwar kein Arzt sein, allerdings lernen wir in der Grundausbildung der Marine nicht nur erste Hilfe." Erst nach seiner Aussage folgte das angedachte Schnauben. Für die entsprechenden Wadenwickel benötigte der Soldat allerdings sämtliche Mittel, welches das Zimmer glücklicher Weise zur Verfügung stellte. Bis es jedoch so weit kam, besaßen sie andere Prioritäten.
Rasch war die Tasche mitsamt Kleidung gefunden, aufgehoben und auf dem Bettrand abgelegt. Sora wusste zwar in keinster Weise, was genau sich in ihr befand, doch spielte all das nicht die geringste Rolle. Bedeutend wichtiger erschien es ihm für den Augenblick, Lisann nicht einfach nur auszuziehen und die vollgeschwitzten, mit Sicherheit bereits kalten, Stoffe von ihrer Haut zu entfernen. "Ich werde darauf achten, dass du dich möglichst wenig bewegen musst", kündigte der Schwarzhaarige bereits einige Sekunden im Voraus an, ehe seine bernsteinfarbenen Augen noch einmal über sämtliche Utensilien wanderten. Wasser? Vorhanden. Ein Tuch um Lisann zu waschen? Vorhanden. Zusätzliche Tücher für die Wadenwickel? Noch im Bad, allerdings in greifbarer Nähe. Wechselkleidung? Vorhanden.
Um keine unnötige Zeit zwischen den einzelnen Schritten der Behandlung verstreichen zu lassen, richtete sich der Takeuchi noch einmal auf, atmete leise aus und überbrückte die wenigen Meter zwischen Bett und Bad mit strammen Schritten. "Wann ist es geschickter, die Tabletten zu nehmen?" Nennenswerten Umgang mit Medikation besaß Sora nicht; zu seinem erstaunlichen Glück musste er in den Jahren seines Dienstes lediglich mit Kreislaufschwäche und mit ihr einher gehenden Symptomen kämpfen, wenn es um seine Gesundheit ging. Alle anderen Eskapaden bestanden aus Verletzungen. "Vor oder nach den Früchten?"
Sein zuerst fragend aus der Badezimmertür geworfener Blick mündete in einem sanften Lächeln. Erdbeeren und Massagen waren also genehm für Miss Mirosa. Dann würde es exakt das sein, was sie bekam. Nachdem Sora mit ihr fertig war. "Also dann", sechs weitere Tücher neben die umfunktionierte Schüssel legend, stützte Sora sein gesammeltes Gewicht auf ein Knie und positionierte es neben der Kopfgeldjägerin auf dem Bett "Fangen wir an?" Ehe Lisann keine eindeutige Zustimmung verlauten ließ, würde er ihren zierlichen, geschwächten und darüber hinaus geschundenen Körper nicht berühren.
Verbitterung stand in den sonst warmen Iriden des Soldaten geschrieben, als seine Finger zweckorientiert unter das feuchte Oberteil wanderten und es langsam, stetig hinauf schoben. Mit jedem neu erfassten Hämatom auf ihrer sonst perfekten Haut stockte dem Takeuchi ein wenig der Atem. In seinem Blick ruhte Frustration, nicht präsent gewesen zu sein. Er machte nicht den Eindruck, Lisann anzusehen - sondern lediglich einen Körper, geschunden durch die Skrupellosigkeit eines Mannes.
Keine Anerkennung ihrer Schönheit. Keine ausufernde Faszination für den weiblichen Schwung ihrer Taille. Keine hingebungsvollen Komplimente, als der klamme Stoff ihren massigen Busen passierte. Lisann würde neben seinem stechenden Blick lediglich raues, holpriges Atmen vernehmen können.
"Versuch mir jetzt ein klein wenig entgegen zu kommen", kam es flüsternd, nahezu monoton über seine Lippen, als Sora sich in die Richtung der Kopfgeldjägerin lehnte, um auch die letzten Barrieren überwinden zu können. Sämtliche Kleidung, die ihren gesundheitlichen Zustand mindern konnten, fanden schnell ihren Weg vom Leib der Schönheit.
"Er wird seine Strafe dafür bekommen, Lisann", warf der Konteradmiral scheinbar nebensächlich in den Raum, während seine Hände angestrengt und mit deutlich zu viel Kraft, überschüssiges Wasser aus dem ersten Tuch wrangen - als sei es die Kehle des Übeltäters, der für den Zustand seiner neben ihm liegenden Freundin verantwortlich war. Momente später glitt kühler, weicher Stoff über ihre Haut. Mit äußerster Vorsicht wurde jeder Millimeter gesäubert; vielleicht sogar mit weit mehr Aufmerksamkeit als irgendein anderes Lebewesen sich jemals mit Lisann beschäftigt hatte.
Minuten zogen ins Land, in denen Sora nicht sprach. Lediglich knappe Rückfragen hinsichtlich ihrer Schmerzen und Bitten für knappe, möglichst einfache Bewegungen bildeten die wenigen, fast überflüssigen Ausnahmen. Bis die wunderschöne Schwarzhaarige schließlich und endlich um eine fachmännische Wäsche, trockene Kleidung, zwei lindernde Wadenwickel und ein menschliches Kopfkissen reicher war. "Das war weit anstrengender als erwartet", der Konteradmiral atmete lang und tief durch die Nase ein "Und zwar nicht, weil ich noch nie einen anderen Menschen derart gepflegt habe." Schnauben.
Lisann konnte sich denken, warum es für einen Mann wie ihn anstrengend war, eine Frau wie sie zu waschen.
"Nun da wir das hinter uns haben ..", beide Hände wanderten hinüber zum Nachttisch, umfassten sowohl die zuvor angenommene Schüssel mit frischen Beeren und Obst, gleichzeitig aber auch die verheißungsvollen, weißen Tabletten, um beides mit leichtem Abstand neben der Kopfgeldjägerin auf der Matratze abzulegen "Womit wollen wir anfangen? Du hast die freie Auswahl." Und noch bevor sie überhaupt ein Wort sprechen konnte, legten sich zuerst Fingerkuppen, dann seine Hände, für zärtlich kreisende Berührungen auf den nachtschwarzen Haarschopf und ihr linkes Schlüsselbein.



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 28 Jun 2020 - 19:05

Lisann unterdrückte den Drang, mit den Schultern zu zucken, wissend, dass es ihr nur Schmerzen bereiten würde.
„Man kann nie wissen“, erwiderte Lisann und rang sich ein schwache Lächeln ab. „Immerhin musst du irgendetwas auch mal nicht können.“ Hatte sie jemals erlebt, dass Sora Grenzen besaß? Ihr war klar, dass er im Bezug auf seine Teufelsfrucht gewisse Nachteile hatte, aber das fiel nicht in den Rahmen, den sie gerade versuchte, zu bestücken.
Er hatte die Tasche ohne große Verzögerung gefunden. In ihr war nicht sonderlich viel, was von Bedeutung war. Ein paar Klamotten, ihr Revolver und ihr Dolch als auch ihr erste Hilfe Set. Und natürlich ihre Sonnenbrille, die auf keinen Fall verloren gehen durfte. Gerade im Frühling und Sommer war Lisann ohne diese aufgeschmissen.
„Danke“, sagte sie, obwohl sie sich sicher war, dass Sora nicht auf Dank aus war. Er half ihr und sie wusste, dass er im Gegenzug nichts von ihr erwartete. Wahrscheinlich nur, dass sie ihm ebenfalls helfen würde, sollte er ihre Hilfe benötigen und es war klar, dass Lisann das täte. Auf jeden Fall.
„Zusammen mit dem Essen. Durch den Zucker in den Früchten geht der Wirkstoff schneller ins Blut über.“ Die meisten anderen Medikamente hätte sie eine halbe Stunde vor dem Essen verschrieben, aber Zucker war in der Medizin Fluch und Segen zugleich. Er brachte Menschen über die Jahre langsam um, wenn man zu viel konsumierte, aber er war auch wichtig für den Körper, da er schnell Energie zur Verfügung stellte.
Sora zu beobachten war faszinierend. Er schaffte es, fast schon beiläufig alles zusammen zu suchen, was sie brauchten, ohne dabei Lisann das Gefühl zu geben, nebensächlich zu sein. Nicht nur, weil er das ja alles für sie tat, er band sie eben in alles ein. Fragte nach und räumte die Dinge in ihre Nähe. Sie war Teil ihrer eigenen Behandlung, was ihr die Illusion von Selbstbestimmtheit gab.
„Fangen wir an“, wiederholte sie seine Worte zustimmend und wandte unmittelbar den Blick ab, als sie einen düsteren Ausdruck in seinen Augen sah. Nicht gegen sie gerichtet, das wusste sie. Das war Verbitterung in seinen Augen. Wegen dem, was ihr angetan wurde.
Er arbeitete sich voran. Langsam und behutsam, um ihr keine Schmerzen zu bereiten und konzentriert abwesend, dass Lisann sich etwas entspannte. Sie als Person war aus dem Fokus gerückt, was sie mental beruhigte, auch wenn sie nicht erklären konnte, warum.
Sie folgte seinen Worten und versuchte, Sora so gut wie möglich zu helfen, auch wenn jede Bewegung in Anstrengung mündete. Keine Schmerzen, dies glich eher einem zu lang ausgeführtemnMuskeltraining.
„Ich weiß.“ Die Frage war nur, wer den Piraten erwischte. Black, Sora oder doch Lisann selbst? Ein zweites Mal würde sie solch einen Fehler nicht zulassen. Nicht gegenüber Yoshitsune. Doch sie wusste, dass so etwas jederzeit wieder passieren könnte. Sie musste also wieder vorsichtiger werden. Informationen über das Ziel sammeln, bevor sie sich in dessen Nähe begab. So arbeiten wie früher. Wie ganz früher.
Die Zeit verstrich und jede Minute war eine Wohltat. Kühle auf ihrer Haut, trockene Kleidung, Wadenwickel. Sie kam sich von Moment zu Moment wohlbehüteter vor, dabei wusste sie, dass Sora ohnehin auf sie Acht gab. Sie war sicher, solange er da war.
„Dafür hast … du das mit … Bravour gemacht“, entgegnete sie mit einem Lächeln.
Da Sora zu einer anderen Beschäftigung übergegangen war, griff sie nach den bereitgestellten Tabletten mit zittrigen Fingern und warf sich zwei in den Mund. Ohne Wasser zu benötigen schluckte sie jene herunter. Etwas, was sie bei ihrer Ausbildung gelernt hatte, sollte man nicht auf so etwas wie Wasser angewiesen sein, wenn man sich selbst irgendwie helfen musste.
Sora hatte indes begonnen, sie wieder zu berühren, was sie wieder sichtlich entspannte. Früher hatte jede unangekündigte Berührung sie in Stress versetzt, Sora war aber inzwischen eine Ausnahme. Er hatte die Erlaubnis, weil sie wusste, dass er ihr nicht wehtat. Dass er alles täte, damit es ihr gut ging. Sie brauchte keine Angst haben. Absolut nicht.
Bei ihm war sie sicher.
So oft sie diesen Gedanken bis eben hatte, nun aber veränderte er etwas in ihr. Er führte ihr vor Augen, dass sie sich keine Sorgen machen musste, egal wie viel Sora von ihr wusste. Er war auf ihrer Seite.
Und deswegen schloss Lisann die Augen und atmete tief ein, was einen stechenden Schmerz in ihren Rippen auslöste. Doch sie hatte einen Entschluss gefasst.
„Black hat meine Familie umgebracht.“



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptySo 28 Jun 2020 - 20:14

Innerhalb von Sekundenbruchteilen wurde der Mundinnenraum des Konteradmirals staubtrocken.
Diese eine Aussage von Lisann ließ einen Dominostein nach dem anderen umfallen. Black hatte ihre Familie getötet. Black war zum selben Zeitpunkt allerdings auch der Mann, welcher sie zumindest für gewisse Zeit vor weiteren Verletzungen bewahrt hatte. Er war derjenige, der nun von Sora wusste und ihn direkt kontaktiert hatte, um sicherzustellen, dass es der Kopfgeldjägerin auch im weiteren Verlauf gut ging.
Sora verstand nicht. Mithilfe dieser wenigen Informationen zeichneten sich lediglich in seinem Verstand gegensätzlich auslegbare Verknüpfungen ab. Ausgehend von seinen nebensächlichen Schlussfolgerungen auf das Verhältnis zwischen einer weit jüngeren Lisann und ihrer Familie, musste der Mord an ihrer Familie fast schon angenehm für sie gewesen sein.
"Und welches Verhältnis hast du seitdem zu Black?" Bis zu diesem Zeitpunkt gab es für den Schwarzhaarigen keine greifbaren Informationen, mithilfe derer er ein klares Bild konstruieren konnte. Lisann hatte diesen 'Black' seither lediglich mit größter Aversion erwähnt - verständlich in dem Sinne, dass er ihre Familie, womöglich damit auch den gesamten Rest ihrer Verwandtschaft ausgelöscht hatte. Gleichzeitig machte sich ein und dieselbe Person jede Mühe, um die nun vor ihm liegende Mirosa am Leben zu halten.
Tief durchatmend versuchte der Konteradmiral das plötzlich auf seiner Brust lastende Gewicht zu verdrängen. Zog er seine persönlichen, noch unausgesprochenen Rückschlüsse zur Rate, waren zahllose - wenn nicht alle - ihrer psychischen Schwierigkeiten in der frühen Kindheit entstanden. Unter 'Aufsicht' ihrer Familie. Rechtfertigte diese Tatsache den Mord an ihrem Vater, ihrer Mutter und Geschwisterkindern? "Ich maße mir nicht an, ein Urteil über ihn fällen zu können", offenbarte Sora nach einigen Momenten, atmete schwer aus und biss sich auf die Unterlippe, während seine Hände weiterhin versuchten, gleichmäßig über den samtenen Schopf und das Schlüsselbein Lisanns zu streicheln "Was ich mich frage, ist, warum der Mörder deiner Familie sich so sehr um dich kümmert."
Noch während er sprach, präsentierten sich gleich zwei Optionen. Auf der einen Seite stand das Bild eines Mannes, welcher zum Wohl eines einzelnen Mädchens dafür sorgte, dass ihre Rache durchgeführt wurde. Jemand der auf seine ganz eigene, gesetzlose Art und Weise versuchte, Gerechtigkeit für eine unschuldige Seele walten zu lassen. Dem gegenüber stehend war ein kaltherziger Mörder, welcher zu seiner eigenen, perversen Freude das letzte Kettenglied einer Familie am Leben hielt, um Lisann bis zu ihrem letzten Atemzug an den Verlust ihrer Blutsverwandtschaft zu erinnern.
Erneut schwer einatmend lockerte Sora seine seiner Hände, ließ sie zur Seite wandern und pflückte eine Erdbeere aus der Schüssel. Anstatt darauf zu warten, was Lisann ihm antwortete, führte er statt dessen die Erdbeere an ihre Lippen und versuchte sich an einem schwerlich aufrecht zu erhaltenden Lächeln. "Sie erinnern mich an deine Lippen", in diesem Moment gab es keinen nennenswerten Grund, um Komplimente auszusprechen. Nicht in diesem Kontext.
Allerdings wusste er sich nicht anders zu helfen. Er konnte absolut nichts sagen, was die Situation besserte - es war schlicht und ergreifend unmöglich, ihr den körperlichen, geschweige denn seelischen Schmerz zu nehmen.
"Du weißt, dass du dich nicht zusätzlich quälen musst, während du bereits Schmerzen hast." Sich vorsichtig nach vorn lehnend, um Lisann von oben direkt in die Augen sehen zu können, betrachtete er die bildhübsche Frau lediglich für einige Momente. "Lass es mich anders formulieren: wenn du unter dem, was du im Begriff bist zu sagen, noch zusätzlich leidest, will ich es nicht hören. Jedenfalls nicht, ehe es dir wenigstens körperlich besser geht." Wenn sie bereits so weit waren, dass Sora die junge Dame - mehr oder weniger - herumkommandierte, dann konnte er es auch zu ihren Gunsten auslegen. Kaum etwas lag ihm ferner, als der Grund für zusätzliches Unwohlsein der Mirosa zu sein.
Mindestens ebenso seltsam wie sein zuvor formuliertes Kompliment kam dem Soldaten auch seine folgende Überlegung vor: "Statt dessen könnte ich dir anbieten, dass du dich herumdrehst und mich umarmst." Niemand würde ihr Gesicht sehen. Niemand würde etwas in ihren Augen lesen können. Sora würde sie weiterhin streicheln und kraulen, sie mit Zärtlichkeit überfluten. Allerdings standen sie vor einem langsam brechenden Staudamm - war es tatsächlich richtig, jetzt noch einen Rückzieher zu machen?



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMi 1 Jul 2020 - 22:15

Er stellte ihn nicht her. Den Zusammenhang, vor dem Lisann sich so sehr gefürchtet hat. Warum sie den Mörder ihrer Familie so hasste. Warum sie ihn mied und verachtete. Sora sah es nicht. Oder Lisann hatte tatsächlich zu gut verborgen, wie sie wirklich empfand und was sie wirklich bewegte. Hatte er das nicht feststellen können?
„Ich will ihn dafür töten.“ Das war das Verhältnis, das sie mit Black hatte. Sie wollte ihn tot sehen. Selbst umbringen, weil er ihr genommen hat, was ihr wichtig war. Weil er ihr zuvorgekommen war. Sie hatte alle fünf töten wollen. Sie hatte ihre Hände voller Blut sehen wollen.
Aber Black hatte es verhindert.
Eine Erdbeere berührte ihre Lippen, bevor sie antworten konnte. Ruhig öffnete sie ihren Mund und nahm sich die Momente des Kostens, um die Worte zurecht zu legen, die sie gleich aussprechen wollte. Die Frucht schmeckte zu süß. Unterschied sich von der Bitterkeit des Moments. Auch seine süßen Worte halfen nicht, dem zu entkommen.
„Black ist ein Auftragsmörder. Einer der … besten“, erklärte sie. Sie hatte das Gefühl, dass Sora glaubte, es gab eine persönliche Bindung zwischen Black und ihrer Familie, weswegen er diese getötet hatte. Aber es musste für Black nur Geld gewesen sein, was ihn dazu bewogen hatte. „Jemand bezahlte ihn dafür. Und jemand bezahlt ihn … jetzt auch dafür, auf mich … Acht zu geben.“ Das Sprechen war nach wie vor anstrengend, aber sie mussten das wohl jetzt klären. Bis Sora das letzte Puzzleteil legte und ging. Weil er Lisanns Nähe nicht mehr ertragen konnte, da zu viel Dunkelheit in ihr herrschte.
Er lehnte sich vor. Drückte sich auf diese Weise gegen ihren Rücken und Lisann hob den Blick, um den seinen zu finden. Sora war in diesem Moment ganz dicht an ihr und neben der Furcht und Anspannung in ihr, erfüllte Lisann auch wieder das wohlige Gefühl von Sicherheit. Er war da. War nahe. Hielt sie auf diese Weise. Noch war sie sicher.
„Das quält mich nicht“, versuchte sie ihn zu beruhigen. „Es lässt mir keine Ruhe. Ich muss es aussprechen. Du musst es verstehen. Warum ich den Mörder einer Familie töten möchte, die mich nur hat leiden lassen.“ Aber sie hatte das Gefühl, dass er noch immer nicht dahinter stieg. War es doch so verquer? War es so unlogisch?
„Nein …“ Sie lehnte das Angebot der Umarmung ab. So sonderbar es in diesem Moment auch war, es war nicht deswegen. Sie wollte nicht, dass er weitere Nähe bereute.
Hier ging es tatsächlich nicht um Lisann, sondern um Sora.
„Solange du es nicht verstehst, geht es nicht. Und das tust du nicht. Sonst wärst du nicht … so zuvorkommend.“ Jedes Wort verlangte ihre letzten Kraftreserven. Mentale, nicht körperliche. Sie wollte das hinter sich bringen. Die Karten auf den Tisch legen. Immerhin wusste sie so viel über ihn. Und er nur so wenig über sie. Nur das Oberflächliche. Er wusste so gut wie gar nichts über sie. Einfach gar nichts. Die Dunkelheit, die in ihr herrschte, war ihm verborgen. Die Dunkelheit, die sie zur Verbrecherin hätte machen können, wäre Black ihr nicht zuvorgekommen.


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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyMi 1 Jul 2020 - 22:45

"Das dachte ich mir fast." Natürlich wollte sie den Mörder ihrer Familie zur Rechenschaft ziehen. Auch die hinzugefügte Information, Black sei ein Auftragsmörder, erweiterte das bereits vorhandene Bild auf keineswegs relevante Weise. Sie vervollständigte allerdings die Motivation hinter seinen Taten. Wenn es denn überhaupt das war, was für ihn eine Rolle spielte - beziehungsweise in der Vergangenheit gespielt hatte.
Außenstehende besaßen in Fällen wie diesen einen einzigartigen Vorteil. Sie waren emotional nicht befangen. Sie sahen Ereignisse wie diese nicht aus dem Blickwinkel des Opfers, ebenso wenig wie durch die Augen des Täters. Obwohl Lisann in ihren Beschreibungen eindeutig war, behielt sich der Konteradmiral dennoch die Option offen, weder hinter dem Mord, noch hinter dem Schutz, welcher der Mirosa zukam, lediglich finanzielle Ambitionen zu sehen.
Vielleicht, unter Umständen, gab es da noch mehr. Dinge, von denen nicht einmal die junge Frau selbst wusste. Weil sie mit dem Gedanken an Rache besser aufgehoben war, ein langfristiges Ziel besaß.
"Wenn du es aussprechen möchtest, darfst du das tun", Sora legte gleichmütig seinen Kopf schien, verzog leicht die Mundwinkel und schien einen Moment darüber nachzudenken, was genau er sagen wollte "Unter zwei Prämissen:", sanft lächelnd hob er zwei Finger "Erstens: wenn du es ausgesprochen hast, umarmst du mich. Zweitens: wenn du weinen willst, tu' es." Lisann war keine schwache Frau. Im Gegenteil. Sie war unnatürlich stark. Exakt aufgrund dieser mentalen Stärke, welche sie sich wohl in tausend Jahren nicht eingestehen würde, hatte sie sicherlich einen Großteil ihrer Emotionen verborgen gehalten.
Um nicht an ihnen zu zerbrechen. Um weiter zu machen. Black jagen und eines Tages töten zu können.
Den Kopf noch immer vorsichtig und in respektvollem Abstand über den mesmerisierenden, meerblauen Augen der Kopfgeldjägerin schweben lassend, verlagerte Sora erneut sein Gewicht. Er verstand nicht? Womöglich tat er das tatsächlich nicht. Möglicher Weise sogar willentlich. "Nun, es gibt für mich zwei Resultate aus dem Mord an deiner Familie", ebenfalls wurden noch immer seine beiden Finger - Zeige- und Mittelfinger - angehoben "Resultat eins: Black hinterlässt durch den Mord an einer gesamten Familie ein emotional gebrochenes, traumatisiertes Mädchen, welches nach Rache sehnt, weil er ihre Familie tötete." Das war die logische, die gutherzige, die naive Einschätzung der Sachlage. Wohl genau die Sicht der Dinge, welche Lisann von ihm erwartete. Und ganz ohne jeden Zweifel auch exakt das, was Sora glauben wollte.
"Resultat zwei: Black hinterlässt durch den Mord an einer gesamten Familie ein emotional gebrochenes, traumatisiertes Mädchen, welches nach Rache sehnt, weil sie ihre Familie nicht töten konnte." Zögerlich senkten sich die Finger des schwarzhaarigen Konteradmirals. Er sagte nichts. So wie sie sich ausgedrückt hatte, so sehr wie die bildhübsche Kopfgeldjägerin darauf beharrte, er würde nicht verstehen, lag eben diese weniger .. angenehme Schlussfolgerung nahe. Sora wollte Lisann nicht als kaltblütige Mörderin sehen. Allerdings sprach ihre Profession Bände.
Vorsichtig ausatmend, unsicher, wie genau die Konversation überhaupt fortgesetzt werden konnte, senkte der Takeuchi seine Finger; führte sie andächtig an den schlanken Hals der Schönheit, streichelte diesen, fuhr ihm hinauf und ließ seine Handinnenfläche schließlich auf ihrer noch immer blassen, hitzigen Wange ruhen. "Du hast lange Zeit ohne viel Licht auskommen müssen, richtig? Deswegen reagierst du so empfindlich auf Sonnenlicht. Sicherlich kein Resultat, weil ihr in einem Wald gehaust habt. Man hat dich eingesperrt, richtig? In einem Kellerzimmer?" Sora verzog keine Miene. "Deine Reaktionen auf Männer. Schnelle Bewegungen. Berührungen. Ich habe nicht das Gefühl, dass sie lediglich aufgrund schlechter Erfahrungen entstanden sind, sondern weil sie mit dem einher gingen, was ich beschrieben habe .."
Den Blick abwendend suchte er nach den richtigen Worten. Ein riesiger Kloß festigte sich im Hals des Takeuchi, wurde allerdings wenige Momente später heruntergeschluckt. Hier zu schweigen war falsch. Wenn es Hoffnung für Lisann und ihren mentalen Zustand geben sollte, mussten sie darüber reden. "Du wurdest misshandelt. Meiner Vermutung nach von deinem Vater. Und .. niemand hat dir geholfen?" Seine bernsteinfarbenen Augen verengten sich. "Wolltest du deine Familie dafür umbringen?"



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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyDo 2 Jul 2020 - 14:45

Für Lisann war ihr Leben klar. Ihr Fall war klar. Sie wusste genau, was ihr geschehen war und wie das zustande gekommen war. Sie wusste ebenfalls, wie viel Leid sie hinter sich hatte und was die aus ihr gemacht hatte. Es war für sie gar keine Frage, dass es irgendwie anders gesehen werden könnte. Die Frage war nur, wer wie viel wusste und deswegen versuchte Lisann immer, alles zu verbergen.
Bis sie Sora kennengelernt hatte.
Zwei Prämissen. Lisann war sich nach wie vor sicher, dass die erste Prämisse wegfallen würde. Lisann brauchte gar nicht darüber nachdenken, ob Sora sie akzeptieren würde. Sobald er wusste, was sie vorhatte, den vollen Umfang verstand, würde er gehen. Aufstehen, gehen und alle Bindungen mit ihr vergessen.
„Ich weiß nicht, ob das zweite überhaupt eine Möglichkeit ist.“ Lisann weinte eigentlich nicht, wenn sie sich gerade in einem Flashback befand. Sie versuchte zumindest, sich zu beherrschen. Sie versuchte stark zu sein, denn lange Zeit hatte sie nichts Anderes gehabt, als dies zu versuchen. „Nummer eins ließe sich umsetzen.“
Er versuchte wieder, Lisann zu analysieren. Stellte zwei Möglichkeiten auf.
Und traf mit der zweiten ins Schwarze.
Einen Moment hielt sie den Atem an, hatte sie doch vergessen, dass Sora mehr als nur intelligent war und sie mit ihm jemanden kannte, der auf Augenhöhe war.
Er berührte sie mit seinen Ausführungen weiterhin. Sprach weiter. Offenbarte, was er meinte zu wissen. Und oberflächlich hatte er es verstanden.
Aber eben nur oberflächlich.
„Ja und nein“, sagte sie mit zitternder Stimme. „Ich wollte meine Familie töten. Jeden von ihnen. Alle fünf. Und Black hat mir diese Chance genommen.“ War es jetzt Zeit für die volle Wahrheit? Für jedes kleine Detail? „Hiram Mirosa ist nicht mein Vater“, sagte sie offen heraus. „Er ist der Mann meiner Mutter, aber nicht mein Vater. Meine Brüder waren meine Halbbrüder. Meine kleine Schwester meine Halbschwester. Ich weiß nicht, wer mein Vater war. Latina hat nie darüber gesprochen.“ Es war sonderbar. Hiram war in ihren Ausführungen ihr Vater. Aber hatte sie ihre Mutter jemals wirklich direkt als Mutter bezeichnet oder gesehen? Oder fehlte dafür das, was eine Mutter auszeichnete? Die Liebe zum Kind? „Mein Vater fand dies heraus. Wollte mich tot sehen, konnte mich aber nicht unbemerkt loswerden. Als ließ er seine Wut an mir heraus. Meine Mutter sah weg. Mein großer Bruder versprach mir zu helfen, tat es nicht. Mein kleiner Bruder eiferte meinem Vater nach. Tanya stachelte sie an.“ Woher fand sie jetzt auf einmal die Kraft, zu sprechen? Vor allem so neutral? Weil sie endlich eine Schwelle passiert hatte, bei der es nun egal war? Weil sie wusste, sie hatte den tiefsten Abgrund offenbart? „Black tötete sie, bevor ich es konnte. Lange hatte ich mir nur ihre Liebe gewünscht, dann nur noch ihren Tod durch meine Hand. Beides habe ich nie erhalten.“ So sehr sie sich danach auch gesehnt hatte. Sie hatte nichts mehr gewollt. Und sie hatte nie etwas bekommen. „Ein einziger Mann hat verhindert, dass ich eine fünffache Mörderin werde. Wäre Black nicht, säße ich nicht hier, sondern wohl im Gefängnis. Und dafür hasse ich ihn. Weil er mir diese Möglichkeit genommen hat.“


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BeitragThema: Re: Impel Showdown   Impel Showdown EmptyDo 2 Jul 2020 - 16:27

Mit jedem Wort welches die Kehle der Mirosa verließ, schien es beinahe, als würde der Herzschlag des Konteradmirals langsamer werden. Das exakte familiäre Verhältnis zwischen ihr und ihren 'Eltern', ebenso wie die Bindung zu ihren 'Geschwistern' spielte nur eine höchst untergeordnete Rolle. Auch wenn mehr als deutlich wurde, woher Lisann ihre Einstellung bezog, woher ihre Ambitionen herrührten und in gewissem Maße wohl auch, woher ihr Hass gegenüber Black stammte.
"Was denkst du, wird jetzt geschehen?" Sora machte einen ruhigen Eindruck. Seine Hände lagen noch immer sanft an der Wange und auf dem matten Haarschopf der Kopfgeldjägerin. In keinem Moment wandte er sich ab, geschweige denn wurde die körperliche Nähe und Intimität gebrochen. "Erwartest du, dass ich mich nun von dir entferne? Dass ich einfach wieder nach Loguetown zurückkehre, die letzten Jahre unserer Freundschaft ignoriere und nach Möglichkeit einfach alles vergesse?" Lisann zerbrach sich mit absoluter Sicherheit ihr hübsches Köpfchen, wie er über sie dachte.
Vor ihm lag keine perfekte Frau; kein Mensch ohne irgendeine Form von Fehler oder Schwäche. Das war etwas, was er bereits während ihres ersten Treffens hatte feststellen dürfen, weswegen eine Illusion der Perfektion gar nicht bestand. "Lisann. Sieh mich an", sprach er fordernd, lehnte sich ein wenig vor, damit ihre Blicke sich trafen "Denkst du ernsthaft, ich würde dich verurteilen, nur weil du die Absicht hattest, Menschen umzubringen?" Im krassen Gegensatz zu seiner sonst gezeigten Attitüde, seiner Verliebtheit dem Leben gegenüber, seiner nahezu optimalen Familie, all den zwischenmenschlichen Beziehungen die er pflegte und behütete, regte sich in just diesem Moment nichts in der Mimik des Soldaten.
"Ich wage es nicht, die Behauptung aufzustellen, zu wissen, wie du dich gefühlt haben musst und noch immer fühlst", leitete er ein, neigte den Kopf sacht und lupfte aufmerksam eine Braue "Nur weil du diese Gedanken und Wünsche gehegt hast, macht dich das längst nicht zu einem schlechten Menschen. Du hast keinen Mord begangen. Du bist nicht zu einer Mörderin geworden", obgleich ihre Ambitionen nun darin bestanden, den Mörder ihrer Familie zu jagen und hinzurichten, änderte sich doch nichts an diesem reichlich simplen Umstand. Lisann war eine Mörderin. Sie trug diese Last nicht auf ihren Schultern. Ebenso wenig wie Vertreter des Gesetzes sie wie einen Hund verfolgten.
Tief in seinem Inneren wollte Sora Lisann Bestätigung für den in ihrer Brust verankerten Hass geben. Er konnte nachvollziehen, warum sie ihre Familie, ihre Mutter, ihren Vater, ihre Geschwister, jedes einzelne ihr bekannte Mitglied der engen wie entfernten Verwandtschaft hasste, sie verfluchte und sie umbringen wollte. In seinen Augen war die Kopfgeldjägerin im Recht; Abschaum wie ihre 'Familie' verdiente keine Existenz.
Nicht wenn sie sich gegenüber einem unschuldigen Mädchen derart verhielten, ihren Körper, ihren Verstand, ihre gesamtes Wesen mit schrecklichsten Narben überzogen. Aussprechen würde er jedoch nichts davon.
"Deine Gedanken machen dich nicht zu einer Mörderin. Sie machen dich nicht zu einem schlechten Menschen", wiederholte Sora ruhig, ließ seine Fingerspitzen wandern und umfasste schließlich die blassen, vor innerer Hitze glühenden Gesichtszüge der Mirosa und sah zu ihr herunter "In der Vergangenheit habe ich ebenfalls darüber nachgedacht, Menschen umzubringen. Ich wollte Dinge zerstören. Einfache Objekte, Gebäude, Städte, Inseln, Konzepte und gesellschaftliche Konstrukte. Weil es der einfachste Weg schien. Alles auszulöschen, was mich oder andere verletzt hat", ein langes, flaches Seufzen folgte auf einen andächtigen, ebenfalls in die Länge gezogenen Atemzug. Wenn die Überzeugung, das Verlangen, nach dem Mord ihrer eigenen Familie Lisann zu einem schlechten, widerwärtigen Menschen machte - zu was wurde er dann?
Sora ließ seine Hand zur Seite gleiten. Hastig suchten seine Fingerspitzen nach einer weiteren Erdbeere, fanden sie und ließen sie regelrecht durch die Luft schweben. Ehe Lisann ihm antworten oder sich ausgiebige Gedanken machen konnte, intervenierte der Konteradmiral. Indem er der Kopfgeldjägerin eine andere Beschäftigung, eine Ablenkung präsentierte und im wahrsten Sinne des Wortes auf ihre sinnlichen Lippen legte. "Je mehr wir über unsere Umgebung, Mitmenschen und die Welt lernen, desto mehr Dunkelheit nehmen wir in uns auf", hauchte er leise, diesmal mit geneigtem Kopf und leiser, verständnisvoller Stimme "Entscheidend ist für mich, ob wir danach handeln oder uns dagegen entscheiden und Alternativen finden."



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